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„Prix Laurence“-Gewinner Romain Haas lädt mit Kurzgeschichte zum Luftschnuppern auf dem Markusplatz ein

Romain Haas heißt der talentierte Gewinner des Jugend-Literatur-Preis „Prix Laurence“, welcher im Kontext des Literatur Festivals „LiteraTour“ Ende April vergeben wurde. Neben dem Hauptpreis gewann Romain zudem den Publikumspreis für sein Werk „Un café vénitien“. Im Interview verrät der 19 Jahre alte Sprachgewandte Schüler des Jongelycée aus Esch, der nach seinem Abschlussjahr auf der Literatursektion am liebsten französische Literatur oder Geschichte studieren würde, wo er seine Inspiration für seine Texte hernimmt und ob es in seinen Geschichten immer Happyends gibt.

Wie kam es dazu, dass Du Dich für den Prix Laurence beworben hast?

Romain Da ich auf der Literatursektion bin, haben uns unsere Professoren von diesem Wettbewerb erzählt und sie haben uns ans Herz gelegt, unser Glück zu versuchen. Da ich letztes Jahr auch bereits daran teilgenommen habe und gute Erfahrungen machen konnte, wollte ich dieses Jahr unbedingt nochmal mitmachen.

Woher kommt Deine Leidenschaft für die Literatur und das Schreiben?

romain Ich hatte eigentlich schon immer Lust, Geschichten zu schreiben. Ich glaube, dass das daher kommt, dass ich bereits als Kind sehr viel gelesen habe. Das ist auch heute noch der Fall, wo ich besonders die Klassiker der französischen Literatur liebe. Durch das Lesen hat sich dann die Lust bei mir entwickelt, selbst Texte zu schreiben.

Wann genau schreibst Du an neuen Texten?

romain Das Schreiben geschieht bei mir in unregelmäßigen Abständen. Ich habe keinen festen Tag in der Woche, wo ich mich bewusst dahin setze um Texte zu verfassen. Ich schreibe, wenn ich inspiriert bin. Das klingt ganz vage, aber wenn mir spontan eine Idee einfällt, die mir gefällt, dann kann ich mich aufs Verfassen konzentrieren.

Woher nimmst Du denn Deine Inspiration?

romain Die Inspiration kann von überall her kommen. Mal sehe oder höre ich etwas, was mich inspiriert, mal lese ich Texte oder Bücher, die mir neue Ideen geben. Ich mag es zudem sehr, mich an Urlaubsorten zu inspirieren. Diese ermöglichen es mir, die jeweiligen Orte und spezifischen Atmosphären genau zu beschreiben. Meine Texte werden dadurch lebendiger, realistischer und ehrlicher, da ich mich besser in sie hineinversetzen kann und lebendige Umgebungen kreieren kann. Meine Inspiration nehme ich mir aber natürlich auch aus den Werken der französischen Literatur, zum Beispiel von Emile Zola.

Du hast den Prix Laurence für Deinen Text „Un café vénitien“ gewonnen. Worum geht es in diesem Text?

romain In der Kurzfassung kann man sagen, dass es in diesem Text um ein Ehepaar geht, welches gerade Urlaub in Venedig macht. Die Geschichte spielt sich in einem Hotel ab, in dem ich selbst schon mal war. Und auch die Atmosphäre, die ich beschreibe, ist die, die ich in Venedig an einem bestimmten Tag erlebt habe. Richardson, der Ehemann, ist ein hart arbeitender Mann, der sich sehr auf seine Arbeit konzentriert. Dadurch rückt seine Familie auf den zweiten Platz in seinem Leben. Er ist gerade auf den Balkon vor seiner Frau geflüchtet, mit der er gerade einen Streit hatte, der seine Wurzeln in der Eifersucht findet. Richardson denkt auf der Terrasse über seine Beziehung zu seiner Frau nach. Später erinnert er sich an seine Jugend zurück, in der er seine heutige Frau kennen und lieben gelernt hat. Die erkaltete Liebe wird wiederentdeckt und flammt neu auf. Es gibt also ein Happyend.

Gibt es in Deinen Geschichten immer Happyends?

romain Sehr gerne lasse ich meine Geschichten positiv ausklingen. Das fühlt sich einfach für mich gut an. Ich mag es persönlich auch sehr, Geschichten zu lesen, die gut ausgehen, da man sofort ein beruhigtes Gefühl nach der Lektüre hat. Klar kommt es auch vor, dass ich Geschichten schreibe, die gar nicht gut ausgehen, aber das ist nicht oft der Fall.

Wie würdest Du Deinen Schreibstil definieren?

romain Das ist eine gute, aber schwierige Frage. Ich stoße immer wieder auf Schwierigkeiten, meinen Schreibstil zu definieren. Nach der Preisübergabe des Prix Laurence habe ich mich mit einigen Mitglieder der Jury unterhalten, und einer meinte, dass man in meinen Texten ziemlich deutlich die Influenzen der französischen Klassiker, wie die von Emile Zola, Gustave Flaubert oder Guy de Maupassant, erkennen würde. Ich denke also, dass mein Style tatsächlich in die Richtung der Style dieser Autoren geht.

Deinen Text „un café vénitien“ hast Du auf Französisch geschrieben. Warum diese Sprache?

romain Ich liebe diese Sprache einfach, sie klingt sehr schön und bietet sich meiner Meinung nach gut an, um solche Texte zu schreiben. Zudem liegt die Sprache mir einfach, es fällt mir leicht, die jeweiligen Wörter und Expressionen zu finden. Nicht zuletzt liegt diese Sprachauswahl natürlich auch an den gerade beschriebenen Inspirationen.

Und wie stehst Du zur luxemburgischen Sprache?

romain Es würde mich eigentlich schon sehr interessieren, einige Texte auch auf luxemburgisch zu schreiben. Mal sehen, was da noch kommt.

Bleiben wir mal in der Zukunft: könntest Du Dir vorstellen, auch Schriftsteller von Beruf zu werden, oder hast Du andere Ziele?

romain Eines meiner Ziele ist es, irgendwann ein selbstgeschriebenes Buch zu veröffentlichen, welches entweder aus Kurzgeschichten oder aus einer längeren Geschichte besteht. Ich denke aber, dass das Schreiben immer eines meiner Hobbies sein wird, und ich es nicht professionell ausüben werde. Das liegt daran, dass mich noch andere Sachen interessieren, wie nur das Schreiben. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, Professor in der französischen Sprache oder Historiker zu werden. Jetzt konzentriere ich mich jedoch darauf, mein Abschlussjahr erfolgreich zu absolvieren.