NIC. DICKEN

Mit der geballten Kraft von laut eigenen Aussagen insgesamt etwa 9.000 Petitionsunterschriften - weniger als zwei Prozent der Landesbevölkerung - will die Syfel-Führung jetzt also die durch öffentliche Wahlen bestimmte Volksmehrheit zum Umdenken, Umdrehen und zum geflissentlichen Respekt und Gehorsam bringen. Die Klärung der besitzrechtlichen Verhältnisse in den luxemburgischen Kirchenfabriken, die eigentlich konfuser nicht sein könnten, darf um keinen Preis kommen. Etwa, weil sie mit einem Prinzip brechen würde, das vom Kirchenrenegaten Napoléon Bonaparte, aufgestellt wurde? Im Streit um den lokalen kirchlichen Besitz wird sogar ohne irgendwelche Bedenken die Institution Kirche als solche angezweifelt und in Frage gestellt. Die Autorität des Bischofs, anerkannte Leitfigur, wird von der eigenen Gefolgschaft diskreditiert. Meuterei! Die Kirche ist nicht der Staat und der Staat ist nicht die Kirche. Das hat jemand schon vor 2.000 Jahren ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht, auch wenn die Umstände damals andere waren und die durch diese Aussage provozierte Rebellion durchaus ihre Daseinsberechtigung gehabt haben mag.

Kürzlich hat ein emeritierter hoher Kirchenmann den Übergriff eines, mittlerweile vor Gericht als Angeklagter lavierenden, Geistlichen auf einen Chorknaben im öffentlichen Interview - en passant! - als „accident de parcours“ bezeichnet - Respekt für den „t“-Kommentator, der dies eher als „accident avant le parcours“ für das junge Opfer sieht. Gleichgesinnte des besagten Emeriten maßen sich an, jene an den Pranger zu stellen, die mit den überlieferten Traditionen und Gepflogenheiten eines dominierenden, weil reichen und mächtigen, ansonsten aber eher okkult agierenden Vereins, Schluss machen und nichts anderes wollen, als eine einsehbare, ehrliche, den eigenen Interessen genau wie dem Gemeinwohl verpflichtete, Glaubens- und - warum nicht? - Vermögensgemeinschaft. Im heutigen Jargon bezeichnet man so etwas eher als Transparenz, Demokratie und Nachvollziehbarkeit.

Diese Begriffe jetzt ausgerechnet als Forderungen von Dunkelmännern formuliert zu hören, ist der Inbegriff der Lächerlichkeit. Mich haben in dieser Woche bei einer Bestattung die Worte eines - relativ - jungen Pfarrers vor einer ziemlich großen Zuhörerschaft sehr stark bewegt, der nicht etwa Rebellion und Gegnerschaft in der Kirche beschwor, sondern vielmehr das, was echtes Christentum zu sein vorgibt: Verständnis, Nächstenliebe, Verzeihung, Akzeptanz, Freundschaft, Offenheit für den Nächsten. Das gibt es offenbar auch noch, in der ach so verbitterten Kirchengemeinde, obwohl manchen die eigenen Pfründe ganz offensichtlich näher liegen als die grundlegenden Anliegen der Gemeinschaft.

Warum wird man den Eindruck nicht los, dass es mittlerweile mehr verirrte Hirten gibt als verirrte Schafe? Dabei lautete der Auftrag vor 2.000 Jahren doch, den Bekundungen zufolge: „Hüte meine Schafe.“ Und nicht etwa: „Verwalte mein Vermögen!“ Soviel wird man, mit dem unvermeidlichen zeitlichen Abstand, wohl noch in Erinnerung rufen dürfen.