LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Die ersten Vorläufer der Gitarre wurden vor 5.000 Jahren benutzt

Böse Zungen behaupten die Gitarre sei das meistgespielte Instrument, da es von allen das am leichtesten zu bedienen sei. Sicher ist, dass es zu den beliebtesten und ältesten Musikinstrumenten der Menschheitsgeschichte zählt, obschon sich die historische Entwicklung nur schwer und nicht lückenlos nachvollziehen lässt. Erste Spuren fanden sich vor 5.000 Jahren.

Da man den Ursprung der Musikinstrumente als Utensilie für die Signalgebung bei der Jagd und Kommunikationsmittel bei gesellschaftlichen Ereignissen sieht, wobei hauptsächlich Trommeln und Pfeifen benutzt wurden, ist die Verwendung von Zupf- oder Saitenunstrumenten selten dokumentiert und erste konkrete Spuren finden sich erst in der Ära des Barock.

Namensursprung im Griechischen

Der Namensursprung stammt aus dem Altgriechischen „kithara“ und wandelt sich mit der Zeit vom arabischem „qitara“ zur spanischen Bezeichnung „guitarra“. Die genauen zeitlichen Angaben lassen sich nur schwer einordnen, aber erste Dokumente in Form von Skizzen, Partituren und Tabulationsfragmenten , die dem heutigen Aussehen und der uns bekannten Spielweise der Gitarre entsprechen, tauchen gegen Ende der Renaissance, Anfang des Barock auf. Großen Anklang fand die Gitarre als Hauptbestandteil der zeitweise sehr beliebten Hausmusik. Das Instrument konnte wie das Klavier die Rolle als Begleitinstrument, mit leicht greifbaren Akkorden, übernehmen, oder als Solostimme eingesetzt werden. Es war leicht transportierbar und das Wichtigste, man konnte das sechssaitige Instrument selbst stimmen, was den aufwendigen und kostspieligen Klavierstimmer erübrigte.

Vom romantischen Lagerfeuer oder geselligen Fiestas und Parties ist die „Klampfe“ nicht mehr wegzudenken und bei der Volksmusik unzähliger Länder spielt der vielseitige Stimmungsmacher von jeher eine wichtige Rolle. Was wären beispielsweise Flamenco, Samba, Bossa Nova, Country und Western oder das reichhaltige Gut der Liedermacher ohne den Charme und die Flexibilität der akustischen Gitarre?

Erste E-Gitarre im Jazz

Der bedeutendste Interpret der Zigeunermusik Django Reinhardt stellte mit seiner Combo, dem Hot Club de France, erstmals ein reines Saiteninstrumentenensemble mit drei Gitarren, Geige und Kontrabass, zusammen. Im Jazz wurde die elektrische Gitarre erstmals 1939 von Charlie Christian in einer Bennie-Goodman-Formation eingesetzt.

Das weltberühmte „Concierto de Aranjuez“ des spanischen Komponisten Joaquin Rodrigo gehört zu den populärsten und meistgespielten Vorzeigestücken weltberühmter Interpreten wie Narciso Yepes oder Alexandre Lagoya.

Auch im Jazz gibt es kein Werk aus der klassischen Gitarrenliteratur, das öfter im Repertoire der unterschiedlichsten Bands aus verschiedenen Epochen zu finden ist. Die schönsten Versionen kennen wir von Laurindo Almeida mit den „LA Four“, Jim Hall mit den Solisten Chet Baker und Paul Desmond und die großorchestrale Fassung, wunderbar arrangiert von Gil Evans, für den Trompeter Miles Davis.

Außerhalb des Jazz stehen in der U-Musik B. B. King für Blues und Jimy Hendrix für Rock namentlich an erster Stelle.

Viele Patente Ende des 20. Jahrhunderts

Im zweiten Drittel des letzten Jahrhunderts häuften sich die Patente für ideenreiche Neuheiten in hohem Masse. Der E-Bass, die Gitarre für Linkshänder, die „silent“ oder lautlose Gitarre zum Üben ohne zu stören, die Doppelhals- oder gar Dreihalsgitarre oder Konstruktionen mit augedehnterem Tonumfang, d.h. mit mehr als den üblichen sechs Saiten gingen in Produktion.

War die Präsenz eines Gitarristen in den klassischen bläserorientierten Jazzformationen ein eher seltener Luxus, erwies sich die immer populäre E-Gitarre in der U-Musik als unabkömmlich.

„Eine Pop- oder Rockband ohne Gitarre ist wie ein Sinfonieorchester ohne Streicher“, ist ein oft gehörtes Zitat. Bekannt ist, dass immer wieder auf die Ähnlichkeit der Gitarre mit dem weiblichen Körper hingewiesen wird, was einen anonymen Psychologen zu folgender Überlegung verführt: „Der Gitarrist und sein Instrument symbolisieren das Paar und die Liebe. Der Gitarrist umwirbt den ‚Körper‘ seines Instruments, streichelt und liebkost ihn, damit sie, seine Geliebte, nicht nur Empfangende bleibt sondern Gebende wird“.