ROODT-SYRE
PATRICK WELTER

Internationales Symposium von Bio-Lëtzebuerg zur Zukunft der Biolandwirtschaft

Eigentlich ist die Frage ziemlich überflüssig: „Ist die Biolandwirtschaft zukunftsfähig?“ Dass der Ruf nach Lebensmitteln aus biologischem Landbau mehr als ein Modetrend ist, haben die vergangenen drei Jahrzehnte klar bewiesen. Die Kunden verlangen nach mehr Bio-Ware als der heimische Markt liefern kann. Allerdings beschränkt sich die Frage nach der Zukunft nicht allein auf Absatzmärkte und Preispolitik, wie ein Symposium gestern in Roodt-Syre zeigte.

Eingeladen hatte „Bio-Lëtzebuerg“, der Verband für biologischen Landbau in Luxemburg, zu einer Ganztagesveranstaltung, um die Frage nach der Zukunftsfähigkeit, einerseits durch Fachreferate, andererseits durch eine Podiumsdiskussion, zu klären. Oder zumindest den Versuch einer Klärung zu machen. Im Grunde genommen geht es immer um den Widerspruch zwischen der Forderung nach preiswerten Lebensmitteln für alle - mit der die Mainstream-Lebensmittelindustrie ihre umstrittenen Methoden begründet, und der gleichzeitigen Forderung nach einer Landwirtschaft, die die Ressourcen schont.

Nach einer Begrüßung durch Daniela Noesen, Direktorin bei Bio-Lëtzebuerg, beschäftigte sich die deutsche Autorin Dr. Tanja Busse mit den Aspekten der Tiermast.- Ihr Ansatz war deutlich: „Warum die Biolandwirtschaft keine Wegwerfkälber produzieren darf“. Ihrer Meinung nach muss die Biolandwirtschaft aus der Krise der so genannten industriellen Landwirtschaft lernen. Die konventionelle Landwirtschaft verheize Tiere, verschwende Ressourcen und ruiniere Bauern, so die These von Busse.

Einem gerne vernachlässigten Aspekt widmete sich Dr. Alexander Beck, in dem er über die Aufgaben und Pflichten der verarbeitenden Industrie für biologische Lebensmittel referierte.

Zwischen den Welten

Fredy de Martines, Vorsitzender des Luxembourg Diary Board (LDB) und damit Luxemburgs oberster Milchrebell, beschäftigt sich mit der stets aktuellen Frage, wie man den Milchpreisverfall aufhalten kann. Martines ist kein Biobauer, setzt aber in seinem landwirtschaftlichen Betrieb hohe ökologische Standards, die ihn zu einem Wanderer zwischen den Welten machen.

Visionär und kämpferisch

Mit dem Schweizer Landwirt und Autor Martin Ott hatte Bio-Lëtzebuerg einen streitbaren Referenten eingeladen, der von den Landwirten vor Ort Selbstbestimmung und eigene Normen verlangte. Sie sollten sich nicht gängeln lassen, sondern selber „vorne sein“, um endlich den letzten Platz in der Wertschöpfungskette der Lebensmittel zu verlassen. Seine globale Sicht der Dinge formulierte er in einem gesellschaftspolitischen Bonmot „Der Aufbau einer sozialen Landschaft beginnt auf der grünen Wiese“.

Martine Hansen setzt auf Zusammenspiel im Landwirtschaftssektor

Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Welche Landwirtschaft für Morgen“ übernahm die CSV-Abgeordnete Martine Hansen den undankbaren Part als Verteidigerin der konventionellen Landwirtschaft. Man brauche beides, konventionelle und ökologische Landwirte. Hansen beklagte sich über eine einseitig negative Darstellung der Standardlandwirte. Wenig später sprang ihr Fredy de Martines bei, der betonte, dass es auch unter den so genannten konventionellen Landwirten eine große Bandbreite und viele mit ökologischer Verantwortung gibt. Er selbst stelle nicht auf Biolandwirtschaft um, obwohl es für nur ein kleiner Schritt wäre, weil er nicht noch mehr Kontrollen und Vorschriften erfüllen möchte.

Verlust von Primärbildung

Allgemein beklagt wurde die Unkenntnis der Verbraucher über die Arbeit der Landwirte aber auch eine „Erosion der landwirtschaftlichen Kompetenz“. Selbst bei Lebensmitteln und beim Kochen gebe es einen großen Mangel an „Primärbildung“.


www.bio-letzebuerg.lu
www.aoel.org