CORDELIA CHATON

Heute ist der 14. Februar und Liebende überall auf der Welt denken mit Gesten und Geschenken aneinander. Nur in Großbritannien könnte es bei einigen schief gehen. Denn gegen Abend steht mal wieder ein „meaningful vote“ an, eine bedeutungsvolle Abstimmung wegen des Politdauerbrenners Brexit.

Es gibt Worte im Englischen, die klingen gut. Wer aber „meaningful vote“ übersetzt, der ahnt das ganze Ausmaß des Desasters. Denn solche Abstimmungen gibt es erst, seit Premierministerin Theresa May sich mit ihrem Parlament komplett überworfen hat. Darüber hinaus ist es die zweite Abstimmungsrunde über kleine Schritte. Die erste hatte erbracht, dass May nachverhandeln soll. Doch die EU, die in seltener Einigkeit auftritt, hat nicht fast zwei Jahre lang diskutiert, um dann alles über den Haufen zu werfen, nur weil May in ihrem Parlament keine Mehrheit mehr zusammenkriegt. Der „meaningful vote“ hatte rein nichts gebracht.

Und so wie es aussieht, wird es heute nicht anders laufen. Dabei geht es um die nächsten Schritte. Viele Abgeordnete wollen mehr Zeit, um weiter zu verhandeln. Wenn sie jedoch immer wieder mit den gleichen Forderungen kommen, werden sie immer wieder die gleichen Antworten erhalten. Es ist ein Polittango, der von allem inspiriert ist, nur nicht vom Valentinstag. May hätte am liebsten Schützenhilfe von der EU, um einen Brexit durchzuboxen, den die EU nie hat haben wollen. Man muss kein Politiker sein um zu ahnen, dass das schief geht.

Derweil meldet sich der im Tiefschlaf versunkene Jeremy Corbyn aus der Opposition zurück und wagt etwas, die Idee einer dauerhaften Zollunion. Er will den Brexit erstmal vom Tisch haben. Aber das kann May wohl kaum akzeptieren.

Weitere Vorschläge sehen vor, dass die Parlamentarier bestimmen, wie der Brexit abläuft. Allerdings lässt das die EU außen vor. Der Labour-Abgeordnete Godsiff will ein zweites Referendum. Doch im Hintergrund läuft die Brexit-Uhr, die May selbst ausgelöst hat. Einige andere Abgeordnete schließlich fordern den Rückzug des Artikels 50. Damit bliebe Großbritannien in der EU.

Und während die Briten mit Hamsterkäufen beginnen, gibt die „Bank of America“ bekannt, dass sie 400 Millionen Dollar in die Vorbereitungen für den Brexit steckt. Und in Brüssel tobt der Flurfunk.

Denn dort wurde Mays oberster Verhandler Olly Robbins gehört, wie er in einer Bar sagte, May werde die Parlamentarier bis zur letzten Märzwoche hinhalten und ihnen dann ihren Plan präsentieren nach dem Motto: Den oder einen Hard Deal, den jeder fürchtet. Sollten die Abgeordneten nicht einverstanden sein, setzt seine Chefin angeblich auf eine lange Verlängerung. Das alles ist hochnotpeinlich für May, die doch noch am Dienstag ihren Deal oder einen No Deal zur Wahl stellte. Schlimmer noch: Die Angst der Iren soll laut Flurfunk als Grund für eine Verlängerung genutzt werden.

Der Tag des heiligen Valentin wurde von der Kirche aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Das wäre für den Brexit auch eine gute Idee mit Blick auf die politische Agenda. Vielleicht heißt es dann mit Blick auf die EU nächstes Jahr: „You are my valentine.“