LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

25-Jähriger vor Gericht wegen Verdacht auf Verbreitung von Kinderpornografie

Mike S. ist heute 25 Jahre alt und galt als idealer Jugendtrainer für Fußball. Er war beliebt, geachtet. Vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren soll alles angefangen haben. Zwischen ihm und den damals minderjährigen Spielern bestand 2015 ein enger Kontakt. Mit der Zeit entwickelten einige von ihnen offenbar sogar ein freundschaftliches Verhältnis und verbrachten auch außerhalb des Fußballplatzes viel Zeit mit ihm.

Dann wurde er wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Es war der Beginn einer langen Reihe schlimmer sexueller Übergriffe für die er im Juli 2016 wegen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen, Vergewaltigung seiner 15 Jahre alten Freundin und „grooming“ zu fünf Jahren Gefängnis (davon drei auf Bewährung) verurteilt wurde. Noch heute behauptet er aber, die 15-Jährige hätte freiwillig mit ihm geschlafen.

Nackt-Video von minderjähriger Freundin rumgezeigt

An diesem Donnerstag musste sich die Kriminalkammer des Bezirksgericht Luxemburg erneut mit dem Mann befassen. Der 25-Jährige ist jetzt angeklagt weil er laut Staatsanwaltschaft im Verdacht steht 2015-2016 mindestens 17 Nacktbilder und einen Film von seiner nackten und minderjährigen Freundin produziert zu haben. Weil er einer unbekannten Anzahl von Gefangenen das Material gezeigt haben soll, lautet die Anklage auf Verbreitung kinderpornographischer Bilder sowie illegalen Besitzes kinderpornographischen Materials.

Laut Anklageschrift schickte die damals 17-jährige Freundin 2017 per Facebook-Messenger Nacktfotos (Selfies) auf ein Handy das er bei einem Zellgenossen ausgeliehen hatte. Wie die Beweisaufnahme ergab, war auf den Fotos auch der nackte Unterkörper des 17-jährigen Mädchens zu sehen. Auf acht Fotografien sieht man das Mädchen in Unterwäsche gekleidet. Auf vier Fotografien präsentiert sie sich ohne Büstenhalter. Auf zwei Bildern sieht man den rechten Oberschenkel. Auf drei Bilddateien stellt sich das Mädchen mit gespreizten Beinen dar und präsentiert ihre Vagina. Weil seine Freundin zu dieser Zeit noch minderjährig war, wird das Material von der Staatsanwaltschaft als kinderpornografisch eingestuft.

Komplottvorwürfe

Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er selber sei das Opfer und warf zwei Mitgefangenen vor, ein Komplott gegen ihn geschmiedet zu haben. Er habe mit der Sache nichts zu tun, beteuerte der Angeklagte: „Ich würde doch meine Strafzeit nicht aufs Spiel setzen.“ Nicht er, sondern vielmehr ein Strafgefangener, der mittlerweile an Portugal ausgeliefert wurde, habe die Fotos der 17-jährigen Freundin auf dem Handy illegal gehackt und auf einen Computer kopiert, vom PC auf eine leere CD transferiert und an Mithäftlinge verbreitet um wahrscheinlich daraus Profit zu schlagen. Ein Foto war für 80 Euro an Mitgefangene verkauft worden. Die Geschichte flog auf, weil ein Mithäftling am 13. April 2017 dem Direktor der Haftanstalt Schrassig die CD aushändigte. Im Prozess hat der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. Er gibt zu, die Bilder von seiner Freundin verlangt zu haben. Wer die Fotos verteilt hat und wie das technisch vor sich ging, konnte nicht bewiesen werden. Er jedenfalls habe die Fotos auf Messenger gelöscht, beteuert er und fügt hinzu „Ech wees wat am Prisong leeft.“

Gibt ihm das Gericht noch eine Chance?

Dr. Marc Gleis, der als Psychiater Gerichtsgutachten erstellt, hat gute Erfahrungen mit dem Angeklagten gemacht. Er sprach von Fortschritten. Der Mann sei stabilisiert, die Prognostik sei gut. Eine weitere Therapie soll dafür sorgen, dass der Angeklagte nicht rückfällig wird.

Laut Staatsanwaltschaft steht das Versenden von Nacktbildern einer Minderjährigen per Handy auf einer Stufe mit Kinderpornografie und gilt als Verbrechen. Weil er das Material anderen Mitgefangenen zeigte, ist der Angeklagte auch wegen der Verbreitung, des Erwerbs und Besitzes kinderpornografischer Fotos/Filme angeklagt. Der Vertreter der Anklage, Laurent Seck glaubt nicht an die schöne „Romeo und Julia“-Geschichte des Paares und auch nicht an das Komplott. Seiner Meinung zufolge sei die CD sei zirkuliert weil der Angeklagte homosexuell ist und weil er beweisen wollte, dass er ein Mann ist. Er sei auf Minderjährige fixiert und sei dafür schon ein Mal verurteilt worden. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte mit dem Herunterladen des Materials eine Nachfrage für die Bilder geschaffen. Bis heute würden die Fotos im Gefängnis zirkulieren.

Während die Anklage angesichts der noch laufenden Bewährung von drei Jahren eine weitere Haftstrafe von drei Jahren für angemessen hielt, forderte der Verteidiger mildernde Umstände. Es sei nicht belegt, dass sein Mandant die Bilder verteilt habe, ebenso sei nicht belegt, dass die anderen zwei Mitgefangenen das getan haben, sagte Maître Alexandre Lutgen. Das Urteil wird voraussichtlich am 24. Januar 2019 gesprochen.