LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Aus dem neuen Radwegenetzgesetz stechen vor allem die Schnellradwege hervor - Ein Überblick

Der Dezember ist ja nicht gerade bekannt als Spitzenmonat für Radler. Allerdings stand das Velo selten so prominent im Vordergrund wie in diesem Dezember. Der Grund vor allem: Die Novelle des 2015er Gesetzes zum Radwegenetz (Aktennummer 7371), die am vergangenen Mittwoch alle 60 Abgeordneten mitgetragen haben. Sie setzt den Rahmen für eine Ausdehnung des Netzes von etwa 650 Kilometern heute auf über 1.100 bis... ein konkretes zeitliches Ziel wird nicht genannt, allerdings kann man davon ausgehen, dass es in den kommenden fünf bis sechs Jahren soweit sein soll, ist das Rad doch ein wesentlicher Pfeiler der nationalen Mobilitätsstrategie. Im Rahmen von Modu 2.0 sollen bis 2025 zehn Prozent der Wege zwischen Heim und Arbeit auf dem Rad zurückgelegt werden, gegenüber fünf Prozent 2017. Bei den Wegen Heim-Schule soll der Prozentsatz sogar von drei Prozent 2017 auf 15 Prozent in 2025 gesteigert werden. Hehre Ziele, über die die Gesamtlänge des Radwegenetzes, das noch viel zu viele Lücken aufzeigt, natürlich wenig aussagt: Das Angebot muss dort stimmen und attraktiv sein, wo solche Skaleneffekte erzielt werden können und die Anbindung an andere Mobilitätsmöglichkeiten – vor allem den öffentlichen Transport – muss optimal sein. Und das ist vor allem in den Ballungsgebieten. Dort, wo es schon an Platz fehlt. Mobilitätsminister François Bausch, der viel auf das Velo als Alltagsmobilitätsmittel setzt, erinnerte sich in seiner Rede zum neuen Radwegenetz, wie er als Hauptstadtschöffe „Schlachten schlagen“ musste um jeden Meter Radpiste. Denn was relativ leicht in neue Infrastrukturen eingeplant werden kann, ist bei bestehenden mitunter schwierig – und geht stets „auf die Kosten eines anderen“.

Um die Planung zu verbessern, macht das neue Gesetz einige Dinge klarer, aber Minister Bausch die zuständigen Stellen in seinem Ministerium und bei der Straßenbauverwaltung verstärkt und will sogar ein „guichet unique“ schaffen, der besonders den Kommunen in Sachen Radwege praktisch und effizient zur Seite stehen soll.

PC 103 und PC 104

Aus dem neuen Gesetz heraus ragt die Schaffung gleich mehrerer Express-Radwege zwischen den Ballungszentren Hauptstadt und Süden des Landes, konkreter zwischen dem Hauptbahnhof und Esch-Alzette, sowie zwischen Hauptbahnhof und Bettemburg.

Als „eine strukturierende und schnelle Verbindung zwischen Ballungsgebieten“ wird der Radschnellweg im Gesetz definiert. Die Express-Wege sollen 3,5 bis 4,5 Meter breit sein, ein Gefälle von maximal sechs Prozent haben und – ganz wichtig – auf ihnen sollen die Radfahrer mit Ausnahme der einen oder anderen landwirtschaftlichen Maschine keine anderen motorisierten Vehikel antreffen.

Die beiden Schnellwege haben sogar schon Nummern: PC103 – „liaison cyclable express entre Luxembourg-Cloche d’Or et Bettembourg, assurant l’accès vers les itinéraires cyclables PC1, P6, PC11a et PC37“ und PC104 – „liaison cyclable express entre le pôle d’échanges Hollerich, le pôle d’échanges Bouillon, le pôle d’échanges Cloche d’Or, le pôle d’échanges Raemerich, Esch-sur-Alzette – Gare, assurant l’accès vers les itinéraires cyclables PC1, PC6, PC6a, PC9, PC10, PC33, PC35b, PC36 et PC38, et avec son antenne PC104a assurant l’accès via Luxembourg-Helfenterbruck vers les itinéraires cyclables PC13, PC13a et PC35b“.

Erstes Projekt um 2023

Klingt kompliziert und ist es auch, da eine ganze Menge von Verbindungen zu anderen Radwegen hergestellt werden müssen. Allerdings sollen die Stammstrecken der Expresswege entlang der Autobahnen verlaufen. Der PC103 nach Bettemburg ist mit der Verbreiterung der A3 mitgedacht und dürfte so 2023 eingeweiht werden können.

Der PC104, der sich in der Planungsphase befindet, wird demnach an die 20 seiner Länge von 27,8 Kilometern längs der A4 verlaufen. Voll befahrbar sein soll die Strecke so um 2027/2028, wenn auch die Express-Tram in Foetz ankommt. Das wünscht sich der Mobilitätsminister.

Die Gesamtlänge der geplanten Radschnellwege wird im Gesetz mit 35,3 Kilometern beziffert, der generelle Durchschnittspreis pro Kilometer Radpiste mit 587.000 Euro und die Unterhaltskosten für die Expresswege mit 3.500 Euro pro Kilometer pro Jahr.

Ob und wie die Schnellradwege vom Publikum angenommen werden, steht freilich auf einem anderen Blatt. Im Ausland – besonders in Deutschland und den Niederlanden – sind sie jedenfalls auch Dank der Elektrofahrräder immer erfolgreicher.

Das sagt die LVI

Schneller vorankommen

Die „Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ“ begrüßt in einer Pressemitteilung die Ausdehnung des Radwegenetzes, den Bau von Expresswegen und die stärkere Förderung von kommunalen Radpisten. Im Endeffekt werde das die Qualität und Attraktivität der Radverbindungen stärken. Allerdings will die Vereinigung, dass es schneller vorangeht mit der Verwirklichung der angepeilten Pisten. Dazu müssten systematisch hochqualitative Infrastrukturen für Radfahrer und Fußgänger in jegliche Straßenbauprojekte integriert werden. Zudem gelte es, die Koordinierung zwischen sämtlichen betroffenen Stellen zu optimieren. Auch die Ausdehnung des Radwegenetzes brauche eine Prioritätenliste, wie sie Minister Bausch angekündigt habe. Die Vereinigung will ihre Überlegungen dazu bei ihrer Generalversammlung am kommenden 24. Januar vorbringen. Zur Fahrradverbindung Esch/Alzette-Belval erinnert die LVI, dass sie bereits vor Eröffnung der Uni auf deren Notwendigkeit hingewiesen habe. Allerdings brauche es mehr als „eine spektakuläre Verbindung“ um mehr Menschen im Süden aufs Rad zu bringen. Die Vereinigung fordert die Schöffenräte der Pro-Sud-Gemeinden deshalb dazu auf, konsequent auf die aktive Mobilität zu setzen und die Erkenntnisse und Empfehlungen der vorliegenden Fahrradtauglichkeitsstudie schnellstmöglich in die Tat umzusetzen.