LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Tune into the Future“ erzählt die Geschichte von Hugo Gernsback

Hugo Gernsbacher wurde am 16. August 1884 in Bonneweg geboren. Seine Eltern, Berta Dürlacher, eine Hausfrau, und Moritz Gernsbacher, ein Winzer, waren Juden. Er studierte von 1900 bis 1903 das Ingenieurwesen an der Technischen Hochschule in Bingen. 1904 entschied er sich, nach Amerika auszuwandern, wo er mit Erfolg eine von ihm erfundene Batterie verkaufte. Danach beschäftigte er sich mit den Radiowellen. Mit der Erfindung eines Senders und Empfängers wurde er ein Pionier des Amateur-Radiofunks. Er nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an und änderte seinen Familiennamen in Gernsback. Doch in Luxemburg kennt kaum einer diesen Erfinder, der später zum Verleger wurde. In Luxemburg erinnert lediglich eine Straße, die hinter dem Kinokomplex „Kinepolis Kirchberg“ verläuft, an Gernsback. Eric Schockmel, der von Beruf Museograf ist, zeichnet in seinem ersten Dokumentarfilm „Tune into the Future“ ein Bild dieses außergewöhnlichen Mannes.

Der Vater der Science-Fiction

Gernsbacks Einfallsreichtum war enorm, speziell als Verleger von Magazinen. 1908 gründete er „Modern Electrics“, das erste Magazin weltweit, das sich mit Elektronik und Radiomaterial beschäftigt. In dieser Zeitschrift wurde sein Science-Fiction-Roman „Ralph 124C 41+“ zwischen April 1911 und März 1912 veröffentlicht. 1913 folgte ein ähnliches Magazin „The Electrical Experimenter“ sowie noch weitere.1925 gründete Gernsback seinen eigenen Radiosender WRNY, der ebenfalls erste Fernsehsendungen ausstrahlte. Als er 1926 die Zeitschrift „Amazing Stories“ herausgab, begründete er die moderne Science-Fiction. Er veröffentlichte neue Geschichten, wie auch altbekannte von zum Beispiel Edgar Allan Poe, Jules Verne oder H. G. Wells. Der gebürtige Wiener Frank R. Paul illustrierte die Geschichten.

In seinen Publikationen sah er vieles voraus, das man heute nicht mehr wegdenken kann, wie unter anderem Skype, interaktives Fernsehen, Online Dating, bemannte Raumschiffe oder das Space Mining. Gernsback war dreimal verheiratet: mit Rose Harvey, Dorothy Kantrowitz und Mary Hancher. Bis zu seinem Tod am 19. August 1967 in New York hatte er 80 Patente angemeldet.

Dokumente und Animation

Für seine filmische Dokumentation basierte sich Schockmel auf eigene Recherchen sowie die von CNA-Direktor Paul Lesch. Beide beschäftigen sich seit Jahren mit Gernsback. Produzent Bernard Michaux von Samsa Film bot Schockmel an, den Film zu realisieren. Dies geschah mit der Unterstützung des Film Fund. Schockmel fand etliche Filmaufnahmen und Tondokumente von Gernsback, dessen Englisch doch unüberhörbar mit einem luxemburgischen Akzent gesprochen wird. Viele Szenen sind animiert und wurden in den Studios von Mélusine Productions hergestellt.

Nachfahren von Gernsback kommen zu Wort, wie auch Fans seiner Science-Fiction-Geschichten. Den Kommentar spricht der Radiosprecher Benny Brown. Eric Schockmel ist es gelungen, einen sehenswerten 80-minütigen Dokumentarfilm über das Schaffen dieses einzigartigen Mannes zu realisieren. Da zurzeit nicht bekannt ist, wann die Schließung der Kinos durch das Coronavirus aufgehoben wird, hat sich Samsa Film dazu entschlossen, den Film für die Filmplattform VOD.lu freizugeben. Hier kann man sich den Film für 2,99 Euro ansehen.