LUXEMBURG
JEFF KARIER

Neues Buslininennetz der Stadt Luxemburg im Selbstversuch

Wie jeden Morgen stehe ich am „P&R Boullion“ und warte auf meinen Bus, die Linie 1. Es ist kurz nach 10.00 und der große Ansturm ist vorbei. Außer mir warten nur eine Handvoll Leute an der Haltestelle. Nach einem Blick auf die Anzeigentafel weiß ich, dass ich noch etwa sechs Minuten Zeit habe bis der Bus kommt. Etwas wundert mich allerdings. Eigentlich sollte auf der Anzeigetafel auch die 125 stehen. Immerhin beginnt diese seit heute ihre Fahrt am „P&R Boullion“. Darüber hinaus ersetzt die 125 einige Fahrten der Line 1.

Hamilius no more

Durch den Wegfall des Busbahnhofes „Hamilius“ wegen des Großprojekts „Royal Hamilius“ wurde praktisch der gesamt Busverkehr in der Stadt Luxemburg neu organisiert. Haltestellen wurden verlegt, Buslinien verändert oder zusammengelegt. Ich hab mir daher vorgenommen, heute mit verschiedenen Linien durch die Stadt zu fahren, um mir einen Eindruck davon zu machen, was sich geändert hat und wie die Leute diese Änderungen aufnehmen.

Mein erstes Ziel ist der jetzt ehemalige Busbahnhof „Hamilius“. Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, dass einige Arbeiter schon fleißig dabei sind, Schilder, Ampeln und andere Sachen, die nicht mehr gebraucht werden zu demontieren. Und gebaggert wird auch schon. Alles ist abgesperrt und der Busverkehr läuft jetzt komplett über den Boulevard Royal. Am „Hamilius Quai 1“ steige ich aus der 1/125 aus. Hier treffe ich auf drei Mitarbeiterinnen der Stadt, die den Fahrgästen bei Fragen zum neuen Busfahrplan helfen. Eine davon ist Rachel Burdjah, sie ist bereits seit 07.00 im Einsatz. „Die Leute haben sich im Vorfeld nicht informiert“ meint sie. Heute Morgen sei es daher am Hauptbahnhof recht chaotisch zu gegangen. Und immer wieder kommen Leute zu den Dreien, um zu erfahren, wo denn nun ihr Bus abfährt.

Wissen ist Trumpf

Vom Boulevard Royal gehe ich Richtung „Badeanstalt“, um mir anzuschauen, was sich dort verändert hat. Auf dem Boden fallen mir Pfeile auf, die zu den neuen Haltestellen führen sollen. Allerdings sehe ich keine Pfeile, die einen zum „Forum Royal“ oder zur „Badeanstalt“ führen, sondern nur von dort zu den anderen Haltestellen. Entweder wurde diese eigentlich gute Idee inkonsequent umgesetzt, oder ich hab die Pfeile schlichtweg übersehen.

Sprachbarriere

An der Haltestelle „Forum Royal“ merke ich, dass die Anzeigentafel nicht funktionieren. Dasselbe ist bei der „Badeanstalt“ der Fall. „Ob das was mit der Reorganisation zu tun hat?“ frage ich mich. An der „Badeanstalt“ treffe ich auf Phillip Fröhlich. Der Schüler aus dem „Arts et Métiers“ erzählt mir, dass er gerade ein Examen geschrieben hat und jetzt auf dem Weg nach Hause sei, als sein Bus, die Linie 11 einfährt. Ich steige mit ihm ein und er erzählt mir weiter, dass er zwar mitbekommen habe, dass sich am Busnetz etwas ändere, nur habe er sich schlicht nicht damit befasst. An der „Eecher Plaz“ verabschiede ich mich von Phillip und steige aus.

Sofort fällt mir ein älterer Mann auf, der den Busplan studiert. Als ich ihn anspreche, winkt er ab und meint er spreche nur Italienisch. Mit Händen und Füßen sowie einer Mischung aus Französisch, Englisch und einigen Worten, von denen ich zumindest glaube, dass sie der italienischen Sprache ähneln, finde ich heraus, dass er Antonio heißt und seinen Sohn besucht der hier in Luxemburg lebt. Gemeinsam versuchen wir zu klären, welchen Bus Antonio nehmen muss, um zum Hauptbahnhof zu gelangen. Nach etwas grübeln nehmen wir die Linie 12, ein Fehler, wie sich kurz später herausstellte. An der „Charlys Gare“ steigen wir aus, verabschieden uns und Antonio macht sich auf in Richtung „Boulevard Royal“.

Kommt Zeit, kommt Rat

An der Haltestelle „Charlys Gare Quai 1“ komme ich mit Alexander Pütz ins Gespräch. Er hat gerade seinen Bus verpasst und muss nun zehn Minuten warten. Auch er hat etwas mit der Reorganisation zu kämpfen, sieht das alles aber recht entspannt und meint, dass er sich spätestens nach einer Woche an die Änderungen gewöhnt hätte.

Auf dem Weg zurück in die Redaktion frage ich mich, woran es liegt, dass so viele Leute nicht wirklich informiert sind über die Änderungen. Immerhin gab es im Vorfeld eine Informationskampagne, die Medien haben intensiv berichtet und Mitarbeiter der Stadt haben Broschüren und die neuen Pläne der einzelnen Linien in den Bussen verteilt. Allerdings scheint es vielen zu anstrengend gewesen zu sein, sich mit den Änderungen auseinander zu setzen.

Als ich aus der 1/125 in der Hollericher Straße aussteige, stelle ich fest, dass auch die Haltestelle „Fonderie“ verlegt wurde. Hier halten ab heute die Linien 4, 27 und 1 beziehungsweise 125. Jetzt weiß ich zumindest, wo ich am Feierabend meinen Bus bekomme, wenn ich wieder zum „P&R Boullion“ fahren werde.