LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Cousin angezündet: Gutachter spricht von medikamentöser Chance

Der heute 26-jährige Sven H. hatte am 23. September 2017 in Esch/Alzette nach einem Streit seinen Cousin mit einer Flüssigkeit in dessen Wagen angezündet. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Das Urteil war für den 8. November 2018 vorgesehen. Doch die Richter ordneten eine neue psychiatrische Expertise an.

Psychose?

Die Gutachterin Dr. Joëlle Haupert bescheinigt H., der zwischenzeitlich immer noch im Gefängnis sitzt, eine wahnhafte psychische Störung sowie paranoide Symptome während der Tat. „Der Angeklagte hätte Stimmen gehört, die ihm gesagt hätten, er solle die Tat begehen und sich umbringen.“ Er leide unter einer Psychose, die wahrscheinlich durch den hohen Drogenkonsum entstand. Der Angeklagte sei schuldfähig. Von einer klaren Unzurechnungsfähigkeit könne nicht ausgegangen werden, hatte Dr. Haupert in ihren Gutachten geschrieben.

Am Montag folgten die Ausführungen des Psychiaters Dr. Paul Rauchs, der sich in weiten Teilen dem ersten Gutachten anschloss. Auch er ist zu der Überzeugung gelangt, dass die Tat juristisch und medizinisch verschieden zu werten sei. Einig sind sich die Experten, dass der Angeklagte während seiner Tat verwirrt war. Rauchs hat ernsthafte Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten geäußert.

Die Tat des Angeklagten lasse Rückschlüsse auf eine geistige Verwirrung zu. Der Täter leide unter einer paranoiden Schizophrenie. Er sei seit seiner Jugend nicht Herr und Meister seines Lebens. Rauchs geht nicht von einer induzierten Psychose aus. Der Experte ist nicht der Meinung, dass die Psychose durch den hohen Drogenkonsum entstand. Haschisch als Selbstmedikation kann das Delirium verschlimmern, sei aber in diesem Fall nicht der Auslöser, sagte der Experte.

Krankhafte Störung

Für den Psychiater bestehen begründete Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Darauf deute das Verhalten während und nach der Tat hin. Der Angeklagte sei nicht verantwortlich für seine Tat, er habe sich in einem Irrseins-Zustand befunden: „H. hat sich während der Straftat in einem Zustande krankhafter Störung der Geistestätigkeit befunden.“ Er habe sich selbst eine Erklärung seiner Situation gegeben, darum nannte er auch seinen Cousin einen „Schäiss Alien.“ H. sei nicht gefährlich. Der Gutachter prognostizierte, dass H., wenn er seine Medikamente nehme, künftig nicht mehr rückfällig werden würde.

Da es wegen der zwei Gutachten erhebliche Zweifel gibt, machte der Staatsanwalt den Vorschlag, das Gutachten von Dr. Paul Rauchs in Betracht zu ziehen und den Angeklagten nach Artikel 71 des Strafgesetzbuches (Unzurechnungsfähigkeit) zu verurteilen.

Das Urteil ist für den 14. Mai vorgesehen.