LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Organist Benoît Mernier tritt am kommenden Sonntag in Bourglinster auf

Benoît Merniers „Wohnzimmer“ ist die Notre-Dame au Sablon-Kirche in Brüssel; seit Jahren gibt der Stammorganist dieses Brüsseler Gotteshauses auch hochklassige Konzerte in der ganzen Welt. Am Sonntag interpretiert er u.a. Werke von Dieterich Buxtehude in der Pfarrkirche von Bourglinster.

Der Kontakt zu den „Amis de l’Orgue Bourglinster-Imbringen“ kam über den Philharmonie-Organisten Maurice Clement zustande, der von Mernier am Konservatorium in Brüssel unterrichtet wurde. „Maurice und ich, wir kennen uns seit langen Jahren. Ich war Assistent von Professor Jean Ferrard in Brüssel und habe in dieser Funktion Maurice unterrichtet. Seitdem ist der Kontakt zu ihm nie abgebrochen“, so Benoît Mernier.

Der Belgier entdeckte seine Passion für die Orgel in sehr frühen Jahren. Als Zehnjähriger war er Zeuge, als in einer Kirche eine Orgel aufgebaut wurde; der junge Mernier war komplett fasziniert von dem imposanten Instrument. Er hatte damals noch keine Ahnung, wie man den Riesenapparat bedient, er sah lediglich diesen Haufen aus Orgelpfeifen und eine Armada an Knöpfen. „Die Orgel übte auf mich eine Faszination aus, wie es auf andere Kinder die Steuerkonsole eines Flugzeugs tat “, erinnert sich der Organist schmunzelnd. Später wurde dann sein Interesse für die Kompositionen und das Improvisationspiel geweckt.

Einsiedlerdasein

An der Musikschule in Bastogne erhielt der junge Mernier zuerst Klavierunterricht, ab dem zweiten Jahr nahm er ebenfalls Orgelunterricht. „Während sieben oder acht Jahren wurde ich in beiden Instrumenten parallel unterrichtet“, blickt der Belgier auf seine ersten musikalischen Schritte zurück. Im Alter von 15 Jahren fasste er den Entschluss, professioneller Organist zu werden.

Der Organist möcht es nicht missen, neben seiner Tätigkeit als Dozent Konzerte im In- und Ausland zu geben. Konzerte stellen für ihn weniger eine Flucht aus dem Alltag, als vielmehr eine Umformung desselben dar. Konzerte können dem Alltag eine spirituelle Note verleihen.

Benoît Mernier schätzt die unterschiedlichen Facetten eines Musikerlebens. Das Komponieren eigener Werke sei großartig, so Mernier. Allerdings fristet der Komponist in seinem Kämmerlein eine Art Einsiedlerdasein. „Der Komponist sitzt einem weißen Notenblatt gegenüber, er ist alleine mit seinen Hoffnungen und Zweifeln.“

Der Unterricht gäbe ihm die Gelegenheit, sich mit andern Menschen auszutauschen, seine Erfahrungen und Wissen mit ihnen zu teilen; der Einsamkeit, die der Komponist ausgesetzt ist, den Rücken zu kehren. „Wir sind doch alle das Glied einer Kette; es obliegt uns, dieser Kette einen Sinn zu geben“.

Vergangenheit trifft Gegenwart

In Bourglinster interpretiert er neben Kompositionen von Dietrich Buxtehude, Johann-Sebastian Bach und Matthias Weckmann auch zwei Eigenkompositionen aus dem Jahre 1998.

„Diese Werke wurden für eine Orgel geschrieben, die dem Instrument aus Bourglinster ähnlich ist“, erklärt Mernier seine Entscheidung, diese beiden Eigenwerke am Sonntag aufzuführen. Wenn ein Organist ein Programm zusammenstelle, versuche er stets, so der Organist, dieses dem jeweiligen Instrument anzupassen. Mernier ist darauf bedacht in den Konzerten eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit herzustellen, also Kompositionen aus unterschiedlichen Epochen zu interpretieren. „Sehr oft konzentriert man sich nur auf die Werke einer Epoche und präsentiert diese dann wie in einer Museumsvitrine“, so der Belgier.