PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

„Love Circus“ ist eine originelle Mischung aus Musik und Zirkusnummern

In den letzten Jahren haben sich die Folies Bergère in Paris immer mehr zu einem Musicaltheater entwickelt. Nach Stücken wie „Shéhérazade“ (2011), „Salut les Copains“ (2012) oder „D.I.S.C.O.“ (2013) feierte am 29. Oktober das Musical „Love Circus“ hier seine Premiere. Das Buch schrieben Agnès Boury und Stéphane Laporte, und Stéphane Jarny führt Regie. Die Show ist eine flotte Symbiose aus musikalischen Hits aus der Vergangenheit und akrobatischen Zirkusnummern.

Der Fluch der Folies Bergère

In seiner Einleitung zur Show erklärt Ombre (Vincent Heden), dass seit 1874 ein Fluch auf den Folies Bergère liegt, der dazu führte, dass nie eine weibliche Besitzerin Glück in der Liebe fand. Das gilt auch für die heutigen Leiterinnen Rose (Lola Cès) und Garance (Fanny Fourquez), die untereinander einen Pakt eingingen, nie zu heiraten. Erst als ihre Schwester Violette (Aurore Delplace) sie besucht und ihnen mitteilt, dass sie bald heiraten wird, müssen sie sich mit dem Thema Liebe auseinander setzen. Garance ist in den Messerwerfer Couteau (Maximilien Philippe) verliebt, kann sich ihm wegen des Paktes aber nicht hingeben. Rose liebt heimlich Ombre, der aber ein 140-jähriger Geist ist, und am Ursprung des Fluches steht. Eigentlich fühlt sich Violette mehr zu Joop (Golan Yosef) hingezogen, als zu ihrem Verlobten in Patagonien. Ombre beginnt sich aufzulösen: Er wird heller, sein Haar grau, und er verliert die Kapazität, Konsonanten auszusprechen. Kann der Fluch gebrochen werden, wenn alle drei Schwestern endlich die wahre Liebe erfahren?

Musik und Akrobatik

Das Musical beginnt mit dem Song „Les histoires d’A“ (… d’amour finissent mal) und beschreibt die Einstellung der beiden Schwestern zur Liebe - die dritte ist ja anderer Meinung. Dann folgen nur noch Lieder, die sich um das Thema Liebe drehen, von „When a Man Loves a Woman“, über „Only You“, bis zu „Still Loving You“, „I Will Always Love You“ oder „Happy“. Vermischt werden die Songs mit akrobatischen Einlagen aus dem Zirkus, wie Trampolin-Springen, Jonglieren oder halsbrecherischen Nummern am chinesischen Mast. Die Stimmung der Musik vermischt sich mit der Faszination der Akrobatik. Überdurchschnittlich gut sind die Nummern „Les feuilles mortes“ von Rose und Ombre oder Roses „Quand on a l’amour“. Leider wird die Stimmung auch einmal gebrochen, als Garance die Messer auf die Scheibe mit dem angebundenen Couteau wirft, und gleichzeitig ein Akrobat an der Stange schwebt.

Ein Multitalent

Vincent Heden ist erneut in Bestform als Geist und Erzähler. Er ist ein Multitalent mit einer hervorragenden Stimme und komödiantischen Fähigkeiten. Die etwas pummelige Lola Cès gefällt ebenfalls durch ihre stimmlichen und schauspielerischen Fertigkeiten. „The Voice 2014“-Finalist Maximilien Philippe erinnert mit seiner rauen Stimme an Gilbert Bécaud bei der Interpretation dessen Hits „Et maintenant“. Aurore Delplace, Fanny Fourquez und Golan Yosef sind ebenfalls stimmlich gut drauf, ebenso wie Sofia Mountassir als Artistin Octave und Alexandre Faitrouni als Bauchredner Cousin. Auch wenn die Geschichte von „Love Circus“ eher simpel ist, so ist den Machern von „Salut les Copains“ und „D.I.S.C.O.“ eine überraschend originelle Show geglückt, die man sich beim nächsten Besuch in Paris gönnen sollte.