LUXEMBURG
MARC GOERGEN

Mit „der feigen Ausrede, auf die anderen EU-Länder warten zu wollen“, lehnten die Regierungsparteien ein Verkaufsverbot für Zuchtpelze in Luxemburg ab. Dies sei ein weiteres Zeichen dafür, dass diese Regierung und ihre jeweiligen Parteien es mit dem Tierschutz nicht wirklich ernst meinen, resümiert der Piraten-Abgeordnete Marc Goergen die Abstimmung im Parlament.

„Die Regierungsparteien verstecken sich hinter der Europäischen Union, um national nicht Farbe bekennen zu müssen, obwohl sie wissen, dass eine europäische Lösung in weiter Ferne liegt. Es ist jedem bekannt, dass die Pelzlobby alles daran setzt, ein Verbot des Pelzverkaufes in der EU zu verhindern. Einige europäische Länder verdienen viel Geld durch den Pelzverkauf und die Interessenvertreter dieser Industrie versuchen natürlich jeglichen europäischen Ansatz eines Herstellungs- und Verkaufsverbotes von Pelzen zu blockieren. Zurzeit ist nicht abzusehen, wie und vor allem wann es zu europaweiten Verboten kommen könnte. Dass die blau-rot-grüne Mehrheit verkündet, sie wolle ‚weitergehen‘, als es mit einem nationalen Verbot möglich wäre, indem sie sich für ein europäisches Verbot stark macht, scheint somit absurd. Inwiefern sollen einige ergebnislose Gespräche auf EU-Ebene ‚weitergehen‘ als ein nationales Verbot? Es ist offensichtlich, dass es sich hierbei nur um eine Ausrede handelt, um den äußeren Schein zu wahren, ohne der Pelzindustrie Schranken auferlegen zu müssen. Bereits im Jahr 2016 wurde als Reaktion auf eine öffentliche Petition festgehalten, dass sich Luxemburg für ein Verbot von Pelzprodukten in der EU stark machen würde. Wirklich etwas geschehen ist danach nicht. Trotz der ehrbaren Vorsätze folgten in den drei darauffolgenden Jahren keine weiteren Schritte. Wichtige Entscheidungen mit zentraler Bedeutung für den Tierschutz wurden somit einfach auf die lange Bank geschoben.

Die Tatsache, dass es in Luxemburg anstatt eines Verbotes in Zukunft breite Informationskampagnen geben soll, mit deren Hilfe potenzielle Käufer über die Zustände in den Pelzfarmen aufgeklärt werden sollen, wird am Konsumverhalten wohl nichts ändern. Kein noch so deutliches Echtpelz-Etikett und auch kein staatlicher Flyer werden jemanden, der gerne Pelz trägt, davon abhalten, Pelz zu kaufen. Das Internet ist voll von Bildern von Tieren in Pelzfarmen. Wer heutzutage Pelz kauft erahnt, woher dieses Produkt kommt – und kauft es doch. Auf Infokampagnen zu setzen, anstatt ein Verbot auszusprechen, schützt allein die Interessen der Industrie und nicht jene der Tiere. An jedem Tag, in jeder Stunde, in jeder Minute und in jeder Sekunde werden weiterhin Tiere gequält, um als ‚Ware‘ für Luxustextilien zu dienen. Die Regierungsparteien haben entschieden, daran erstmal nichts zu ändern. Wir finden das skandalös! Mit einem nationalen Verkaufsverbot hätten wir dem Leid zumindest teilweise ein Ende bereiten könnten. Denn jeder weiß: Wenn die Nachfrage sinkt, sinkt auch die Produktion und damit das Leid vieler eingepferchter Tiere. Luxemburg hätte, neben Kalifornien, die ein solches Verbot bereits ausgesprochen haben, zu einem Pionier im Tierschutz werden können. Aber die Chance wurde vertan. Wir werden nicht akzeptieren, dass die Gewinne der Konzerne der Textilindustrie politischen Vorrang genießen. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass konkrete nationale Maßnahmen ergriffen werden. Die Zustände in den Pelzfarmen sind zu grausam, um zu warten, bis eine europäische Entscheidung vorliegt. Luxemburg hat die Möglichkeiten, dazu beizutragen, dem Schrecken ein Ende zu setzen. Die Frage ist nur, wann wir sie endlich wahrnehmen.“