LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Ad Astra“: Gefahr aus dem Weltraum

Kürzlich erklärte ein Radiospeaker, in den USA hätte Regisseur James Gray seinen Science-Fiction-Film „Ad Astra“ als einen der realistischsten Filme des Genres gepriesen. Wow! Endlich ein Film, bei dem sich die grauen Zellen bei den unwahrscheinlichsten Hirngespinsten nicht im Schädel umzudrehen brauchen. Nur pure intelligente Unterhaltung. Doch nach dem Besuch im „Kinepolis Kirchberg“, muss man sich fragen, ob Regisseur Gray während des Schreibens des Drehbuchs und bei den Dreharbeiten nicht irgendetwas genommen hatte, das seinen Verstand zum Stillstand brachte!

Gefährliche Strahlung vom Neptun

Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) wird beim Inspizieren einer gigantischen Antenne, die an die Riesenranken aus „Jack and the Beanstalk“ erinnert, weil sie auf der Erde steht, von irgendetwas Unsichtbarem getroffen und fällt zur Erde. In letzter Sekunde kann er seinen Fallschirm öffnen. Dann erfährt er, dass dies eine Energiewelle vom Neptun war, dort wo sein Vater Clifford (Tommy Lee Jones) vor 30 Jahren verschwand, auf der Suche nach intelligentem Leben. Die NASA nimmt an, dass er noch lebt und verantwortlich für diese Strahlungen ist. Roy soll nun zum Mond und dann von der dunklen Seite aus zum Mars fliegen, von wo er eine sichere Nachricht an seinen Vater senden kann, um diesen zu besänftigen. Und jetzt beginnen sich die Haare jener Zuschauer zu kräuseln und grau zu färben, die nicht alles für bare Münze halten, was die Amis aus Hollywood auf der Leinwand auftischen.

Starbucks und DHL auf dem Mond

Roy kommt als Tourist auf dem Mond an, in Begleitung von Colonel Pruitt (Donald Sutherland). Man staunt nicht schlecht über die Infrastrukturen auf dem Erdtrabanten. Da gibt es ein Starbucks Café, eine DHL-Filiale und noch vieles mehr. Nur darf man sich jedoch nicht fragen, was dort eine Tasse Kaffee oder eine Briefmarke kostet, wenn Roy schon 150 Dollar hinblättern muss, um eine Decke und ein Kissen im Raumshuttle zu erhalten. Ja, und auf dem Mond gibt es Piraten, die in Mondfahrzeugen Jagd auf Touristen und Roy und seine Begleiter machen. Wo kommen die denn her? Gibt es die Mondbasis aus „Iron Sky“ vielleicht wirklich? Auf dem Mars ist alles etwas schlichter eingerichtet, aber mit der allerneusten Technik ausgestattet und im rötlichen Licht, sogar unterirdisch. Wieviele Raumschiffe bedurfte es, das Material hoch zu transportieren? Na ja, die Geschichte spielt in naher Zukunft. Vielleicht schafft es die NASA noch, ein bemanntes Raumschiff zum Mars zu schicken, ehe die Realität aus dem Film wahr wird, und man anstatt zehn Monate (die kürzeste Flugdauer eines unbemannten Raumschiffs bis jetzt) nur mehr 19 Tage braucht, wie im Film, um den roten Planeten zu erreichen. Ohne Roy soll eine Rakete vom Mars zum Neptun fliegen, um Daddy Clifford mit einer Atombombe zum Teufel zu jagen. Roy gelingt es - wie solls anders sein -, sich an Bord zu schleichen, aber schnell ist er allein im Schiff unterwegs zu Papa, der wirklich noch lebt. Was Roy im Bann des Neptuns erlebt, lässt dann definitiv die grauen Zellen erstarren. Ständig vermischen sich Realität und Roys Erinnerungen an seine Frau Eve (Liv Tyler), die ihn verließ, und seine Kindheit, mit wenigen Bildern vom Vater. Zwischendurch erklärt Roy im Voice-Over, was ihm alles durch den Kopf geht. Diese Flashbacks sollen vielleicht zeigen, dass Roy seinen Vater nicht vergessen hat, und er eine gewisse Angst hegt, ihm irgendwann zu ähneln, zumal er mit der Trennung von Eve den Grundstein gelegt hat. Irgendwie wird man das Gefühl aber nicht los, dass sie lediglich zur Auffüllung der Geschichte dienen. Komplett unrealistischer Blödsinn, das ist „Ad Astra“.