LUXEMBURG
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AVR spricht sich erneut für Alkohol-Wegfahrsperre aus

Es waren 955 Unfälle mit Personenschäden im Jahr 2017, darunter 24 mit tödlichem Ausgang, 25 Personen wurden in diesem Bilanzjahr 2017 bei Unfällen getötet, 256 schwer und 1.016 leicht verletzt. Immer wieder ist es die Kombination Alkohol und Geschwindigkeit, die zu tödlichen Verkehrsunfällen führt, die oft Unschuldige aus dem Leben reißen und auch im Leben ihrer Familien und Freunde einen tiefen Einschnitt verursachen, der meist nie heilt.

„Die ‚Association des Victimes de la Route‘ ist dauernd mit solch schlimmen Situationen konfrontiert. Sie tut, was sie kann, um zu helfen“, sagt Raymond Schintgen, AVR-Präsident, im Vorfeld der Generalversammlung, die gestern in Howald stattfand. Wenn auch mit einer etwas anderen Tagesordnung wie vorgesehen, sollte doch Minister François Bausch den Aktionsplan zur Verkehrssicherheit 2019-2023 vorstellen. Dies wurde aber von Ministeriumsseite annulliert, sollte der Plan doch bereits am Dienstag der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Doch traurige Ereignisse kamen dazwischen…

Thema Schädel-Hirn-Trauma: Betreuung sicherstellen

Auf der Straße kann der Bruchteil einer Sekunde das Leben teilen, für die Betroffenen gibt es ein Leben vor dem Unfall und ein Leben nach dem Unfall, sagt auch Marie-Paule Max. Die Heilpädagogin ist Geschäftsführerin der AVR-Dienststelle und führt im Vorfeld der Generalversammlung aus, dass die Vereinigung eine große Baustelle hat. Die AVR sieht sich als eine Interessengemeinschaft, die ihren Mitgliedern auch dank von Gesprächsgruppen die Möglichkeit gibt, sich kennenzulernen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen und zu respektieren. „Für viele Betroffene bedeutet diese offene Gruppe nicht nur Solidarität, sondern auch Teilnahme am sozialen Leben und eine Chance gegen die Isolation“, sagt Max. Dies sei, neben der Präventionsarbeit beispielsweise an Schulen im Vorfeld der Führerscheinerlangung, eine der wichtigsten Pisten, der sich die Vereinigung widme. Denn viele Opfer von Verkehrsunfällen würden an einem Schädel-Hirn-Trauma leiden, einer Kopfverletzung, die zu einer Funktionsstörung oder Verletzung des Gehirns führen kann. So organisiert die AVR Fachtagungen zu „Leben mit einem Schädel-Hirn-Trauma“, um bestmögliche Betreuungswege in den Fokus zu rücken. „Dies sind professionelle Betreuung für die Betroffenen und ihre Familien und der Austausch mit Leidensgenossen als Schlüsselelemente für den neuen Lebensweg.“ Denn diese Auseinandersetzung mit den Folgen im gesundheitlichen, moralischen, sozialen und juristischen Sinn dauert oft Monate, manchmal sogar Jahre, sagt Max. Es verlange viel Kraft und Ausdauer von den Betroffenen und ihren Familien. „Wie kann man sich in dieser neuen Lebenssituation zurechtfinden und orientieren? Welche Zukunftsplanung ist möglich? Wo gibt es fachmännische Beratung, Wissen und Unterstützung?“, so nur ein paar Fragen, mit denen sich die Betroffenen beschäftigen. Doch die Vereinigung hat diesbezüglich ein Finanzierungsproblem. „Über entsprechende Zuschüssen können wir eine entsprechende Fachkraft beschäftigen, doch aufgrund der stets befristeten Mittel über ein Jahr oder auch anderthalb Jahre ist eine Unsicherheit in der Programmaufstellung unser ständiger Begleiter. Denn wenn der Zuschuss ausläuft, müssen wir uns wieder von der Kraft und ihrem Fachwissen trennen.“

Dabei mache die Vereinigung stets mit der Arbeit weiter, wenn eben auch mit begrenzten Mitteln. „Hier wäre es schön, wenn sich etwas ändern könnte“, sagte Max. Ein Punkt, den auch Präsident Schintgen nur unterstreichen kann. „Denn die Arbeit wird nicht weniger“, sagt Schintgen, der diesbezüglich auch eine gewisse Grenze bei den Mitarbeitern sieht: „Es riskiert der Umstand einzutreten, dass wir so nicht mehr weitermachen können - und das will ja keiner.“

Thema Alcolock

Was den Bereich der Verkehrssicherheitspolitik nun angeht, spricht sich Schintgen seit seiner Zeit als Präsident mit einem „klaren Ja“ auch für das Anheben der Punkte von vier auf sechs aus, die beim Fahren unter Alkoholeinfluss über 1,2 Promille und dem Verweigern des Alkoholtests eingezogen werden, „auch Ja zum Abzug beim Fahren unter Alkoholeinfluss von 0,8 - 1,2 Promille. „Denn das sind Dinge, die aus unserer Sicht unvereinbar sind“. Die AVR befürwortet diesbezüglich auch die Maßnahme des Alcolock (Alkohol-Wegfahrsperre) und hofft, hier zusammen mit den zuständigen Ministerien und Arbeitsgruppen eine Einigung zu finden - „ein Punkt, den wir wieder in den Blickpunkt setzen wollen“. Ein klares Ja auch zum Anheben des Punktestrafkatalogs von vier auf sechs beim Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und für Wiederholungstäter, und ein klares Ja für die neue Maßnahme, bei Fahrten mit überhöhter Geschwindigkeit -bei 50 Prozent über dem Erlaubten- vier Punkte plus Führerscheinentzug. Für den AVR gebe es keine Toleranz bei Fahrten mit überhöter Geschwindigkeit und unter Alkohol. „Sicher ist es ein Gesellschaftsproblem, Alkohol gehört irgendwie dazu. Aber vielleicht kann man einmal damit anfangen, nicht auf jedem Empfang, beispielsweise von den Städten und Gemeinden, Alkohol auszuschenken… Alternativen gibt es“, resümiert Schintgen die Bestrebungen.

www.avr.lu