LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Glyphosat ab Juli nicht mehr im Handel - Verwendung ab 2021 allgemein untersagt

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird zum 1. Juli 2020 aus dem Handel genommen. Ab dem 1. Januar 2021 ist die Verwendung des Herbizids dann offiziell und allgemein in Luxemburg untersagt. Bereits ab dem 1. Februar wird die Marktzulassung von Produkten mit dem Wirkstoff zurückgezogen. Das Großherzogtum wird damit laut Einschätzung von Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP) eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen - und hofft auf eine Hebelwirkung. Das österreichische Parlament hatte bereits im Juli 2019 ein Verbot des Unkrautvernichters beschlossen, das aber aufgrund eines Formfehlers nicht in Kraft trat. In anderen Staaten laufen die Diskussionen über ein mögliches Verbot oder gelten Teilverbote.

Das Ende des Einsatzes von Glyphosat ab 31. Dezember 2020 hat die Regierung im Koalitionsabkommen angekündigt. Allein in der luxemburgischen Landwirtschaft und im Weinbau wurden bislang im Durchschnitt 13,6 Tonnen Glyphosat versprüht, etwa für Maiskulturen oder Winterweizen. Allerdings ist der Verbrauch seit Jahren rückläufig. 2012 lag er noch bei rund 17 Tonnen.

Zudem verzichten inzwischen rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe freiwillig auf seine Verwendung. Im Kulturjahr 2019/2020 beteiligen sich 592 von 1.005 Unternehmen an einem Landschaftspflegeprogramm und erhalten im Gegenzug eine zusätzliche Prämie von 30 Euro pro Hektar Acker, 50 Euro pro Hektar Weinberg sowie 100 Euro für Obstbäume. Generell begrüßte Schneider das positive Echo aus dem Sektor. Der Weinbau verzichtet indes bereits in dieser Saison vollständig auf Glyphosat. Dafür gibt es 500 bis 550 Euro pro Hektar.

Stärkerer Rückgriff auf Pflüge und Striegel

Für die Landwirte, die bislang weiter auf das Unkrautvernichtungsmittel zurückgreifen, wird der kommende Jahreswechsel demnach Umstellungen bedeuten. Landwirtschaftsminister Schneider bemerkte gestern, als Alternative zu Glyphosat kämen „vor allem Lösungen mechanischer Natur“ infrage, also Pflüge und Striegel, deren Anschaffung in Zukunft auch bezuschusst wird. Der LSAP-Minister verwies ferner auf Forschungsprojekte, die in diesem Jahr zum Abschluss kommen.

Schneider bemerkte eingangs der gestrigen Pressekonferenz, dass in den Diskussionen über den Klimaschutz oder den Verlust der Biodiversität „immer die Landwirtschaft im Fokus stand“. Er betonte zugleich, dass der Sektor „seinen Beitrag leisten wird“, um die CO2-Emissionen zu verringern und zur Speicherung von Kohlenstoff. Mit einer „Art Klimatisch“, an dem unter anderem auch Premierminister Xavier Bettel (DP) und Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) sitzen werden, sollen die Details mit den verschiedenen Akteuren der Landwirtschaft diskutiert werden. Auch unter Berücksichtigung des Pestizid-Aktionsplans und den Plänen zur Förderung der Bio-Landwirtschaft gab sich Schneider zuversichtlich, dass „die Landwirtschaft in den nächsten Jahren nachhaltiger wird“.

Bioaktionsplan voraussichtlich „Ende Januar, Anfang Februar“ im Regierungsrat

Der Aktionsplan für biologische Landwirtschaft befindet sich derzeit in einer internen Konsultierung mit verschiedenen Ministerien und soll danach noch einmal eine Runde bei den betroffenen Akteuren drehen, bevor er voraussichtlich „Ende Januar, Anfang Februar“ im Regierungsrat vorgestellt wird. Schneider bekräftigte, dass der Plan seiner Ansicht nach als sehr ambitiös gelten könne.

Laut Koalitionsabkommen verfolgt Blau-Grün-Rot das Ziel, dass bis 2025 mindestens 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen biologisch bewirtschaftet werden. Heute ist dieser Anteil noch einstellig.