CLAUDE KARGER

Bei aller Aufregung über das neue Kindergeld, Umfrageresultate, Pilotenüberwachung bei Cargolux, einem Kleinkrieg zwischen Immobilienhändlern, europäische Krisen und dem Konflikt zwischen Bildungsminister Meisch und den Lehrern diese Woche gingen die guten Nachrichten von der Konjunkturfront fast schon unter. Der Statec revidierte diese Woche seine Wachstumsprognose für das laufende und das nächste Jahr drastisch nach oben. Statt um 2,2 Prozent wie in der letzten „Note de Conjoncture“ vom vergangenen November angenommen, wird das luxemburgische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 3,7 Prozent steigen. Mit +3,4 Prozent soll auch 2016 besser werden, während die Wirtschaft zwischen 2017 und 2019 um durchschnittlich drei Prozent wachsen soll.

Im Vergleich: Für die Eurozone wird mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr und von 1,9 Prozent im nächsten Jahr gerechnet. Die wirtschaftliche Dynamik, der seit der Rezession 2009 die Luft ausgegangen war, kommt also wieder definitiv und ordentlich in Fahrt. Treiber sind vor allem externe Faktoren: Der schwache Euro begünstigt die Exporte, der niedrige Erdölpreis und die niedrigen Zinsen den Konsum, während unser internationaler Finanzplatz von der insgesamt positiven Entwicklung der Finanzmärkte profitiert. Das alles hilft natürlich, zusätzlich zu den Maßnahmen der Regierung, die notwendige Konsolidierung der auch noch durch den Verlust der Mehrwertsteuereinnahmen aus dem E-Commerce belasteten Staatsfinanzen weiterzutreiben. „Rosige Aussichten“, titelte gestern bereits das „Tageblatt“ zu den besseren Prognosen, der OGBL-Chef unterstrich, dass in den vergangenen Jahren „viel Schwarzmalerei“ in punkto Staatsfinanzen betrieben worden sei, die allerdings noch längst nicht im Gleichgewicht sind. Zeitgleich fordert André Roeltgen, der eben erst eine zusätzliche Urlaubswoche ins Spiel gebracht hatte, dass jetzt mal die Reallöhne angehoben werden müssten. Nun, die Gewerkschaften dürften jedenfalls bei den kommenden Tripartite-Gesprächen im Vorteil sein.

Aber bei diesen wird vor allem auch weiter nach Lösungen gesucht werden müssen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Denn das Wirtschaftswachstum allein reicht nicht aus, um die historisch hohe Arbeitslosenquote nach unten zu drücken. Laut Statec geht sie zwar momentan zurück, das ist aber eher dem Umstand geschuldet, dass mehr Leute in Arbeitsmaßnahmen landen. Die Institution macht auch darauf aufmerksam, dass das Wachstum sich ab 2016 wieder verlangsamen und die Arbeitslosenquote wieder steigen dürfte. Ebenfalls unterstrichen wird, dass eine ganze Reihe von Risiken die Prognosen schnell ändern könnten. Nicht abzusehen etwa, was ein „Grexit“, für die Eurozone und Luxemburg bedeuten, welche Konsequenzen ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens zeitigen könnte oder in welchem Maß neue Regulierungen den Finanzplatz strapazieren könnten. „Rosige Aussichten“ also? Momentan vielleicht. Aber Vorsicht muss geboten bleiben und die Hände für die Reform des Landes und der EU können natürlich - wie es unter anderem auch der „Conseil National des Finances Publiques“ rezent unterstrich - auf keinen Fall in den Schoss gelegt werden.