Ein ganzes Jahr lang reiste der niederländische Fotojournalist Kadir van Lohuizen ab März 2011 durch Lateinamerika und verarbeitete seine Eindrücke sowie seine Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung in Fotos, Radio- und Blogbeiträgen. Das Centre National de l’Audiovisuel (CNA) in Düdelingen zeigt noch bis Dezember Fotos und eine Installation des Niederländers im Pomhouse; in der Display01-Galerie im Hauptgebäude des CNA kann sich der Besucher mithilfe von Tablet-Rechnern in die Geschichte des „ViaPanAm“-Multimedia-Mammutprojektes einlesen, das einst als klassische Fotoreportage in van Lohuizens Kopf geboren wurde.
Abkehr von der klassischen Fotoreportage
Der Fotoreporter, der Lateinamerika sehr oft dienstlich bereiste und fast so gut wie seine Westentasche kennt, hat immer bedauert, dass die Medien diesen Teil des Erde immer außen vor ließen: „Wann erhält Lateinamerika die Aufmerksamkeit der globalen Medien? Wenn ein großes Sportereignis stattfindet oder irgendwo ein Bürgerkrieg ausbricht.“ Sein Projekt drohte jedoch aus finanziellen Gründen zu scheitern, bevor es überhaupt wichtig angelaufen war. Der Niederländer fand keine Geldgeber, die dazu bereit waren, seine Expedition zu finanzieren.
„Das Interesse an einer klassischen Fotoreportage war sehr gering“, erinnert sich van Lohuizen . Als er der niederländischen Vereinigung Paradox im Jahr 2010 die Pläne für seine Reportage unterbreitete, nahm das Projekt eine unvorhersehbare Wende: Die Vereinigung, die Kunstprojekte mit Dokumentationscharakter auf der ganzen Welt realisiert, schlug dem Fotoreporter vor, von einer klassischen Fotoreportage abzusehen und stattdessen ein Multimediaprojekt zu realisieren, das Tabletbesitzer sich auf ihre Rechner downloaden könnten. Der Haken bei der Sache: Als die Idee zum Multimediaprojekt geboren wurde, hatte der Tablet-Vorreiter iPad noch gar nicht das Licht der Welt erblickt. Die Gerüchteküche brodelte jedoch und jede Woche wusste ein anderes Fachmagazin irgendwelche Details über das neue „Wundergerät“ zu enthüllen. „Wir wussten nur, dass wenn all die Gerüchte stimmen sollten, wir in der Tat Bild, Ton und Bild zu einer Einheit kombinieren konnten“. Mit der wertvollen Unterstützung von Paradox bekam der niederländische Reporter das für das Multimediaprojekt benötigte Budget zusammen.
Wertvolle Kritik
Im Zentrum seiner Fotos, Blogbeiträge und Radioreportagen stehen die Einzelschicksale von Migranten in Lateinamerika. „Lange bevor ich mich auf die einjährige Reise begeben habe, unterzog ich mein Gesamtwerk einer eingehenden Analyse und musste feststellen, dass im Mittelpunkt meiner Arbeiten stets Menschen standen, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen unterwegs waren“, erklärt der Fotoreporter und fährt fort: „Ich wollte das Thema ‚Migration‘ aus einem anderen Blickwinkel beleuchten.“
Van Lohuizen portraitierte zwei bolivianische Haushälterinnen, die in Santiago de Chile eine Arbeit gefunden haben und suchte anschließend ihre Verwandten in Bolivien auf, um die ganze Familie kennen zu lernen. Zahlreiche Kontakte zu Interviewpartnern in Lateinamerika hatte der Niederländer schon vor seiner Abreise nach Südamerika dank der Mithilfe von Kollegen geknüpft, die sich vor Ort in Südamerika befanden. Den Kontakt zu den Menschen, die er porträtierte, beschreibt er als „intensiv“.
Noch heute überrascht ihn das überwältigende Feedback, das er von der lokalen Bevölkerung erhielt: „Normalerweise kommt mein Publikum aus Nordamerika und Europa. Dank der sozialen Medien haben sehr viele Menschen auch in Lateinamerika mein Projekt mit Spannung verfolgt. Sie gaben mir wertvolle Kritik und Tipps mit auf meinen Weg oder boten mir auch einfach nur ein Bett zum Übernachten an,“ resümiert Kadir van Lohuizen diese für ihn neue Erfahrung . In größeren Städten hielt der Niederländer Fotoworkshops für Fotografen ab und hielt Konferenzen, in denen er sein Multimediaprojekt vorstellte. Wie viele Bilder haben sich während seiner Expedition auf seiner Festplatte angesammelt? Kadir van Lohuizen lacht laut auf: „Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen“.
www.lohuizen.net; www.cna.lu




