LUXEMBURG
SVEN WOHL

Talkwalker feiert sein zehnjähriges Bestehen -

Wenige luxemburgische Start-ups können von sich behaupten, so erfolgreich zu sein wie Talkwalker. Der international vertretene Anbieter für Netz-Analysen und Media Monitoring hat sich längst auf dem Markt etabliert. Wir haben das Gespräch mit dem CEO des Unternehmens, Robert Glaesener, gesucht.

Wie würden Sie die Philosophie von Talkwalker
beschreiben?

Robert Glaesener Wir wollen den Ruf von Unternehmen im Internet schützen, ihre Marketing-Kampagnen messen und ihre Kommunikation verbessern. Marken sehen sich heute stärker der Öffentlichkeit ausgesetzt. Es wird viel über die Marke an sich, über ihre Produkte und ihren Service gesprochen. Und wie wir wissen, wenn Leute über etwas sprechen, hat das viel Einfluss, sei es auf deren Ruf oder dessen Verkaufszahlen. Viele Kaufentscheidungen werden durch diese Konversationen gesteuert. Früher passierte das im One-to-One, heute eher im öffentlichen Raum. Für Unternehmen ist es wichtig, zu wissen, was über sie gesagt wird. Dann muss festgestellt werden, ob es ein Problem gibt, wie darüber gesprochen wird und wie man seine Kommunikation oder sein Produkt daran anpassen kann.

Man erlebt heute unglaubliche Massen an Konversationen. Setzte man früher auf Fokusgruppentests, so ist es heute wichtig, die Informationsmasse, die bereits existiert effizient analysieren und interpretieren zu können, um anschließend angemessen zu reagieren.

Talkwalker wurde vor ungefähr zehn Jahren gegründet. Unsere Vorgehensweise ist vor allem technologisch geprägt und produktorientiert. Das ist auch durch die enorme Datenmasse bedingt, die verstanden und verarbeitet werden muss. Wir müssen aber auch innovativ sein, da es ein Markt ist, der sich schnell ändert. Wir müssen uns konstant anpassen, um mithalten zu können.

Wir haben auch eine sehr internationale Vorgehensweise. Unsere ersten Kunden waren etwas „näher“, das heißt aus den Nachbarländern und sogar aus Luxemburg. Wir wurden aber sehr schnell sehr international. Unsere Aufgabe gegenüber den Unternehmen ist sehr spezifisch, eine Nische, wo wir viel auf Informatik setzen und es muss dementsprechend investiert werden. Diese Aufgabe kann man nur erfüllen, wenn man einen Markt hat, der groß genug ist, um Investitionen tragen zu können.

Welcher Größenordnung kann man die Unternehmen zuordnen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen?

Glaesener Auf der einen Seite arbeiten wir mit großen internationalen Unternehmen zusammen. Die haben oft verschiedene Brands, geographisch weit gestreut und in vielen Sprachen aktiv. Für die sind unsere Dienste interessant, weil sie Unmengen an teils sehr komplizierten Daten haben. Auf der anderen Seite arbeiten wir auch mit Unternehmen zusammen, die tendenziell kleiner sind, jedoch ganz aktiv im Internet sind.

Sie eröffnen bald ein Büro in Paris. Braucht es in diesem digitalen Bereich den direkten Kundenkontakt noch?

Glaesener Am Anfang haben wir alles auf Distanz gehandhabt - dafür ist Luxemburg auch gut positioniert. Das funktionierte damals gut, weil wir noch kleine Kunden hatten und wir auch neu auf dem Markt waren. Mit wachsenden Kunden und Projekten haben wir festgestellt, dass es manchmal wichtig ist, vor Ort zu sein. Das stimmt sowohl für den Verkauf als auch für den Kundendienst.

Das Vertrauen in die sozialen Netzwerke ist in den letzten Monaten nicht gestiegen. Hat dies einen Einfluss auf ihre Arbeit?

Glaesener Wir arbeiten vor allem für Unternehmen - „Fake News“ spielen dagegen eher in der Politik eine Rolle. Manchmal wird aber tatsächlich falsch über ein Unternehmen oder Produkte gesprochen. Wenn schlecht über ein Unternehmen gesprochen wird, ist es stets in ihrem Interesse, herauszufinden, ob das „Fake News“ sind oder ob etwas dran ist. Für uns ist wichtig, festzustellen, dass über ein Unternehmen gesprochen wird und die Produkte viel diskutiert werden und die Betriebe dazu zu bewegen, dies zu untersuchen und angemessen zu reagieren.

Läuft man in dem Bereich nicht Gefahr, die lautesten Stimmen aufzuwerten?

Glaesener Wir müssen mit der Realität auf dem Netz arbeiten. Die kann von Presse, Messageboards, Foren und Social Media geprägt werden. Das ist eine sehr breite Medienlandschaft, aus der sich eine Meinung ergibt. Welchen Einfluss das auf das Produkt hat, wird das Unternehmen dann feststellen. Wir können nur festhalten, was im Netz passiert. Konkret bedeutet das, dass wir prüfen, ob eine Aussage viel geteilt wird und wie groß die Reichweite dieser Person ist. Manchmal stellt man fest, dass jemand viel und lautstark auf dem Netz unterwegs ist, jedoch keine große Reichweite besitzt.

Wurden Sie in den zehn Jahren mit einer Entwicklung konfrontiert, die Sie überraschte?

Glaesener In zehn Jahren passiert viel auf dem Markt. Am Anfang spielten Blogs, Foren und Nachrichten eine größere Rolle. Heute sind soziale Netzwerke wichtiger geworden. Innerhalb dieser Netzwerke hat Instagram an Bedeutung gewonnen, wo Bilder und Videos mehr Gewicht haben. Da mussten wir unsere Technologie dementsprechend anpassen, etwa, um in Videos Logos erkennen zu können.
Hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass sich Talkwalker so entwickeln würde?

Glaesener Die Gründungsmitglieder wie auch ich sind Optimisten. Der Markt existierte bereits, als wir anfingen. Man konnte bereits damals absehen, dass immer mehr im Netz geshared und diskutiert wird. Wir wussten, dass sich dort ein Markt entwickeln würde. Heute haben wir etwa 300 Mitarbeiter. Manchmal dachten wir, wir würden schneller oder langsamer wachsen, doch letztendlich sind wir beim optimistischen Szenario geblieben, weil die Dinge sich so entwickelten, wie wir das uns erhofft haben. Für uns ist es beispielsweise in den USA gut gelaufen und dieser Markt stellt einen Großteil unseres Geschäfts dar. Wir haben in Luxemburg auch immer gute Leute gefunden. In Luxemburg haben wir mittlerweile 200 Mitarbeiter und wir haben stets kompetente Mitarbeiter in Luxemburg und in der Großregion gefunden. Aktuell suchen wir 50 neue Mitarbeiter alleine in Luxemburg.

Luxemburg ist mittlerweile für junge Menschen aus der ganzen Welt attraktiv geworden. Wir haben zahlreiche gute Universitäten innerhalb der Großregion, doch auch die lokal anwesenden Unternehmen, wie die Big Four, Amazon und ArcelorMittal ziehen diese mit an, was eine positive Wechselwirkung mit sich bringt.

Wie sehen Sie die Zukunft von Talkwalker?

Glaesener In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir uns positiv entwickeln. Wir werden geographisch expandieren und ein halbes Dutzend Büros eröffnen. Dann werden wir ungefähr 1.000 Mitarbeiter zählen. Wir wollen einer der drei größten Anbieter in diesem Bereich weltweit werden. Das ist ambitiös, aber realistisch.


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