LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Der Titel dieser Ausstellung ist Programm: „Hard Truths“ im „Cercle Cité“

„Hard Truths“ lautet der Titel einer neuen Ausstellung im „Cercle Cité“. Nicht umsonst. Gleich im Eingangsbereich wird der Besucher gewarnt: „Certaines photographies présentées sonst susceptibles de heurter la sensibilité des plus jeunes“. Unbeeindruckt wird die Ausstellung niemanden lassen, nein, sie wird berühren und erschüttern.

Zusammengestellt wurde „Hard Truths - An exhibition of prize-winning photography from The New York Times“ von der „Foundation for the Exhibition of Photography“ (FEP) in Zusammenarbeit mit der „New York Times“. „Wir organisieren Fotoausstellungen jeder Art, dies ist nun aber die erste Schau, die sich dem Fotojournalismus widmet. Wir wollten nah an der Aktualität zeigen, was sich in der Welt tut“, erklärte Ausstellungskurator Arthur Ollman gestern beim Presserundgang. 60 eindringliche, bewegende und teils grausame Fotografien von fünf ausgezeichneten Fotografen, die für die „New York Times“ arbeiten, sind das Resultat. Intensiver und authentischer hätten sie diese Augenblicke fast nicht mit der Kamera einfangen können. Die Aufnahmen, die auch intime Einblicke in einen oftmals menschenunwürdigen Alltag geben, gehen tief unter die Haut.

Arbeit unter Lebensgefahr

„Es ist gerade jetzt ein wichtiger Moment, solche Fotos zu zeigen, dies in Zeiten immer neuer ,Fake News‘-Anschuldigungen“, sagte Ollman. Die „New York Times“ bezeichnete der Kurator derweil als eine der größten und zuverlässigsten Nachrichtenquellen. „Die ,Times‘ bietet den Fotografen, die sie in gefährliche Gebiete schickt, die nötige Unterstützung. Diese Leute riskieren ihr Leben. Aus diesem Grund müssen wir uns diese Fotos anschauen und dürfen nicht die Augen vor der Wahrheit verschließen“, bemerkte er. Während Fotos in einer Zeitung oft nur kurz für Aufmerksamkeit sorgen, würde die Ausstellung in einer Galerie sie auf eine andere Ebene erheben. „Es bringt die Leute dazu, anders hinzuschauen und vor allem länger“, meinte der Amerikaner, bevor er uns schließlich in die Ausstellungsräume geleitete, um die Bilder für sich sprechen zu lassen.

Aussagekräftig ganz ohne Worte

Tomás Munita, geboren in Chile, widmet sich dem Thema „Cuba on the edge of change“. Nach dem Tod von Fidel Castro, dem einzigen Führer, den viele Kubaner je kannten, befand sich die Gesellschaft an einem Scheideweg zwischen Beunruhigung und Enthusiasmus, was die Zukunft anbelangt. Munita gelingt es, die Lebenskraft der Bevölkerung in der komplexen Geschichte dieses Landes zu dokumentieren.

Meridith Kohut, geboren in Texas, beschäftigt sich mit „Venezuela’s Collapse“. „Einst war Venezuela ein reiches Land, nun befindet es sich im wirtschaftlichen Chaos“, bemerkte Ollman. Die Fotografin schafft es, die zunehmende Zerrüttung und den Niedergang der Gesellschaft, die ums Überleben kämpft, mit der Kamera einzufangen und die tragische Situation für die Betrachter greifbar zu machen.

Besonders grausam sind die Fotos des gebürtigen Australiers Daniel Berehulak. Dies wird letztlich bereits am Titel deutlich: „They are slaughtering us like animals“. 35 Tage hat er auf den Philippinen verbracht. 57 Opfer von Anschlägen oder Morden hat er während dieser kurzen Zeit fotografiert. Die Aufnahmen machen den Horror spürbar und verdeutlichen zudem das Drama, das die Hinterbliebenen durchleben.

Geschichte hinter den Bildern

Fast wie eine kleine Pause, um kurz durchatmen zu können, erlebt man dagegen die Fotos der Iranerin Newsha Tavakolian. In ihrer Serie „Stress and Hope in Tehran“ zeigt sie Porträts von Menschen der Mittelklasse in einer Periode der Ungewissheit. „Auch diese Menschen stecken in einer Krise, viele haben alles verloren“, unterstrich der Kurator. „Die Ausstellung ist ähnlich wie eine Symphonie, sie hat durchaus auch ruhigere Passagen“, fügte er hinzu. Das nächste Crescendo kommt aber schon an der nächsten Expo-Wand, wo die Fotos des irischen Fotografen Ivor Prickett unter dem Titel „End of the Caliphate“ die Situation in der Stadt Mossul zeigen. Prickett richtet sein Objektiv ebenso auf die letzten Kämpfe wie auf die Zivilisten und erschafft so ergreifende Momente. „Als Betrachter erfinden wir die Geschichten zu den Bildern“, sagte dazu Ollman.

Die Wahrheit kann manchmal schmerzen, das machen diese unverfälschten Momentaufnahmen mehr als deutlich. Es geht nicht darum, die ganzen Grausamkeiten und das menschliche Leid in Kunst zu verwandeln, sondern uns zu zwingen, den Blick nicht abzuwenden, ohne uns die nötigen Gedanken zu machen. Letztlich geben Reporter in Artikeln jenen eine Stimme, die sonst nicht gehört werden. Fotojournalisten fügen diesen Stimmen dann auch noch ein Gesicht hinzu.

„Hard Truths - An exhibition of prize-winning photography from The New York Times“ läuft bis zum 27. Januar. Informationen zum Rahmenprogramm unter www.cerclecite.lu