LUXEMBURG
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Die neue Frachtzugstrecke nach Chengdu ist nur ein Teil der aufblühenden Seidenstraße

Als der chinesische Staatspräsident Xi Jinping 2013 ankündigte, eine „neue Seidenstraße“ schaffen zu wollen, um China auf dem See- und Landweg besser an Russland, Afrika und Europa anbinden zu können, blickte man auf eine Tradition zurück, die bis in die Antike reicht; die Verbindung zwischen Ost und West solle wieder aufblühen, hieß es damals, ein gemeinsamer eurasischer Wirtschaftsraum solle entstehen.

Damals ahnte noch keiner, welche Rolle Luxemburg spielen würde. Der erste Frachtzug zwischen Luxemburg und dem chinesischen Frachtzentrum Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sechuan, nahm vergangene Woche seine Fahrt auf. Damit kam offiziell zusammen, was Sinn ergibt: Chengdu ist ein zentraler Fracht-Hub Chinas, mit direkten Verbindungen nach Qinzhou, Shenzen, Guangzou, Shanghai und Wuhan – und auf der anderen Seite bietet Luxemburg und das multimodale Frachtzentrum der CFL eine Anbindung an den europäischen Markt, mit Verbindungen nach Mailand, Paris, Antwerpen, Barcelona und Wien.

Für die Betreiber ein sehr lohnendes Geschäft. Schließlich kostet der Frachtzug, der knapp 14 Tage für die Fahrt von rund 8.000 Kilometern benötigt, nur ein Achtel so viel wie der Transport durch die Lüfte. Gleichzeitig sind Züge viel schneller als die traditionelle Route über den Seeweg. Entsprechend betonten die Verantwortlichen bei der Präsentation der Strecke am vergangenen Donnerstag, wie wichtig die Zusammenarbeit für alle Parteien sei. Für China bedeutet die neue Seidenstraße – ob per Zug, auf dem Seeweg oder direkt durch die Luft – eine weitere Anbindung an den europäischen Markt. Für Europa ist es die Möglichkeit zu engeren Handelsbeziehungen mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

China und Luxemburg

Zwischen den ungleichen Ländern gibt es zahlreiche Verflechtungen wirtschaftlicher Art

Vergangene Woche startete der erste Frachtzug von Luxemburg nach Chengdu. Schon länger gibt es Flugverbindungen. Die Cargolux unterzeichnete schon 1982 ein erstes Abkommen mit China Airlines. Ende 2013 wurden 35 Prozent der Cargolux an die staatliche chinesische Investorengruppe „Henan Civil Aviation and Investment“ (HNCA) verkauft. Seit 2017 gibt es das Joint Venture „Henan Cargo Airlines“, inoffiziell „Cargolux China“ genannt. Ab 2020 sollen in Zhengzhou, Hauptstadt der Provinz Henan, die Flüge starten, zuerst mit drei, später mit fünf Maschinen. Seit Januar 2019 fliegt die in Wuhan ansässige Fluggesellschaft Uni-top Airlines zwischen dem Drehkreuz Wuhan und Luxemburg, Partner ist LuxairCARGO.
Doch China ist auch in anderen Branchen präsent. Im Finanzsektor gibt es folgende sieben Banken: Bank of China, Industrial and Commercial Bank of China, China Construction Bank, Agricultural Bank of China, China Merchants Bank, Bank of Communications und China Everbright. Zwei weitere Banken, die systemische „Banque Internationale à Luxembourg” und Hauck & Aufhäuser sind mehrheitlich im Besitz von chinesischen Aktionären. Die BIL wird seit 2017 zu 90 Prozent von der Legend Holdings gehalten, die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser gehört seit 2015 zu 80 Prozent der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun International.
Neben Banken haben sich auch chinesische Anlageverwalter für Luxemburg als Standort zur Auflegung ihrer internationalen Investmentfonds-Plattform entschieden. ICBC, Bank of China, Harvest, Fullgoal, China Asset Management und andere setzen dabei auf Luxemburger „Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapiere“ (OGAW), also Investmentfonds, die in festgelegte Arten von Wertpapieren investieren. 78 Prozent der Fonds, die aus Europa heraus in China investieren, kommen aus Luxemburg. 29,3 Prozent der globalen Investment Fonds, die in China investieren, sind in Luxemburg domiziliert. Durch die durch China zugeteilte „Renminbi-Investitions-Quote“ haben Investoren Zugang zum chinesischen Markt. Luxemburg ist das größte Zentrum für die Notierung von Dim Sum Bonds und weltweit das zweitgrößte hinter Hong Kong. Darüber hinaus ist es bei führend bei Renmimbi-Abwicklungen. Alipay und China UMS sind hier präsent.
Ende März startete die Luxemburger Börse (LuxSE) eine Informationsplattform mit dem „Shanghai Clearing House“, die Luxemburg mit dem chinesischen Interbankenmarkt (CIBM) verbindet. Gleichzeitig wird mit einem „Green Bond Channel“ zur Börse in Shenzhen die bestehende Anleiheplattform mit der Börse Shanghai ergänzt. Das Ziel: Gemeinsam den globalen Markt für grüne Bonds aufbauen.
Am Energieversorger Encevo hält der staatliche Stromnetzbetreiber „China Southern Power Grid“ (CSG), 25,5 Prozent.
Es gibt die „China-Luxembourg Chamber of Commerce“, das „Confucius-Institute“ an der Universität Luxemburg, verschiedene „China Desk“ genannte Abteilungen bei großen Kanzleien und Beratungen sowie das „China-Luxembourg Business Study Center“, das Kurse für Soft Skills oder auch Finanztraining auf Chinesisch in Luxemburg anbietet. CC