NIC. DICKEN

Bis Mitte September dieses Jahres haben die Gemeinden des Landes Zeit, ihre Gutachten, Kommentare und Kritiken an den neuen „plans sectoriels“ der Regierung beim Nachhaltigkeitsministerium einzureichen, das dann über eine definitive Festlegung befinden und entscheiden soll. Der den Gemeinden gesetzte Zeitraum, in dem parallel ja auch noch die erneuerten „plans d’aménagement“ einem Ende zugeführt werden sollen, war von Anfang an sehr knapp bemessen, ein Umstand, der weniger der Bedeutung der Sache selbst, als vielmehr dem feststehenden Wahltermin vom 14. Oktober dieses Jahres zuzuschreiben sein dürfte. Besonders die für derartige Aktionen personell dünn besetzten Landgemeinden, die allerdings von den Zielsetzungen der „plans sectoriels“ bei ihrer künftigen Entwicklung entscheidend betroffen sind, haben Mühe, die ihnen gestellten Hausaufgaben fristgerecht abschließen zu können.

Spätestens seit der Innenminister vor knapp zwei Jahren beschloss, die Finanzierung der Kommunen stärker auf die Bevölkerung und weniger auf die territoriale Größe auszurichten, eine Option, die nicht per se falsch oder „schlecht“ sein muss, liegt es den Gemeindeverantwortlichen am Herzen, konkrete Schritte für weiteres Wachstum ihrer Einwohnerschaft weiterzuführen, bzw. schnellstmöglich in die Wege zu leiten. Das wiederum scheint nicht unbedingt im Einklang zu stehen mit eben jenen Zielsetzungen der bereits erwähnten „plans sectoriels“, die im wesentlichen eine verstärkte Konzentration von Wirtschaftsaktivitäten, von Wohnungsbau und optimaler Mobilität auf eine mit dem Alzettetal weitgehend identische Süd-Nord-Achse von Esch-Alzette bis Ettelbrück.

Diese Konzentration der Weiterentwicklung auf die geographische Mitte des Landes, wo bereits jetzt die meisten Menschen in Luxemburg wohnen und arbeiten, mag auf den ersten Blick logisch erscheinen, gibt allerdings keinerlei Antwort auf die zahlreichen Fragen, die sich auch heute schon Verantwortliche und Bewohner der peripheren Gemeinden stellen. Ihre mit dem öffentlichen Transport offerierte Anbindung an die auf oder in Nähe der zitierten Mittelachse entstandenen Gewerbezonen lässt nach wie vor zu wünschen übrig, sie werden zweimal täglich vom Strom der Berufspendler von diesseits und jenseits der Grenze heimgesucht, ohne aber selbst vom Kuchen profitieren zu können, der in den anderen, den „auserwählten“ Gemeinden gebacken wird. Dafür werden offensichtlich jetzt auch noch ihre künftigen Entwicklungschancen auf dem Altar des Umwelt- und Naturschutzes geopfert, den man auf der zentralen Achse eben nicht in dem Maße hinbekommt, wie das einer geographischen Ausgewogenheit eigentlich förderlich wäre. Warum beispielsweise dürfen in der einen Gemeinde zig Hektar Wald abgeholzt werden, während nur wenige Kilometer davon entfernt in einer Gemeinde mit mehr als 500 Hektar Forstbestand nicht mal ein einzelner Baum gefällt werden darf? Jeder Dirigismus führt über kurz oder lang zu Unfrieden. Einer harmonisch ausgewogenen Landesplanung wäre der nicht förderlich.