LUXEMBURG
MARS DI BARTOLOMEO

Kloertext: Mars Di Bartolomeo (LSAP) zum Verhalten gegenüber Covid-19

„‚Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt‘.  Dieses Zitat von Immanuel Kant wird oft und in den verschiedensten Zusammenhängen – auch nicht immer zu Recht – bemüht. Die Situation, wie sie sich seit dem Ende des ‚Etat de Crise‘ hierzulande in Sachen Covid-19 entwickelt hat, beschreibt sie, wenn auch im Umkehrschluss, allerdings sehr präzise.
Das Konzept der Regierung, allen voran Gesundheitsministerin Paulette Lenert, war (und ist immer noch) klar: Ein wissenschaftlich ausgeklügeltes ‚Large-Scale-Testing‘, gepaart mit einem effizienten analogen Tracing zuzüglich einer größtmöglichen  Disziplin der Bevölkerung hinsichtlich der ‚gestes barrières‘ werden es dem Großherzogtum erlauben, eine zweite Infektionswelle wenn nicht zu verhindern, dann aber zumindest deutlich abzufedern.
In diesem Sinne kam es mit dem im Anschluss an den Notstand verabschiedeten Covid-Gesetzen Anfang vergangener Woche zu einer Änderung der politischen und damit reglementierenden Philosophie: auf von der Regierung per Dekret erlassene Verbote mit einigen Ausnahmen, folgte die Freiheit mit einzelnen Einschränkungen und Auflagen zum Schutz der Gesundheit aller. Diese Phase der schrittweisen, aber konsequenten Aufhebung zahlreicher Maßnahmen war und ist weitaus komplexer als der ursprüngliche Lockdown. Setzte dieser „nur“ strikten Gehorsam voraus, appelliert die neue Vorgehensweise an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung, jedes Einzelnen und vor allem auch der Politik, denn der Krankmacher und tödliche Angreifer Corona eignet sich nicht zu kleinkarierten politischen Spielchen.
Bedauerlicherweise (vielleicht kann man aber auch sagen nach dem dreimonatigen Lockdown verständlicherweise) haben einige wenige, dann aber zusammen und auf engstem Raum, die Lockerungen oder besser gesagt die ‚Erlaubt- und Verboten-Logik‘ bis aufs Äußerste ausgereizt. Mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder sprunghaft angestiegen ist. Der alleinige Appell an die Vernunft der Menschen scheint zumindest teilweise nicht ausgereicht zu haben.
Nicht zuletzt, die von der Universität Luxemburg und dem „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) durchgeführte Modellierung der Virus-Verbreitung hat ergeben, dass die Mehrzahl der Neuinfektionen auf private Kontakte und weniger im beruflichen oder schulischen Umfeld zu finden sind. Wobei ich mir präzisere Daten über die Wege des Virus wünschen würde...
Dementsprechend, weil im Interesse der Allgemeinheit und der öffentlichen Gesundheit ist es nicht nur nachvollziehbar sondern auch zu verteidigen, dass die Regeln für häusliche, private Zusammenkünfte wieder enger gestaltet werden. Ausschließlich mit Gesetzen oder Reglementen lässt sich dem Virus, in Abwesenheit eines wirksamen Medikaments oder Impfstoffs der Garaus aber nicht machen. Aber mit Herz und Verstand! Indem wir – freiwillig – die einzelnen empfohlenen oder vorgeschriebenen Maßnahmen weiterhin und konsequent befolgen und so für uns, aber auch und vor allem für die Verletzlichsten in unserer Gesellschaft Verantwortung übernehmen!“