LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Seit drei Jahren finanziert die EIB Unternehmen in der Frühphase - und informierte erstmals

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist erfolgreich bei der Finanzierung von Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung. Das belegte sie gestern auf dem erstmals veranstalteten „Venture Debt Summit“. Eingestiegen ist die selbst ernannte „Bank der EU“ erst vor drei Jahren in in das Geschäft - nicht zuletzt, weil zahlreiche Gründer mit guten Ideen nach ein paar Jahren sehr regelmäßig in die USA auswandern, weil dort viel mehr Geldgeber nur darauf warten, einzusteigen. Ein Beispiel ist UiPath, Anbieter von „Robotic Process Automation“. Doch angesichts vieler guter Ideen - wie Zalando, Bla Bla Car oder Mindmaze -, die alle keine Aussicht auf Geld haben, folgen andere Unternehmen.

Seit die EIB im Dezember 2016 in die „Venture-Debt“-Finanzierung eingestiegen ist, hat sie sich gemausert. Bislang wurden mehr als 3.000 Anträge geprüft. Auf der gestrigen Veranstaltung wurden 60 Unternehmen ausgezeichnet, die mit insgesamt mehr als 1,15 Milliarden Euro finanziert worden waren. Jetzt sind es drei mehr.

„Das geht hier so schnell, das meine Zahlen schon wieder veraltet sind“, scherzte der Gastredner, Finanzminister Pierre Gramegna. Er lobte: „Ihr Produkt vereint das Beste aus zwei Welten.“ Gemeint war, dass es um eine Mischung aus Krediten und Kapital von privaten Geldgebern geht. In den USA überwiegt mit zwei Dritteln vor allem letzteres. „Innovation zu fördern ist wichtig. Deshalb verabschieden wir im Parlament noch heute ein Gesetz“, verriet Gramegna gestern den rund 150 Gästen.

Die EIB wählt rigoros aus. Geld erhielt beispielsweise Sunpartner Technologies, das Solarzellen in Fensterscheiben integriert hat. Auch MagForce, das eine nanotechnologisch basierte Krebstherapie anbietet, gehört zu den glücklichen 63. Einige dieser Unternehmen wurden von Arno Fuchs aus München beraten. „Die meisten Unternehmen kommen aus Deutschland, Frankreich und Italien, nicht alle sind Startups“, weiß Fuchs. Aus Luxemburg ist kein Unternehmen dabei, das Geld erhielt.

Die EIB hat gemeinsam mit der Kommission 2017 den 750 Millionen Euro schweren „Europäischen Fonds für strategische Investitionen“ (EFSI) aufgelegt, von dem bislang schon Unternehmen aus 21 der 28 EU-Länder profitiert haben. Der Equity-Zweig dieses Programms ist die „European Growth Finance Facility“ (EGFF). Für ihn hat die EIB ein ganz neues Team eingestellt. Innerhalb von drei Jahren wurde so der Anschluss an die Lücke zu den USA geschafft - aber nur bei „Venture Debt“. Bei Marktkapital, Assets unter Management und vor allem „Venture Capital“ sind die USA weiterhin das Mekka für jene, die schnell wachsen wollen. Die EIB ist jedoch entschlossen, weiterzumachen. Demnächst mit spezialisierten Produkten.