LUXEMBURG
NIK COLABIANCHI

Was den jungen Bartringer Gemeinderat Youri De Smet bewegt

Bereits mit 25 Jahren ist Youri De Smet seit November 2017 Mitglied im Bartringer Gemeinderat. An der Uni.lu studiert er im zweiten Masterjahr „Economics and Finance“. Youri engagiert sich auch im „Club des Jeunes“ in Bartringen und ist Präsident der örtlichen „Jonk Demokraten“-Sektion. Er ist leidenschaftlicher Fußballspieler und nimmt an verschiedenen Läufen wie dem ING-Marathon teil. Wir haben mit ihm unter anderem über sein politisches Engagement gesprochen.

Weshalb hast Du diese Studienrichtung eingeschlagen? Gab es einen Traumberuf als Grundlage?

Youri De Smet Nachdem ich bereits eine D-Sektion in der Schule absolviert habe, war meine Entscheidung schon gefällt, auch weil ich mich besonders für Finanzen interessiere. Ich wollte mir bewusst viele Möglichkeiten offen halten, aber die Faktoren Buchhaltung, Finanzen und Wirtschaft sollten eine tragende Rolle spielen. Einen echten Traumberuf habe ich noch nicht, ich will mir so viele Türen wie möglich offen lassen.

Wie ist Dir die Aufteilung zwischen Studium und Gemeinderat anfänglich gelungen? Gab es manchmal Schwierigkeiten bei der Zeitaufteilung oder sogar Tage wo das Studium eher unter der Tätigkeit als Gemeinderat gelitten hat?

De Smet Für das Studium braucht man natürlich viel Zeit, da mehr dazugehört wie nur Kurse zu besuchen. So war es anfangs doch eine große Umstellung, da ich mir meiner neuen Aufgabe nicht hundertprozentig bewusst war. Mit genügend Rückenwind von der DP-Mannschaft habe ich es aber erfolgreich geschafft. Die Zeitaufteilung war nicht so problematisch, allerdings musste ich manchmal „Überstunden“ einlegen.

Als Politiker hat man ja gewisse Pflichten, oftmals braucht es dennoch Überwindung um so viele Events wie möglich zu besuchen. Wie motivierst Du Dich, Deine Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen?

De Smet Die abendlichen Einsätze kenne ich bereits aus dem „Club des Jeunes“, so hat sich eigentlich nicht extrem viel für mich geändert. Dennoch muss man ab und zu in den sauren Apfel beißen und Präsenz zeigen auf Events, die einen vielleicht nicht besonders interessieren. Was mich motiviert sind die neuen Bekanntschaften, die man so schließen kann.

Hat Dein Engagement in anderen Vereinen Dir geholfen, die Interessen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen besser zu verstehen? Wie genau haben Dir diese Erkenntnisse beim Einstieg in die Politik geholfen?

De Smet Wenn man sich einsetzt und Verantwortung übernimmt, wie ich es bereits aus dem „Club des Jeunes“ gewohnt war, bietet das natürlich eine gute Basis, von der ich profitiert habe. Man soll dem Kontakt mit Leuten nie aus dem Weg gehen und die Kommunikation mit den jungen Leuten darf auch nicht zu knapp kommen. Besonders diese Kommunikation mit den jungen Leuten hat mir als gute Basis für die Integration in die Politik gedient.

Hast Du je Druck verspürt, da du in gewisser Weise ja mit zuständig bist für, das was in der Gemeinde passiert?

De Smet Ein gewisser Druck ist ständig vorhanden,
ich versuche, das mir geschenkte Vertrauen so gut wie möglich zurückzuzahlen und auch die für mich neuen
und schwierigen Angelegenheiten so gut wie möglich zu bewältigen, was mir dank der Unterstützung der Partei vereinfacht wird.

Die Medien sprechen gern von den ausbleibenden und verpassten Erneuerungen der Parteien. Junge Leute haben tendenziell Schwierigkeiten im politischen Bereich richtig durchzustarten. Wie siehst Du die aktuellen Entwicklungen in der nationalen Politik?

De Smet Auch wenn viele Parteien auf erfahrene Politiker gesetzt haben, erkennt man mit einem genaueren Blick auf die „Chambre des Députés“, dass nicht so wenige junge Leute vorhanden sind. Dies zeigt, dass es auf der einen Seite viele gibt, die sich für die Jugend einsetzen, und auf der anderen, dass es junge Leute gibt, denen ihre Zukunft nicht egal ist. Eine Mischung zwischen erfahrenen und jungen Politikern ist eine gesunde Konstellation, da eine Rundumerneuerung auch schnell nach hinten losgehen kann.

Ist die Entwicklung also nicht so gravierend, wie sie gerne dargestellt wird?

De Smet Nein, das glaube ich eher nicht. Die Jugendorganisationen stehen auch hinter ihren „Mutterparteien“ und machen Druck um bei den Wahlen teilzunehmen. Zusätzlich besitzen junge Leute auch das Potenzial, Probleme zu lösen und dabei Verantwortung zu nehmen.

Es gibt ja nicht extrem viele junge Leute, die sich engagieren oder die sich überhaupt für Politik interessieren. Was müsste Deiner Meinung nach überdacht werden in Sachen Kommunikation mit den jüngeren Generationen?

De Smet Das Engagement fängt damit an, dass man sich in seinem Dorf bei einem Verein meldet und den Willen hat, sich zu engagieren. Wir sollten bereits die Kinder in der Schule darauf aufmerksam machen, dass man sich engagieren muss, um etwas zu erreichen. Im Volksmund heißt es immer, Politiker würden die Leute veräppeln, sie für dumm verkaufen und Lügen verbreiten. Hier kommt die Kommunikation ins Spiel, wir müssen den Leuten schon im Kindesalter beibringen, dass die Politik nichts Schlechtes ist. Politik heißt Verantwortung übernehmen und wir müssen darauf achten, dass Politik für jeden zugänglich bleibt.

Werden Ideen von jungen Leuten nicht ernst genug genommen?

De Smet Aus Erfahrung kann ich sagen, dass junge Leute mit ihren Ideen in der Regel immer ernst genommen werden, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die Kreativität bei ihnen freier ist als bei den erfahrenen Leuten. Allerdings muss man sich eingestehen, dass nicht alle Ideen umgesetzt werden können, und dabei stehen erfahrene Politiker immer mit ihrem Rat zur Seite.

Wie kann die Kommunikation zwischen Politik und Schule verstärkt werden?

De Smet In vielen Gemeinden wird die Idee des „Kindergemeinderates“ umgesetzt um den Kindern früh zu zeigen, dass man mit guten Ideen vieles erreichen kann und um ihnen nahezubringen, sich für ihr Dorf oder Land zu interessieren.

Was soll man den jungen Leuten mit auf den Weg geben? Warum sollten junge Leute in der Politik aktiv werden?

De Smet Die Kinder sollten den Mut aufbringen, wenn etwas in der Gemeinde nicht so gut ist oder etwas fehlt, sich den Verantwortlichen zu nähern. Diese haben immer ein offenes Ohr und wissen nicht über alles Bescheid. Wenn man dann merkt, dass man tatsächlich etwas erreichen kann und es einem gefällt, sollte man sich engagieren. Wir müssen den Leuten auch klar machen, dass man im Wort Politik keine Grenze sehen soll, sondern eine Möglichkeit, Zukunft zu gestalten.