LUXEMBURG
HEIKE VESPER

Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind bedroht und viele verschwinden jedes Jahr. Auch wenn niemand genau weiß, wie viele Arten Jahr für Jahr aussterben, gehen Schätzungen von mindestens 20.000 pro Jahr, vielleicht sogar 60.000 Arten aus. Viele von ihnen sterben sogar aus, bevor sie überhaupt entdeckt wurden, da sie etwa an schwer erreichbaren Orten der Erde leben, wie zum Beispiel der Tiefsee. Denn auch hier leben bedrohte Arten, die riskieren auszusterben. Weshalb es wichtig ist alles Mögliche zu tun, um diese zu schützen. Daran erinnert uns jedes Jahr der Tag des Artenschutzes, der am Sonntag wieder stattfindet. Hierzu die Biologin Heike Vesper, Leiterin des WWF-Zentrums für Meeresschutz beim WWF Deutschland.

„Im Jahr landen acht Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Sie addieren sich zu den etwa 150 Millionen Tonnen PET und Co., die bereits heute durch die Ozeane mäandern. Plastik zersetzt sich extrem langsam, mitunter überhaupt nicht. Man schätzt, dass Plastikteile bis zu 400 Jahre in der Umwelt verbleiben. Wir müssen diese Vermüllung der Weltmeere stoppen – und zwar schnell.

Die UN widmet den diesjährigen Tag des Artenschutzes am 3. März dem bedrohten Leben Unterwasser. Dort ist unser Plastikmüll ein vielfältiger Killerfaktor: Plastik schädigt Korallenriffe. Seevögel verenden an Plastikteilen. Meeresschildkröten verheddern sich in alten Fischernetzen. Jüngst haben Forscher Delfine, Robben und Wale untersucht, die tot an die Küsten Großbritanniens gespült wurden. In allen 50 Kadavern fanden sie Mikroplastik. Mehr als 800 Meeresarten sind durch Plastik bedroht.

Das Meer kennt keine Grenzen. Die Plastikflut ist ein globales Problem. Alle Staaten sind für sie mit verantwortlich. Kein Land bekommt sie alleine in den Griff. Ein rechtlich bindendes, internationales Abkommen hierzu existiert aber bislang nicht. Im März entscheidet die UN-Umweltversammlung (UNEA) in Nairobi, ob sie den Weg zu einer entsprechenden rechtsverbindlichen und globale Vereinbarung freimacht. Sollte auf der UNEA kein entsprechendes Mandat erteilt werden, machen wir als WWF bis zur UN-Vollversammlung im September 2019 weiter Druck. Dazu beitragen soll auch unsere weltweite Petition #StopPlasticPollution (www.wwf.de/stop-plastic).

Eine weltweite ‚Plastik-Konvention‘ könnte den Rahmen bilden für die Finanzierung von Abfallbewirtschaftungssystemen, etwa in Südostasien. Die Staaten müssten sich im Rahmen der Konvention außerdem zu wirkungsvollen nationalen Aktionsplänen verpflichten. Sicher aber ist: Wir stoppen die Plastikflut nur, wenn alle mitziehen – Politik, Wirtschaft und uns Verbraucher eingeschlossen.“