LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Nachdem am Sonntag die Zahl der Corona-Toten weltweit die Millionengrenze überschritten hatte, bei insgesamt mehr als 33 Millionen Infizierten innerhalb von knapp neun Monaten, unterstrich gestern der Direktor des luxemburgischen Gesundheitsamtes, Dr. Jean-Claude Schmit, die Lage in Luxemburg sei derzeit, bei einer hohen Zahl täglicher Neuinfektionen, stabil und man habe die Situation, bei einer geringen Belastung der Krankenhauskapazitäten, eigentlich „unter Kontrolle“. Diese Einschätzung kann man als realistisch bewerten, weil sie die gestiegenen Fallzahlen anerkennt, andererseits aber neue Panikstimmung vermeidet, wie sie noch vor einigen Monaten in Verbindung mit einer steigenden Infektionszahl gebracht worden wäre. 

Auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht, hat das mit einer Rückkehr in die Normalität nicht wirklich zu tun. Volle Normalität wird es mit der Corona-Pandemie erst dann geben, wenn ein nachweisbar wirksames und dauerhaftes Impfserum in ausreichender Menge für weltweiten Einsatz verfügbar sein wird, was für das laufende Kalenderjahr mit Sicherheit ausgeschlossen ist. Bis auf weiteres gelten also Schritte und Maßnahmen, die hinlänglich bekannt sind und die ihren Nutzen und Wirksamkeit unter Beweis gestellt haben: Distanz halten, Schutzmaske tragen, Hygienevorschriften beachten, größere Menschenansammlungen meiden und auch im Privat- und Familienbereich auf Beschränkung der Zahl von Feiergästen achten.

Von besonderer Sensibilität bleibt die Pandemie im schulischen Bereich, wo man einerseits Infektionsquellen unterbinden, andererseits aber einen möglichst reibungslosen Schulbetrieb aufrecht erhalten will. Dass dies für öffentlichen Gesprächsbedarf sorgen würde, war den Verantwortlichen im Gesundheits- und im Bildungsministerium von Beginn an wohl klar, weshalb sie sich denn auch untereinander auf einen gangbaren und von realitätsbezogener Vorsicht bestimmten Schulbetrieb verständigt haben.

Es gehört zum Selbstverständnis der Demokratie ganz einfach dazu, dass sich jeder seine eigenen Gedanken macht und Theorien schmiedet, die sich auf persönliche Erfahrungen und davon abgeleitete Vermutungen gründen. Allerdings gehört zum demokratischen Miteinander auch das Vertrauen in Behörden, denen aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz gewisse Weisungsrechte zugestanden wurden, die sie auf die Bevölkerung anwenden sollen.

Es mag Politiker und Verwaltungsleiter geben, denen es Spaß macht, die Bevölkerung zu gängeln oder mit Beschränkungen der individuellen und der kollektiven Freiheit zu schikanieren. Schlimm und unzulässig wäre es allerdings, dies grundsätzlich und generell zu unterstellen, um bewusstes eigenes Fehlverhalten gegenüber gesetzlich verordneten Verhaltensweisen zu rechtfertigen.

Das wirksamste und im Grunde sogar einfachste Mittel gegen die Pandemie bleibt die menschliche Vernunft, die Menschen vor unnötigen Risiken schützt, wie etwa den Nichtschwimmer davor, in tiefgehende Gewässer zu springen oder den Hochhausbewohner, statt Aufzug den Sprung durchs Fenster zum Parkplatz zu nehmen.

Jeder ist seines – und des anderen! – Glückes Schmied.