LEIPZIGSVEN WOHL

Die Lange Leipziger Lesenacht birgt Literatur-Geheimtipps

Neben der Leipziger Buchmesse gibt man sich in der Stadt redlich Mühe, Literatur in den Vordergrund zu stellen. Kaum ein Café lässt sich die Gelegenheit entgehen, mindestens eine Lesung pro Abend abzuhalten.

Doch abseits dieser kleinen Literatur-Knaller veranstaltet man in der Moritzbastei jedes Jahr ein wahres Feuerwerk an Lesungen. In der Langen Leipziger Lesenacht kommen etliche Autoren zum Zuge und die Besucher erhalten die Gelegenheit, in etwas andere Werke hinein zu schnuppern.

Autorrennen

Insgesamt vier Räumlichkeiten werden angeboten, wobei jeweils drei meist unbekanntere Autoren pro Stunde aus ihren Werken vorlesen. Man hat also die berühmte Qual der Wahl, doch wenn man keinen der Schriftsteller kennt, kann man sich eigentlich einen der Räume aussuchen und in diesem verbleiben. Denn allein rein statistisch betrachtet ist es unmöglich, dass alles Schrott ist - Das Gesetz des Durchschnitts lässt grüßen!

Man muss sich das Ereignis ein wenig vorstellen wie ein Autosalon, bei dem nur verzweifelte Gebrauchtwagenhändler präsent sind. Sie versuchen, einem ihre Produkte feil zu bieten, während der Alkoholpegel der Besucher immer weiter steigt.

Ein Rennen um die Zeit also, mit der Hoffnung, den Autoren neue Leser einzubringen. Ob dieser sich mit dem Kauf am Morgen darauf noch identifizieren kann, ist da eigentlich Nebensache - Notfalls ist das Buch halt ein Andenken an eine schöne Nacht.

Von den Lokalitäten hatte sich unsere Gruppe diesmal für den Oberkeller entschieden: Ein nettes Ambiente und vor allem die Leinwand gepaart mit den Tischen machte dies zu einem stets populären Ort, der sich schnell füllte. Leider war das erste Vorlese-Trio mit Nieten besetzt; Verena Boos langweilte und Ulrike Almut Sandig hob sich nur durch das wiederholte Imitieren eines Heißluftballons hervor. Am besten war da Ulla Lenze, die etwas anspruchsvoller schrieb. Die nächste Runde konnte zwar mit Antonia Baum nicht überzeugend starten, doch Karen Köhler holte mit einer enthusiastischen Vorlesung aus „Wir haben Raketen geangelt“ das Beste heraus. Sie war leider der Höhepunkt des Abends, Leif Randt konnte leserich nicht überzeugen, obwohl sein Science-Fiction-Werk „Planet Magnon“ einen besseren Einsatz verdient hätte.

Es kann nur einen geben

Mit unserer letzten Runde folgte auch der letzte Krug Bier, doch während der Alkoholpegel stieg, konnte die Literatur und vor allem die eigene Aufmerksamkeit nicht mithalten. Heike Geissler und Madeleine Prahs zeigten zwar schriftstellerische Qualität, konnten aber bei keinem in der Gruppe sonderliche Begeisterungsstürme hervorrufen.

Bei Lilian Loke klinkten wir uns aus: Der nächste Tag auf der Buchmesse musste bereits geplant werden - Termine hat die Messe genug! Am Ende schaffte nur Köhlers Werk den Weg mit ins Hotel.


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