LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Designerin Julie Conrad hilft Jugendlichen am „Geesseknäppchen“, kreative Träume auszuleben

Ein neues Logo für die Tanztruppe, ein ganz persönlicher Rucksack für den nächsten Trip mit dem besten Freund oder einfach mal schauen, was man kreativ so drauf hat: Wer sich nach Schule oder Uni künstlerisch austoben will, kann sich von der Jungdesignerin Julie Conrad bei seinen Projekten anleiten lassen. Schließlich steht die 29-Jährige im Rahmen des „Project Squat“ am „Geesseknäppchen“ mit Rat und Tat zur Seite. „Meine Rolle ist, da zu sein, wenn junge Leute ein Projekt machen wollen.“ Vorbeikommen kann aber auch, wer erstmal keine konkrete Idee hat und sich nur ausprobieren möchte. Das gilt für alle bis 30 Jahre. Langsam spricht sich das Angebot herum und ein, zwei Gruppen von 13- und 14-Jährigen kommen regelmäßig.

Raus aus dem Alltagstrott

Julie ist seit Januar, von Beginn an, beim „Project Squat“ dabei und hat festgestellt, dass sich die Jugendlichen erst einmal aus ihrem schulischen Modus herauslösen und den Alltagstrott aus Zuhören, Mitschreiben und Hausaufgaben erledigen hinter sich lassen müssen. „Sie sind es gewöhnt, dass es wie in der Schule eine Vorlage gibt, die sie bearbeiten sollen, aber hier geht es um eigene Ideen“, erzählt Julie. Aber am Ende geht es noch um viel mehr, denn beim Umsetzen eigener Ideen, alleine oder in der Gruppe, werden auch die sozialen Kompetenzen trainiert. „Deswegen wollen wir für die Unterstützung des Projektes auch selbstständige Experten“, erklärt Laura Urhausen, beim SNJ Projektleiterin des „Project Squat“. Schließlich wissen diese auch, wie man mit Problemen bei der Umsetzung umgeht - seien es praktische Probleme bei der Entwicklung, ein Durchhänger bei der Motivation oder eben Schwierigkeiten bei der Ideenfindung.

Aber bei den vielen verschiedenen Bastelmaterialien, die man beim „Project Squat“ zur Verfügung hat, kommen die Ideen von allein. Etwa für witzige Emojikissen, Papiersilhouetten tanzender Hip-Hopper oder farbenfrohe Buchumschläge für die Schule. Und die Ideen können erst recht Form annehmen unter den ganzen Hilfestellungen, die Julie geben kann. Denn die junge Designerin kennt sich mit Grafik- und Produktdesign gut aus. Firmen geben bei ihr Gadgets, Werbegeschenke und Verpackungen in Auftrag, darüber hinaus entwirft sie auch Logos und Grafiken.

Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Firmen

„Am liebsten arbeite ich mit den Firmen eng zusammen, damit ein maßgeschneidertes Produkt entsteht.“ Und inzwischen kann sie schon die unterschiedlichsten Projekte vorweisen, die an verschiedenen Orten in Luxemburg sichtbar sind: Verpackungen für „Kniddelen“, die man im Supermarkt findet, Taschen in den Farben des Regenbogens und auch das Logo für das „Project Squat“ selbst. Aber nicht nur in Luxemburg: Nach Frankreich verkaufen sich vor allem ihre Tyvek-Paravents und Raumteiler gut. Und ihre Sessel aus Tyvek lassen sich zum Sitzen aufklappen und dienen zugeklappt als Tische. Die Möbel hat Julie für eine Ausstellung in Burglinster im Rahmen der „Design City Biennale“ entworfen, schließlich waren sie 2014 zur „Nuit des Musées“ auch im Casino zu sehen. Vor zwei Jahren startete sie den Verkauf der Möbel.

Fokus auf Produktdesign

Den Fokus ihrer Arbeit hat die 29-Jährige aber auf Produktdesign gelegt. Ihre Arbeit als Designerin ist spannend, aber kein leichtes Betätigungsfeld. „Es braucht viel Zeit und viele Ressourcen und ist in Luxemburg auch nicht so etabliert.“ Denn als selbständiger Designer hat man es nicht leicht in Luxemburg, hohe Sozialabgaben und hohe Kosten für die Miete eines Studios. Doch mittlerweile arbeitet Julie bereits mit einer Grafikerin und ihrem Bruder zusammen, der sich im Studio um die Endfertigung und die Qualitätskontrolle kümmert. Als junger Designer sei es am einfachsten zu schaffen, indem man einfach loslegt, viel arbeitet und sich nicht entmutigen lässt. „Und man darf sich keinen Druck machen, dass es unbedingt und sofort Vollzeit werden muss“, sagt die Luxemburgerin, die daran glaubt, dass harte und ehrliche Arbeit belohnt wird.

Nach ihrem Art Design-Studienabschluss an der „Créapôle“ in Paris legte sie 2012 los, bekam 2015 bei den „Luxembourg Design Awards“ eine „Mention du Jury“ in der Kategorie der Nachwuchstalente. Schritt für Schritt kamen dann die Aufträge, sodass inzwischen Handelskammer und Luxembourg House von selbst bei ihr anfragen. „Die Anfragen kommen auch wegen dem Tyvek, das auch in Luxemburg hergestellt wird, denn das ist für die Firmen etwas Besonderes.“ Auch ein Grund, warum sie das Label „Made in Luxembourg“ beantragt hat, das garantiert, dass ihre Produkte aus dem Großherzogtum kommen. „Das ist ein super Aushängeschild und man merkt, dass die Unterstützung für lokale Waren immer wichtiger wird.“ Auch solche Chancen muss man also zu nutzen wissen. Dazu zählt auch, ein Angebot wie das „Project Squat“ auszuprobieren. Denn darum geht es schließlich: „Ich bin hier, weil ich das weitergeben will, denn bei mir war es eher Zufall, dass ich auf einer Messe auf die Möglichkeit eines Designstudiums gestoßen bin.“ Wer sich also traut, hat schon etwas gewonnen.

Weitere Informationen und Kontakt: www.facebook.com/projectsquat und www.julieconrad.lu