LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Zusätzlicher Prozesstag im Verfahren gegen Arzt wegen Missbrauchs

Im Prozess gegen einen 62-jährigen Arzt, der drei Patientinnen sexuell belästigt haben soll, haben gestern zwei weitere Frauen ausgesagt.

Drei Frauen klagen gegen einen Arzt aus dem Niederkorner Spital. Während der Untersuchungen soll er sie an den Brüste und am Hintern mehrfach berührt haben. Die Frage vor der 18. Strafkammer am Bezirksgericht Luxemburg ist: Waren es medizinisch notwendige Untersuchungen oder bewusster Missbrauch?

Es geht um drei Fälle, die sich am 14. August 2015, am 13. März 2017 und im April 2017 zugetragen haben sollen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer: Der Arzt soll das Vertrauensverhältnis zu drei Patientinnen missbraucht haben. Sie hatten ihn angezeigt, alle berichten Ähnliches: Dass der Arzt sie alleine in einem Raum in der Niederkorner Klinik untersuchte, dass sie das Tshirt oder den Pullover bis oben hin hochziehen mussten, dass sie die Pyjamahose nach unten ziehen mussten, dass er sie mit einer Hand am Po streichelte und an den Brüsten berührte und mit der anderen Hand eine Echographie machte oder auch dass er sich mit seinem Geschlechtsteil an ihnen rieb.

22.000 Euro Schadenersatz von der Nebenklage gefordert

Eine 46-jährige Frau sagte: “Ich war erschrocken, ich habe Angst gehabt. Ich wollte, dass es endet.” Eine andere Frau gab zu Protokoll, der Urologe hätte ihr gesagt, sie solle sich nach vorne beugen, er hätte ein Zyste entdeckt, möglicherweise bösartig. Dann habe er sie im Hüftbereich und an den Brüsten angefasst. Er hätte sich mit seinem Geschlechtsteil von hinten an ihrem Körper gerieben. Die Frau ist sich sicher, dass es sich ganz klar um das männliche Geschlechtsteil des Arztes gehandelt habe. Der Arzt sei erregt gewesen. Dieses mutmaßliche Opfer soll 2015 bereits sexuell belästigt worden sein. Die Frau hatte sich aber erst 2017 über einen Arzt an die Polizei gewendet. Sie hatte es vorher nicht gewagt, trotz der zugesagten Unterstützung, die notwendigen Schritte zur Aufklärung zu unternehmen.

In einem Punkt konnte eine Krankenschwester den angeklagten Arzt entlasten, zumindest was das Befinden der 28-jährigen Frau anging. Sie hatte die Patientin, nachdem sie aus dem Arztzimmer getreten war, gefragt, ob alles in Ordnung sei. Die hätte mit „Ja“ geantwortet. Erst später soll die Krankenschwester von dem Leid der Frau erfahren haben.

Zwei Frauen beantragten in ihren Nebenklagen 10.000 Euro beziehungsweise 12.000 Euro moralischen Schadenersatz.

Ein zusätzlicher Prozesstag ist für kommenden Dienstag (9.00) vorgesehen - dann wird ein Arzt als Zeuge vernommen. Danach soll sich der angeklagte Arzt zu den Vorwürfen äußern.