LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Life is strange“ lässt einen Entscheidungen wieder rückgängig machen

Zwischenzeitlich totgesagt, haben Adventure-Spiele eine beeindruckende Evolution hinter sich gebracht. Vor allem dem Entwicklerstudio Telltale Games ist es zu verdanken, dass das Genre überhaupt noch relevant ist und mittlerweile sogar eine Renaissance erlebt. Titel wie „The Walking Dead“ werden dutzendweise mit „Spiel des Jahres“-Auszeichnungen gekrönt. Natürlich versuchen sich auch andere Hersteller am gleichen Spielprinzip, denn was Erfolg hat, wird kopiert. So auch „Remember Me“-Entwickler Dotnod Entertainment, die mit ihrem Action-Adventure im Jahr 2013 wenigstens einen Achtungserfolg erzielen konnten. Das Interessanteste an ihrem Erstlingswerk war die Möglichkeit, die Erinnerungen anderer Personen zu manipulieren, indem man Zeit vor- und zurückspult. Diese Mechanik wird, in abgewandelter Form, auch hier eingesetzt und ist der Höhepunkt des Spieles.

Zeit zum Experimentieren

Die Spieler schlüpfen in „Life is strange“ in die Haut der Teenagerin Max Caulfield und müssen zahlreiche Entscheidungen treffen, die weitreichende Auswirkungen haben können. Das passt schon mal thematisch: Wie oft wünschte man sich als Teenager, das gerade gesagte wieder rückgängig zu machen? Genau mit dieser Idee spielt „Life is strange“ und lässt einem viel Raum zum Experimentieren. Dabei betritt sie gerade ein soziales Minenfeld: Max ist nach fünf Jahren Abwesenheit wieder in ihrem Heimatdorf angekommen und muss nun teilweise alte Beziehungen wieder aufbauen. Zudem wird sie von Alpträumen geplagt, die ihr scheinbar die Fähigkeit verleihen, die Zeit zurück zu drehen. Das ist natürlich nicht nur bei sozialen Fauxpas nützlich, sondern auch dann, wenn man gerade im Kurs nicht aufgepasst hat oder, wie im Fall von Max, den Mord an einer Schülerin verhindern muss.

Ruhigeres Tempo

Es soll nicht zu viel vom Plot verraten werden, außer, dass es ziemlich spannend wird und das Tempo gut zwischen ruhigen und aufregenden Momenten variiert. Bemerkenswert ist, dass einem hier mehr Erkundungsfreiheit gegeben wird, als bei den aktuellen Telltale Game-Spielen. So kann man sich tatsächlich etwas Zeit nehmen, mit vielen verschiedenen Personen sprechen und zudem den Campus erkunden. Dabei fällt auch die Detailverliebtheit der Grafik auf, die stellenweise wirklich beeindrucken kann.

Schade ist es allerdings, dass die Dialoge teilweise sehr merkwürdig wirken: Zwischendurch hat man den Eindruck, dass die Schreiber des Spiels sich an den Dialogen von „Buffy: The Vampire Slayer“ orientiert haben, um heraus zu finden, wie Teenager reden. Das Resultat sind Dialoge, die sich nie authentisch anfühlen, was schade ist, funktioniert die Geschichte im Großen und Ganzen doch gut. Atmosphärisch überzeugt „Life is strange“ dank einer mehr als gelungenen Mischung aus Grafik und Musik, die eine gewisse nostalgische Grundstimmung vermittelt. Sie passt einfach perfekt zu einer Figur, die nach jahrelanger Abwesenheit an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt. Wären die Dialoge ausgefeilter, hätte man hier bei Dotnod Entertainment ein gutes Konkurrenzprodukt zu Telltale Games entwickelt. So kann man nicht ganz mithalten, zumindest nicht bisher. Vielleicht verbessert sich in diesem Bereich einiges mit den kommenden Episoden. Adventure-Fans sollten auf jeden Fall „Life is strange“ eine Chance geben. Episode 2 soll Ende März erscheinen.

Erhältlich für Xbox 360, Xbox One, PlayStation 3, PlayStation 4 und PC.