Ein Staatsanwalt, der mit einem Pädophilen-Ring in Verbindung gebracht wird (!); ein Premierminister, der über solche Gerüchte informiert gewesen sein soll, ohne aber etwas dagegen unternommen zu haben, den Staatsanwalt aber irgendwann mal gefragt hat, ob dieser wisse, „dass du einen Puff in Esch hast“ (!); ein Justizminister, der die Justiz unter Druck gesetzt haben soll (!); ein Ex-Botschafter, Ex-Parteipräsident und heutiger adr-Abgeordneter, der als Doppelagent tätig war, und dann auch noch darauf stolz ist, statt schleunigst zurückzutreten (!); hohe Polizeioffiziere, die in der „Bommeleeër“-Affäre massiven Druck auf die Ermittler ausübten (!)...

Eine derart haarsträubende Geschichte würde sich sogar in Hollywood wahrscheinlich nicht mal der mutigste Regisseur einfallen lassen, würde er doch sonst umgehend von seinen Zuschauern geteert und gefedert werden. Und doch handelt es sich nur um diejenigen Ereignisse, die innerhalb der letzten Tage in der Geheimdienst/„Bommeleeër“-Affäre bekannt wurden, und die die schon bekannten Uhrabhör- und BMW-Verkaufsaktionen noch um einiges überbieten dürften. Und was macht der Regierungschef? Er, der früher (als sie ihm noch nützlich war) quasi täglich vor die Presse trat, verzichtet inzwischen fast vollständig auf Pressekonferenzen in Luxemburg, macht stattdessen Wahlkampf in Schulen, und fährt auf dem vorläufigen Höhepunkt der Affäre(n) seelenruhig nach Athen, um sich dort das „Großkreuz des Erlösers“ umhängen zu lassen. Was für eine Arroganz! Normal wäre es gewesen, der Staatsminister hätte sich angesichts all der unglaublichen Geschichten und Vorwürfe, die da in den letzten Tagen wieder aufgetaucht sind, umgehend ins Parlament begeben, um den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen und endlich einmal Klartext zu reden, statt weiterhin auf die altbewährte Salamitaktik zu setzen und immer nur scheibchenweise mit der Wahrheit oder was auch immer herauszurücken. Diesmal hat Juncker den Bogen aber definitiv überspannt.

Wenn sich die Abgeordnetenkammer heute nach der Rückkehr des Regierungschefs nach Luxemburg dann endlich mit der institutionellen Krise befassen darf, und sich dabei auch über einen Misstrauensantrag gegen die Regierung und gegen Luc Frieden zu befassen hat, dann dürfte zumindest Luc Frieden nicht mehr zu halten sein. Ansonsten dürfte das Vertrauen in die Politik und in die Institutionen, das sich momentan sowieso schon auf einem nie gekannten Tiefpunkt befindet, gar nicht mehr zurückzugewinnen sein.

Will die LSAP in Zukunft auch nur halbwegs für voll genommen werden, dann hat sie heute Nachmittag gar keine andere Wahl, als Luc Frieden ihr Vertrauen zu entziehen. Jetzt noch so zu tun, als sei das Ganze die Schuld der bösen Opposition und der nicht minder bösen Presse, die hieraus politisches Kapital zu schlagen versuche, so wie Luc Frieden das am Montagabend noch einmal im RTL-Fernsehen versucht hat, ist einfach nur armselig.

Wie sagte Luc Frieden doch gestern gleich noch mal anlässlich der Cargolux-Debatte? Minister sein, heiße auch Verantwortung übernehmen. Eben.