LUXEMBURG
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„Ombuds-Comité fir d'Rechter vum Kand“ hat immer wieder mit traumatisierten Kindern zu tun

Das „Ombuds-Comité fir d'Rechter vum Kand“ (ORK) hat drei zentrale Missionen. Das beginnt damit, die Rechte der Kinder, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten sind, bekannt zu machen sowie die Menschen dafür zu sensibilisieren. Außerdem sorgt das ORK dafür, dass die Rechte der Kinder durchgesetzt und beachtet werden. Das kann auf politischer Ebene genauso wie in der Praxis sein, dort wo mit Kindern gearbeitet wird.

„Unsere Mission ist es auch dort einzugreifen, wo diese Kinderrechte nicht eingehalten werden“, erklärt René Schlechter, Ombudsmann für die Rechte der Kinder und ORK-Präsident. Das bedeutet, dass jeder, der ein Kind kennt, hat oder selbst betroffen ist beziehungsweise glaubt betroffen zu sein, sich an das Ombuds-Komitee wenden und einen Termin ausmachen kann. Dann wird geschaut, was getan werden kann, um die Situation des Kindes zu verbessern.

Bei Schlechters Arbeit begegnen ihm oft traumatisierte Kinder, deren Traumata allerdings ganz unterschiedliche Gründe haben. „Wenn etwa Eltern sehr verbissen um das Sorge- oder auch Besuchsrecht streiten, muss man davon ausgehen, dass die Kinder dadurch traumatisiert werden können, da sie im Mittelpunkt dieser heftigen Konflikte stehen“, führt Schlechter aus. Auf der anderen Seite hat das ORK oft auch mit Flüchtlingskindern sowie unbegleiteten Minderjährigen zu tun, die oft sehr schwierige Situationen durchlebt haben, die sie traumatisiert haben. 

In zweiter Reihe 

Das Komitee ist allerdings nicht dafür zuständig, sich um das eigentliche Trauma zu kümmern, dafür gibt es spezifische Einrichtungen und Dienste. Die betroffenen Kinder erhalten in der Regel auch bereits Hilfe von diesen Stellen, wenn sie sich an das ORK wenden. Das Komitee steht eher in zweiter Reihe und ist dafür zuständig, Klagen und Beschwerden der Kindern erhalten, diese zu informieren, Ratschläge zu erteilen und zu schlichten.

„Vor einigen Jahren hatte ich einen Fall, bei dem ein kleines Mädchen sexuelle Gewalt von einem Nachbarn erfahren hat. Als dieser nach sechs Wochen Untersuchungshaft wieder frei rumlief, verstanden die Mutter und das Mädchen dieses Vorgehen der Justiz nicht. Daraufhin habe ich bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt, was es hiermit auf sich hat.“ Es stellte sich heraus, dass er wieder frei kam, da keine Fluchtgefahr bestanden hätte. Außerdem wurde ein Untersuchungsrichter eingeschaltet, da der Verdacht bestand, dass er sich auch an anderen Kindern vergangen hat. „Das sind Informationen, die die Mutter und das Kind nicht von der Strafverfolgung bekommen könenn, was jedoch kontraproduktiv ist, da die Opfer sich oft verloren fühlen. „Das ORK nimmt somit die Rolle des Vermittlers ein.“

Ein anderes Beispiel ist das einer jungen Frau, die ebenfalls sexuelle Gewalt erfahren hatte, und zwar von einem Freund der Familie. Da sie das Gefühl hatte, dass ihre Eltern sie nicht in Schutz nehmen und ihr nicht glauben, wollte sie nicht mehr nach Hause. Schlechter brachte sie daher im „Peitrusshaus“ unter, in dem Jugendliche in Krisensituationen unterkommen können. Das Komitee ergreift allerdings nur mit dem Einverständnis der Person Maßnahmen und ist dabei auch sehr transparent, wie Schlechter betont.