LUXEMBURG
JK

Am 10. September 1944 wurde Luxemburg-Stadt von den Amerikanern vom Nazi-Joch befreit

Nach viereinhalb Jahren Nazi-Herrschaft sollten die Einheiten der ersten amerikanischen Armee das Großherzogtum am 10. September 1944 befreien. Am 9. September 1944 war Petingen als erste Gemeinde des Großherzogtums durch die alliierten Truppen befreit worden. Wegen weiterer Zusammenstöße von Nazi-Deutschen und amerikanischen Truppen bei Bartringen konnte die Hauptstadt erst tags darauf befreit werden. Bereits im Morgengrauen setzten sich die Einheiten der fünften Panzerdivision unter dem Kommando von Lunsford E. Oliver in Bewegung und konnten unter den Jubelschreien der Bevölkerung in die Hauptstadt einmarschieren.

Gedenkfeier auf „Kanounenhiwwel“

Zum 75. Jahrestag der Befreiung durch die Amerikaner hatten die Regierung und die Stadt Luxemburg gestern gemeinsam zur einer Gedenkfeier geladen. Ein erster Teil der Zeremonie fand vor dem 1971 zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges eingeweihten „Monument national de la Solidarité luxembourgeoise“ auf „Kanounenhiwwel“ statt. Im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten, unter anderem Parlamentspräsident Fernand Etgen, Premier Xavier Bettel und Bürgermeisterin Lydie Polfer, legte Großherzog Henri ein Blumengebinde nieder.

Anschließend fand eine akademische Sitzung im symbolträchtigen Cercle-Gebäude statt, der unter anderem Großherzog Henri und die serbische Premierministerin Ana Brnabic beiwohnten. „Heute, 75 Jahre nach der Befreiung des Landes, sind Freiheit und Frieden eine Selbstverständlichkeit“, sagte Premier Xavier Bettel in seiner Ansprache. Daher ist es seiner Meinung nach schwer nachzuvollziehen, dass rechtes Gedankengut wieder salonfähig sei. Für Bettel ist es unabdingbar, die Erinnerung wach zu halten und die Gräuel der Nazi-Herrschaft niemals zu vergessen. Auch die Erinnerung an die Befreier und ihre Opfer dürfte niemals verblassen: „Wir müssen die Erinnerung weitergeben wie die Fackel bei den Olympischen Spielen“, sagte der Premier.

Viel Freude, aber auch viel Leid

Bürgermeisterin Lydie Polfer stellte ebenfalls das Cercle-Gebäude in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. „Wenn diese Mauern sprechen könnten, würden sie eine Geschichte von viel Freude, aber auch viel Leid erzählen“, meinte Polfer. Im zwischen 1904 bis 1909 errichteten Gebäude fanden 1939 die Feierlichkeiten zur 100-jährigen Unabhängigkeit des Großherzogtums statt, bevor die Nazis im Mai 1940 in Luxemburg einmarschierten. Es folgte ein „düstere Zeit“, sagte die Rednerin.

Am 10. September 1944 sollte der Cercle einmal mehr im Mittelpunkt des Geschehens stehen: Vom Balkon des Cercle-Gebäudes sollte Prinz Félix, der mit einer ersten Welle der Alliierten in die Hauptstadt gekommen war, Grüße von Großherzogin Charlotte überbringen. Am Nachmittag fand sich auch der damalige Erbgroßherzog und spätere Großherzog Jean hier ein.