CHRISTIAN BLOCK

Die von der Regierung angekündigten weiteren Lockerungen, wie sie bereits Mitte April angedeutet hatte, dürften in weiten Teilen der Bevölkerung für Aufatmen gesorgt haben.

Wobei Zyniker sagen werden, die mit Auflagen verbundene Aufhebung des Besuchs- und Versammlungsverbots und die Wiedereröffnung von Geschäften, Friseurläden oder Museen könne nur auf einen psychologischen Effekt abgezielt haben angesichts so vieler Unklarheiten, wie am Montagabend blieben. Aber spätestens morgen sollen wir ja mehr wissen.

Tatsächlich ist die psychologische Bedeutung dieser neuen Lockerungsetappe ab kommenden Montag nicht zu unterschätzen. Wie eine Umfrage vor zwei Wochen zeigte, belastet der Lockdown und seine Folgen – Homeschooling parallel zur Arbeit von zuhause aus, mit weniger Einkommen auskommen müssen, persönliche Schicksalsschläge, Arbeitslosigkeit oder Isolation – viele Menschen. Wenn auch mit Maske und auf Distanz wieder in physischen Kontakt treten zu können, Freunde und Verwandte wiederzusehen, ist daher eine wichtige neue Etappe. Entscheidend sind dabei allerdings zwei Dinge: Werden und falls ja wie lange werden die Barrieregesten noch respektiert? Und besteht damit zusammenhängend nicht auch das Risiko, dass sich ein falsches Sicherheitsgefühl breitmacht und sich infolge eine Nachlässigkeit das Coronavirus wieder ausbreitet? Verantwortungsbewusstsein ist jedenfalls weiterhin gefragt. Noch wissen wir wenig über die Verbreitung des Virus, die Immunitätsrate und den Immunitätsschutz. Auch in Bezug auf die flächendeckenden Tests herrscht Unklarheit. Welcher Zeitplan gilt? Welche Gruppen werden den Tests unterzogen? Solche Informationen sind gerade dann wichtig, wenn Lockerungen erfolgen. Warum wurde beispielsweise nicht offiziell über die Ergebnisse der freiwilligen Covid-19-Tests für Abschlussschüler und Lehrer vergangene Woche informiert?

Auch im Einzelhandel dürfte die neue Etappe zumindest vorsichtig positiv aufgenommen werden. Denn wenn der Andrang in den Friseurläden groß sein dürfte, ist in anderen Geschäften mit deutlich weniger Kundschaft zu rechnen, womöglich längerfristig. Es stellt sich allerdings auch die Frage, ob und wie kurzfristig in den wieder öffnenden Sektoren getestet wird.

Eine große Ungewissheit bleibt derweil für den Horesca-Sektor. Wer meint, allein wirtschaftliche Gründe würden die Exit-Strategie der Regierung bestimmen, sollte sich mal mit um ihre Existenz besorgte Café- oder Hoteleigentümern und deren Beschäftigten unterhalten, die auch in den kommenden Monaten mit deutlich weniger Kunden rechnen müssen. Mehr als zwei Monate lang werden ihre Türen am Ende geschlossen blieben sein.

Nicht nur, aber auch aus psychologischer Sicht wichtig ist die Rückkehr zur Schule. Man muss die nur nachvollziehbaren Ängste und Einwände von Eltern, Schülern und Lehrern ernst nehmen und Antworten geben. In Vorbereitung des 25. Mai wird dieser Aufgabe viel Bedeutung zukommen. Die gestern vorgestellten Pläne scheinen vielen Bedenken Rechnung zu tragen. Doch bleiben noch viele Aspekte zu klären – und der Teufel liegt bekanntlich im Detail.