LUXEMBURG
GAST. FREYMANN

Claude Peiffer wechselte Mitte 50 den Job und ist nicht traurig darüber

Spricht man in Luxemburg von Tafelgeschirr, kommt man nicht am Namen Claude Peiffer vorbei. Dieses Jahr werden es zehn Jahre, dass der heute 64-Jährige zu RAK Porcelain kam. Der Industriekonzern mit Firmensitz Ras Al Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte damals in Windhof die Europazentrale gegründet, deren Managing Director Peiffer heute ist.

Die Hotel-, Restaurant- und Cateringbranche ist Ihr zuhause?

CLAUDE PEIFFER Ja, das kann man so sagen. Nach meinen Abschluss in der Hotelfachschule in Diekirch zog es mich nach Deutschland, wo ich während vier Jahren für eine bekannte deutsche Restaurantkette mit über 25 Standorten im Raum Stuttgart und München tätig war. Danach zog es mich wieder zurück nach Luxemburg, wo ich dann über zwei Jahre bei der Horesca, dem Dachverband der Hoteliers, Restaurant- und Gaststättenbetreiber arbeitete. 1982 wechselte ich zu Villeroy & Boch, die zu diesem Zeitpunkt noch in Rollingergrund produzierten. Dort war ich verantwortlich für die Entwicklung von Tafelgeschirr für den Horeca-Bereich, also die Hotel-, Restaurant- und Cateringbranche. Tafelgeschirr war damals eine Sparte, mit der erst kurz zuvor mein damaliger Vorgänger die Vermarktung begonnen hatte und die dann von mir über mehr als zwei Jahrzehnte auf europäischer Ebene ausgebaut wurde.

2001 wurde ich Generaldirektor für Villeroy & Boch Luxemburg, und erlebte in dieser Funktion auch den schwierigsten Moment in meiner bisherigen beruflichen Karriere. Es war damals nämlich die erste Etappe beim Personalabbau beim Traditionsunternehmen im Rollingergrund, wo ich auf Arbeitgeberseite mit am Verhandlungstisch saß, um einen Sozialplan für 200 Beschäftigte auszuarbeiten. Es war der Anfang vom Ende des V&B-Standorts Luxemburg.

Wie wurden Sie Managing Director beim weltweit größten Keramikproduzenten?

PEIFFER 2004 verließ ich Villeroy & Boch. Nach fast 23 Jahren beim selben Arbeitgeber, und trotz interessantem Gehalt, war einfach der Moment gekommen, mich einer neuen beruflichen Herausforderung zustellen. Es schwebte mir seit längerer Zeit der Gedanke vor, den Schritt in die Selbstständigkeit im Bereich Consulting zu wagen, was ich dann auch tat.

In dieser Funktion entstand dann ein erster Kontakt mit der Geschäftsleitung von RAK Ceramics in den Emiraten. Ein zu dem Zeitpunkt noch sehr junges Unternehmen, das 1989 gegründet wurde und beabsichtigte, als Neuheit die Herstellung von Tafelgeschirr aus Porzellan in ihr Programm aufzunehmen. Ich habe den Mut der Firmenverantwortlichen bewundert, sich in einen Markt zu wagen, in dem es Überkapazitäten gibt und damals bereits übersättigt war.

Nach einigen intensiven Gesprächen waren wir uns einig, die gesamten Bereiche Marketing und Logistik Europa ab Luxemburg abzuwickeln und nicht wie anfangs geplant in der Fabrik in Ras Al Khaimah. Interessant ist auch, dass das in Luxemburg gegründete RAK Porcelain Europe, wo augenblicklich 35 Leute beschäftigt sind, in die komplette Entwicklung mit einbezogen wird. Sehr wichtig ist, dass die Projekte kundenbezogen sind, um den Esskulturen der verschiedenen Länder Rechnung zu tragen. Top Luxusware entspricht nicht unserer Geschäftsphilosophie. Ziel ist es Qualitätsware herzustellen, auf der Güteklasseskala ab der Mitte nach oben, um vor allem wettbewerbsfähig zu sein.

Zurzeit verfügt RAK nur über Ausstellungsräume in Windhof, wir denken aber darüber nach, in nächster Zeit eine Verkaufsstelle für Privatkunden zu eröffnen.

Ihre Bilanz nach zehn Jahren?

PEIFFER Ich habe noch zu keinem Moment diesen Schritt, den ich vor mehr als zehn Jahren gewagt habe, bedauert, obwohl mir von Anfang an voll bewusst war, dass es nicht leicht sein würde. Ich erinnere mich noch gut: Luxuriöse Büroräume gab es nicht. Im Untergeschoss in meiner damaligen Wohnung in Schouweiler hatte ich mir ein kleines Arbeitszimmer eingerichtet.

Es war auch nicht die finanzielle Motivation, die mich zu der Entscheidung veranlasste, sondern der Wille, wieder etwas aufzubauen zusammen, was mit dem weltweit größten Unternehmen in seiner Sparte gelang.

Ein Drittel der Belegschaft auf Windhof arbeitet heute im Bereich Logistik. Täglich erhalten wir einen Container gefüllt mit Tafelgeschirr, dessen Lieferung ab dem Hafen Antwerpen erfolgt. Täglich verlässt auch ein kompletter Lkw unser Lager mit Waren, die dann von unserem Hausspediteur in 33 verschiedene europäische Länder gebracht werden.