LUXEMBURG
DANIEL OLY

Institut für Zeitgeschichte wird sich mit der Geschichte der Justiz in Luxemburg beschäftigen

Eine kurze Geschichte der Justiz“ - was wie ein Roman aus der Feder eines legendären Hollywood-Komikergenies klingt, ist das am gestrigen Montag unterzeichnete Projekt des Justizministeriums in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zeitgeschichte („Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History“, C²DH) der Universität Luxemburg.

Das Vierjahres-Projekt soll die Geschichte der Justiz im Großherzogtum beleuchten und beschreiben - und auch für die Zukunft zugänglicher und verständlicher machen. „Das wird uns die nötige Basis verschaffen, um ein besseres Verständnis unserer Justizgeschichte zu haben und eine Einschätzung des Einflusses der Justiz auf Gesellschaft und Politik besser abzuschätzen“, erklärte Justizminister Félix Braz gestern.

Rückblick auf bewegte Vergangenheit

Das fange unter anderem mit dem Wiener Kongress von 1815 an, fand dann 1839 einen ersten Höhepunkt mit der eigenen Verfassung und dem Hinterfragen wichtiger Grundprinzipien, der Entwicklung des Anwalt-Berufs, dem Verhältnis zwischen Justiz und Presse oder der Unabhängigkeit der luxemburgischen Justiz trotz aller eindeutigen Einflüsse aus dem nahen Ausland. „Die Liste der zu behandelnden Themen ist lang“, resümierte Braz. „Die Justiz in Luxemburg ist an Vielfältigkeit unüberbietbar.“ Demnach soll die wissenschaftliche Arbeit möglichst umfassend und urteilsfrei sein - ohne ein Sujet zu dominieren, aber auch ohne ein Sujet fallen zu lassen.

„Es handelt sich um ein extrem schnelles Projekt“, meinte Braz. Es sei erst im Oktober mit Fickers angesprochen worden, seitdem habe sich das Konzept rapide verwirklicht. „Das macht uns zuversichtlich, die richtigen Leute für diesen Job zu haben.“

„Das Thema der Justiz ist ein entscheidendes, zentrales Motiv in der luxemburgischen Zeitgeschichte“, betonte C²DH-Direktor Andreas Fickers. „Unsere Aufgabe wird es sein, die Fakten zu rekonstruieren und die komplexe Geschichte aufzuarbeiten.“ Dabei werde man sich auch an Vorbildern wie der Aufarbeitung aus Deutschland zur Justiz im 3. Reich orientieren. „Letztendlich wird aber weder ein Thema überwiegen, noch eine Bewertung der Geschichte stattfinden.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Quellen möglich zugänglich sind. Für die wissenschaftliche Integrität sollen entsprechend ein „comité scientifique“ sowie ein „comité d‘accompagnement“ sorgen, in denen unter anderem Experten aus Wissenschaft und dem Nationalarchiv sitzen.

Das Projekt wird über die kommenden vier Jahre fast 700.000 Euro kosten. 565.000 davon wird das Justizministerium aufbringen, den Rest wird das C²DH zahlen. „Unter anderem auch, um jemanden zu bezahlen, der die Archive auf Vordermann bringt“, erklärt Braz. Daneben sollen etwa auch Doktoratstellen entstehen.