LUXEMBURG/BRÜSSEL
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Goodyear EMEA-Präsident Jean-Claude Kihn stellt neues Geschäftsfeld vor

Goodyear Proactive Solutions“, so der Name des neuen, europaweiten Geschäftsfeldes des Reifenhersteller, der damit ein Servicepaket präsentiert, das die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fuhrparkbetreiber ermöglicht und eine wirtschaftliche Optimierung zur Folge hat („Vehicle-To-Fleet“). Goodyear kombiniert bewährte Telemetrie, die per Modul im Reifen an den Felgen integriert werden, mit einer eigens entwickelten prädiktiven Analysetechnologie. Transportunternehmen können reifenbezogene Schäden, die immer auch ein Sicherheitsrisiko darstellen, identifizieren und beheben, bevor der Schaden eintritt und der Schaden zu groß wird.

Intelligente Algorithmen - den Kunden im Blick

Grundlage hierfür sind intelligente Algorithmen, eine zuverlässige Datenbasis aus dem Nutzfahrzeugreifen- und Servicegeschäft von Goodyear sowie ein übersichtliches Reporting an die Fuhrparkbetreiber, die ihre Fahrzeuge und Reifen in Echtzeit überwachen können. Sie würden sich so einen Wettbewerbsvorteil sichern, „denn das neue Serviceportfolio hilft ihnen dabei, die Profitabilität ihrer Flotten zu steigern und in einer schnelllebigen Branche nachhaltiger zu agieren“, sagt der Präsident von „Goodyear Europe, Middle-East and Africa (EMEA)“, der Luxemburger Jean-Claude Kihn, im Gespräch.

Das Transportgeschäft mit Nutzfahrzeugen unterliege einem tiefgreifenden Wandel. „In einer digitalen Wirtschaft wollen Privat- und vor allem Firmenkunden Transportlösungen, die immer schneller, günstiger und flexibler sind.“ Die Transportindustrie werde daher immer vernetzter und automatisierter, prognostiziert das Unternehmen, dass sich dies - als klassischer Reifenhersteller - als neues Innovationsfeld auserkoren hat. Die nun vorgestellte Lösung biete Fuhrparkbetreibern ein umfassendes und benutzerfreundliches Servicepaket, mit dem sie ihre Gesamtbetriebskosten senken und die Betriebszeit, Effizienz und Nachhaltigkeit ihrer Flotten steigern können. „Wir sind bereits mit einigen Kunden auf Lösungssuche. Wir prüfen dabei, was an Vorhandenem auf dem Markt vorhanden ist und ob wir es für die Lösung nutzen können.“ Wenn die Goodyear-Mitarbeiter keine existierende Lösung für das Kundenproblem finden, entwickeln sie eine, wenn man diese später auch anderen Unternehmen anbieten kann, das Problem von allgemeinem Interesse ist.

Optimale Datenverwaltung

„Der Mehrwert für den Kunden ist auf jeden Fall, dass wir die Daten entsprechend verwalten“, sagt Kihn, der dabei betont, dass man kein Hardware-Lieferant sei. „Und wir können durchaus auch mit Kunden zusammenarbeiten, die andere Reifen nutzen“, sagt der Präsident mit einem Schmunzeln. Denn bevor eine kritische Situation auftritt, sollte man handeln, „mit unserem voraussagenden Algorithmus“, wie er immer wieder betont. Mit mehr als 2.000 Partnern in ganz Europa kümmert sich das Unternehmen bereits um 350.000 registrierte Fahrzeuge. „Wir haben eine langjährige Erfahrung in der Reifentechnik, viele andere Anbieter haben diese Erfahrung nicht. Dieses Wissen mit samt den erfassten Daten können wir mit anderen Lösungsansätzen passend verknüpfen.“ Mit überzeugenden Resultaten aus der zweijährigen Analyse. „Mit verschiedenen Fuhrparkbetreibern wurden unterschiedliche ‚Goodyear Proactive Solutions‘ entwickelt. Eins der Problemewar: Zu hoher Zeitverlust durch Reifenwechsel.“ Hier wurde nun eine erhöhte Effizienz des Fuhrparks durch Vermeidung von bis zu 75 Prozent der reifenbezogenen Ausfälle erzielt, wie Kihn anmerkt.

Ferner wurden die Gesamtbetriebskosten durch Senkung der Kraftstoffkosten um monatlich bis zu 300 Euro pro Fahrzeug gesenkt sowie eine Reduzierung der Kosten für Reifenwartung um bis zu 70 Prozent erreicht. Mit Blick auf Ziele wie „Null Emission“ konnte mit „Goodyear Proactive Solutions“ auch eine verbesserte CO2-Bilanz mit rund zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch erreicht werden.

„Unser neues Geschäftsfeld umfasst zwei Servicegruppen, die für eine intelligente, sichere und nachhaltige Mobilität sorgen“, erklärt Kihn. Einmal gibt es „Proactive Tire“. Diese Lösung beinhaltet unter anderem die Kontrolle des Reifenluftdrucks, der Temperatur und der auch Profiltiefe. Alle 16 Sekunden werden entsprechende Daten angegriffen. „Die vernetzten und vollautomatisierten Services ermöglichen es Flottenbetreibern, die Leistung ihrer Reifen zu maximieren und die Wartung eben proaktiv zu planen.“

Am Ende fährt der Lkw alleine

Des Weiteren ist da die Lösung „Proactive Fleet“, die zwei Optionen umfasst: „Driver Behaviour“ - hier werden alleine zwölf Parameter erfasst - und „Track&Trace“. „Beide helfen dabei, den Kraftstoffverbrauch zu senken und die Fahrzeit zu minimieren, während gleichzeitig die Fahrsicherheit erhöht wird.“

Das neue Portfolio kombiniere digitale Technologien und datenbasierte Services mit vorhandenen Flotten-Dienstleistungen sowie mit TruckForce, dem europaweiten Goodyear-Netzwerk für hochwertigen Lkw-Reifenservice. Jeder Flottenbetreiber könne so von dem neuen vernetzten Services profitieren, denn sie seien mit allen Nutzfahrzeugreifen kompatibel. Weitere Services für das Portfolio werden zurzeit entwickelt und 2017 im Markt eingeführt - mit dem autonomen Fahren der Lkw am Ende der Entwicklungsreihe, wie Kihn sagte.