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Angespielt: „Assassin’s Creed: Rogue“

Man hat sich dran gewöhnt, dass jedes Jahr ein neues „Assassin’s Creed“ erscheint. Dass jetzt zwei innerhalb eines Jahres kommen, ist neu. „Assassin’s Creed: Unity“ wurde exklusiv für die neuen Konsolen PlayStation 4 und Xbox One veröffentlicht. Doch was ist mit den alten Konsolen? Auch dafür hat man beim Hersteller Ubisoft eine Antwort: „Assassin’s Creed: Rogue“ - eine nette Portion Neues und Recyceltes, durchgemischt für die alte Konsolengeneration.

Seichte Gewässer

„Rogue“ versteht sich als eine Art Brückenschlager zwischen verschiedenen Spielen der Serie. Es ist ein Nachfolger zum letztjährigen „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ und ein Vorgänger zu „Assassin’s Creed III“ und „Assassin’s Creed: Unity“. Auch wenn das kompliziert wirkt, ist die Story schnell zusammengefasst: Shay Patrick Cormac ist ein Assassine, der im Laufe seiner dann doch relativ kurzen Laufbahn als Meuchelmörder moralische Zweifel entwickelt und sich schließlich entscheidet, die Seiten zu wechseln und den Templar beizutreten. Cormac hat dabei die charakterliche Tiefe einer typischen Wasserpfütze und kommt nicht einmal ansatzweise an Kollegen wie Ezio Auditore heran. Damit fällt auch ein Großteil der Story unter die Kategorie: Schön, dass es da ist, aber wen interessiert’s? Zum Glück ist das Spieldesign wieder gelungen, auch wenn dies hauptsächlich daran liegt, dass die meisten Dinge vom letztjährigen Spiel übernommen wurden. Sowohl die Erkundung der Wildnis als auch die Schiffsfahrten inklusive Gefechtsmechaniken sind bereits unlängst bekannt. Das Spiel fühlt sich an wie ein aufgeblasenes Add-On für „Black Flag“, wobei das Budget scheinbar fehlte, da es vom Pomp und der Politur her dann doch nicht mit den anderen mithalten kann. Schade ist es schon, denn die hier zu erkundenden Areale, inklusive New York, können einen richtigen begeistern. Es gibt wie immer viel zu tun: Schatzkisten und Extras können gefunden werden, man kann jagen gehen, um seine Ausrüstung aufzustocken, Gebäude renovieren, um seine Einkünfte zu verbessern und natürlich das eigene Schiff immer weiter aufmotzen. Denn nur wer gut ausgestattet ist, kann es mit den richtig großen gegnerischen Schiffen aufnehmen, um diese zu überfallen.

Frisch verpackt

Das täuscht nicht darüber hinweg, dass „Rogue“ wie eine mittelmäßige Portierung wirkt, der relativ schnell die Luft ausgeht. Denn obwohl die Packung gut gefüllt ist, fehlt es an wirklich interessanten oder neuartigen Inhalten. Klar, anstatt Ziele zu eliminieren soll man nun Ziele vor Assassinen retten, aber rein praktisch betrachtet ist das fast das gleiche. Dass man Assassinen, die einen nur verfolgen, quasi weglaufen kann, macht auch diesen neuen Aspekt sinnfrei und wieso man meint, ausgerechnet einen Granatenwerfer dem bereits gigantischen Arsenal hinzufügen zu müssen, ist eigentlich unerklärlich. Denn die künstliche Intelligenz der Gegner ist in den Kämpfen immer noch bemerkenswert doof und außer dem Konterknopf zu betätigen muss man seine Taktik eigentlich nie nennenswert anpassen. Deshalb ist eine neue Waffe uninteressant: Sie macht die Kämpfe noch leichter, als sie es eh schon sind.

Wenn man „Rogue“ mit einem Wort zusammenfassen möchte, fällt die Wahl auf „kompetent“: Es macht alles gut genug, um Fans der Serie zu befriedigen. Aber es handelt sich nicht um eine nennenswerte Weiterentwicklung der Serie, sondern allenfalls um eine Art Software-Beruhigungstropfen für all jene Fans, die sich noch keine neue Konsole angeschafft haben. Ein Lückenfüller, sowohl von der Story als auch vom Timing her, der es nicht schafft, Begeisterungsstürme zu entfachen.