LUXEMBURG
MARCO MENG MIT PWC

Prognose von PwC Luxemburg: Das Vertrauen steigt

Der Luxemburger Verbriefungsmarkt wächst. Und er wird es auch weiter tun, da sind sich die Experten einig. Das 2004 verabschiedete Luxemburger Verbriefungsgesetz bietet nach deren Einschätzung einen attraktiven Rahmen für Verbriefungsorganismen und ermöglicht den Erwerb einer großen Bandbreite von Forderungsklassen sowie die anschließende Emission von Wertpapieren für die Anleger: Viele Verbriefungspapiere werden auch an der Börse gehandelt.

Bis Ende 2013 haben nach Angaben von PWC fast 900 Verbriefungsgesellschaften eine Vielzahl von Verbriefungstransaktionen durchgeführt -das Land hat sich zu einem der größten Verbriefungsdomizile in Europa entwickelt. Einen Rückschlag gab es allerdings durch die US-Hypothekenkreditblase, die 2007 platzte.

„Die Finanzkrise hatte auch Auswirkungen auf den europäischen Verbriefungsmarkt“, merkt Holger von Keutz von PwC Luxembourg an. „Transaktionen in diesem Bereich leiden immer noch unter einem schlechten Ruf.“ Dennoch sei in Luxemburg der Markt beständig gewachsen, und die Vorteile des Landes im Bereich des Aufsichtsrechts hätten dieses kontinuierliche Wachstum befördert. „Mit der Umsetzung des Gesetzes von 2004 hat sich Luxemburg als proaktives Finanzzentrum erwiesen. Es ist auch eines der ersten Länder in Europa, das im Juli 2013 die AIFM-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt hat“, fügt von Keutz hinzu.

„Verbriefungen sind nicht gleich Verbriefungen“, erklärte uns Utz Schüller, Managing Director bei LRI Invest S.A. Luxemburger Verbriefungen seien „ein ganz anderes Niveau als die US-Kreditverbriefungen“. Das hiesige Verbriefungsrecht sei sehr viel transparenter und flexibler als das, was man von amerikanischen Kreditverbriefungen her kennt.

Wachsender Markt Investmentfonds

Das Luxemburger Verbriefungsgesetz von 2004 ermöglicht eine Verbriefung von fast allen Vermögenswerten, die regelmäßig Zahlungsströme erbringen und ein beliebiges Risiko beinhalten. Die am häufigsten verbrieften Forderungsklassen sind Automobildarlehen, strukturierte Wertpapiere für Privatkunden, notleidende Kredite, Konsumentenkredite, Immobilienkredite und Private-Equity-Strukturen. Beim kürzlich von PwC Luxemburg organisierten „Verbriefungsfrühstück“, an dem über 70 Marktakteure teilnahmen, waren die sich einig, dass in Zukunft ein weiteres Wachstum bei strukturierten Produkten vor allem im Privatkundenmarkt zu erwarten ist, sowie bei Fonds, Private-Equity-Strukturen und auch Leasingforderungen für Autos. Als Pluspunkt Luxemburgs sehen sie das Steuerrecht, die Vielzahl möglicher Forderungsklassen und die Möglichkeit, Teilvermögen bilden zu können. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen auf nationaler und EU-Ebene betrachte man hingegen mit Sorge.

Letztes Jahr zeigten sich die Marktteilnehmer im Hinblick auf die Folgen der AIFM-Richtlinie für die Luxemburger Verbriefungsorganismen („Lux SV“) besorgt, denn ausgehend von der Definition der alternativen Investmentfonds (AIF) könnten die Lux SV in den Anwendungsbereich der Richtlinie fallen. Laut PWC hat mit Blick auf eine Klärung der Situation hat die Finanzaufsicht CSSF ein Dokument mit Fragen und Antworten erstellt, in dem erläutert wird, welche Lux SV unter das AIFM-Gesetz fallen und welche davon ausgenommen sind. Demnach werden Lux SV, die Kreditrisiken verbriefen, die nur Schuldeninstrumente begeben oder die nicht entsprechend einer festgelegten Anlagepolitik verwaltet werden nicht als AIF betrachtet.

Anlagealternative für Versicherungen

Die neuesten aufsichtsrechtlichen Änderungen, die die Versicherungsbranche betreffen und die im Jahr 2016 in Kraft treten werden, könnten nach Einschätzung von PWC zu einem weiteren Wachstum des Luxemburger Verbriefungsmarkts führen. Die neue EU-Vorschriften der Eigenmittelausstattung von Versicherungsgesellschaften („Solvency II“) erhöhe die Attraktivität von Fremdkapitalinstrumenten für Immobilien-Asset-Klassen, erklärt Oliver Schachinger, Partner bei PwC Luxembourg.“ Versicherer werden verstärkt geneigt sein, in Verbriefungsorganismen zu investieren: Ausschlaggebend für die Investitionsentscheidung wird die Höhe des zu unterlegenden Eigenkapitals sein, und Standardmodelle nach Solvency II werden möglicherweise Fremdkapitalinstrumente Eigenkapitalinvestitionen in Fonds vorziehen.“