LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Ein Rückblick auf zwölf Tage LuxFilmFest

Am 1. März startetet die siebte Ausgabe des „Luxembourg City Film Festival“, kurz LuxFilmFest genannt, mit der Eröffnung des „Pavillon Réalité Virtuelle“ im Casino Luxembourg im Beisein von Xavier Bettel in seiner Funktion als Kulturminister. Zwölf Tage später endete es mit der Premiere von „Song to Song“, einem wiederum extrem konfusen Film von Terrence Malick. Am Freitag erlebte das Festival seinen Höhepunkt mit der Preisüberreichung. Wir haben darüber berichtet.

Keine Top-Filme

Keiner der zehn Filme im offiziellen Wettbewerb stach besonders hervor. Die Pressejury wählte „Slava“ (Glory), eine bulgarische Produktion von Kristina Grozeva und Petar Valchanov. „Slava“ ist eine Uhr-Marke. Dem Eisenbahner Tsanko Petrov (Stefan Denolyubov) liegt seine „Slava“ sehr am Herzen. Als er bei seinem täglichen Streckenlauf eine Unmenge Geld findet, benachrichtigt er die Polizei. Er wird von der Politik als Held gefeiert, während seine Kollegen ihn für den Depp des Jahres halten. Als Dank bekommt er eine digitale Uhr geschenkt, während seine „Slava“ von Julia (Margita Gosheva), einer PR-Agentin im Transportministerium, verlegt wird. Tsanko, der nur seine Uhr wiederhaben will, wird am Ende für seine Gutheit bitter bestraft. In ruhigen Bildern wird diese Geschichte erzählt, die durch bitterböse Hiebe gegen korrupte Politiker und eine kaltschnäuzige Vermarktungspraxis gefüllt ist.

Auch die Wahl der Hauptjury kann man verstehen, denn „Toivon tuolla puolen“ (The Other Side Of Hope) vom finnischen Regisseur Aki Kaurismäki erzählt eine aktuelle Geschichte, die vom syrischen Flüchtling Khaled (Sherwan Haji) handelt, der beim Restaurant-Besitzer Wikström (Sakari Kuosmanen) unterkommt. Kaurismäkis typischer Stil ist unübersehbar. Das Ambiente erinnert an die 1950er Jahre, obschon der Film heute spielt. Zudem wird die Geschichte mit viel Sarkasmus erzählt.

Interessant und spannend war noch der amerikanische Film „Transpecos“ von Greg Kwedar, der an der amerikanisch-mexikanischen Grenze spielt. Die Grenzbeamten Flores (Gabriel Luna), Hobbs (Clifton Collins Jr.) und der Neue Davis (Johnny Simmons) langweilen sich zu Tode, bis sie einen Drogenkurier erschießen müssen. „Grave“ von Julia Ducournau ging zwar an die Grenzen des guten Geschmacks, in der Darstellung der Wandlung von Justine (Garance Marillier) von einer Vegetarierin zur Kannibalin, war dennoch ein überdurchschnittlicher Gruselfilm, der unter anderem 2017 in Gérardmer den Grand Prix gewann und 2016 den „Méliès d’Or“ als bester europäischer fantastischer Film.

Intellektuelles Publikum?

Nicht zu verstehen ist die Wahl des Publikums, die auf „Dark Night“ von Tim Sutton fiel. Während der Pressevorführung gab es ein Schnarch-Konzert, und am Ende waren sich fast alle einig: Das war ein ganz schlechter Film, den man zudem nicht verstehen kann, außer man weiß im Vorfeld, dass es sich um das Massaker in einem Kinokomplex in Aurora im US-Bundesstaat Colorado handelt, wo der 24-jährige James Holmes 2012 zwölf Menschen erschoss, die sich den Batman-Film „The Dark Knight Rises“ ansahen. Der Film dreht sich um eine Reihe Jugendlicher, Opfer und potenzielle Täter. Vielleicht waren es die lieblichen Augen von Hauptdarsteller Robert Jumper, der das Festival besuchte, die speziell den Zuschauerinnen gefielen und Auslöser für ihre Wahl waren. Oder hat das Publikum hierzulande eine Kehrtwende vollzogen, vom Popcorn-Kino zu intellektuellen Streifen, die eigentlich nur bei Festivaljurys Anklang finden, und diese aus Verlegenheit über das Nichtverstehen mit Preisen überhäufen?