LUXEMBURG
JEAN-LOUIS ZEIEN

Nachhaltigkeit und Konsum sind eng miteinander verknüpft. In dieser Hinsicht versucht auch „Fairtrade Lëtzebuerg“ zu sensibilisieren. Ein Zielpublikum stellt die Jugend dar. Jean-Louis Zeien, Präsident von „Fairtrade Lëtzebuerg“, erklärt, wie die Jugend mit diesen Themen zu erreichen ist.

„Wenn wir heute an die Welt von morgen denken, dann geht es dabei auch um die kommenden Generationen. Das stimmt sowohl bei Fragen des Klimawandels, wie auch bei der wirtschaftlichen Gerechtigkeit gegenüber den Ländern Asiens, Afrikas sowie Lateinamerikas. Unser aktuelles Konsumverhalten wird in vielerlei Hinsicht zu Recht durch die junge Generation in Frage gestellt. Für uns stand stets fest, dass bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Sensibilisierung für einen nachhaltigen und fairen Konsum unter Respekt der Menschenrechte zur Bildung von Kindern und Jugendlichen gehört. Die aktuellen Wirtschaftsgrundlagen bestimmen das Leben der jungen Generation, nicht nur in klimatischen und energetischen, sondern auch in wirtschaftlichen Fragen, da sie oft eng miteinander verknüpft sind. Deshalb war es seit der Gründung von ,Fairtrade Lëtzebuerg‘ vor 25 Jahren auch Ziel, die kommenden Generationen anzusprechen. Unsere Erfahrungen bestätigen, dass junge Menschen vor allem bei Fragen der Gerechtigkeit sehr stark sensibilisiert sind. Immer weniger Menschen sind bereit, blind zu konsumieren, sondern wollen einen verantwortungsbewussten Konsum.

Um Kindern dies näher zu bringen, entwickeln wir pädagogisch angepasstes Material. Wir bieten exzellente Workshops an, die auf eine kind- und jugendgerechte Art und Weise die Themen des fairen Handels und der nachhaltigen Entwicklung behandeln. Produkte, die wir täglich nutzen (Kakao, Bananen, aber auch Fußbälle oder Handys) sind dabei konkrete Beispiele, die dies veranschaulichen. So können Jugendliche hinter die Wirtschaftskulissen blicken und entdecken dabei, über die Anonymität des Weltmarktes hinaus, die Gesichter, Arbeitsbedingungen und Lebensgeschichten jener, die Produkte für uns herstellen. Selbst dann, wenn sie tausende von Kilometern von uns weg sind: durch den Fußabdruck, den wir auch in ökologischer Hinsicht hinterlassen, sind wir mit ihnen verbunden.

Dieser ökologische Fußabdruck ist meistens viel zu groß. Jeder weiß, dass, wenn die Menschheit so konsumieren würde wie Luxemburg, wir gleich acht Erdbälle bräuchten. Beim Ansatz des fairen Handels möchten wir aufzeigen, dass es auch zum Teil umgedreht geht: Wir können Spuren respektive Fußabdrücke von Nachhaltigkeit durch eine Produktionsweise im Respekt von Mensch und Natur vor Ort in Afrika, Asien und Lateinamerika hinterlassen. Die Kinder und Jugendlichen verstehen schnell, welche Auswirkungen ihr Konsum mit sich bringt. Sie begreifen, was sich für die Hersteller des Produktes durch den fairen Handel alles verändert. Dies wird auch durch die Lebensgeschichten dieser Menschen verdeutlicht.

Viele dieser Workshops, die wir sowohl in den Grund- wie auch den Sekundarschulen anbieten, erfreuen sich einer starken Nachfrage. Pädagogische Erfahrungen reichen hier von der Schaffung einer ,Bande Dessinée‘ bis zu einem riesigen Gänsespiel, wo die verschiedenen Etappen selbst nachverfolgt werden können. Wir haben auch ein Zertifizierungsprogramm für die ,Fairtrade School‘ entwickelt, bei dem sich ein Lyzeum mit seiner Schulgemeinschaft dafür einsetzt, den fairen Handel zu einem Leitmotiv der Schule machen. Wir setzen dabei konsequent auf Bildungsarbeit. Denn in einer Konsumwelt, wo mehr Schein wie Sein geliefert wird, ist es wichtig, mit Fakten ausgestattet zu sein, damit ein Einkauf mit Herz und Verstand möglich sein kann.“