BRÜGGE
JEFF KARIER

Ein Kurztrip nach Brügge macht Lust auf mehr

Wie ein Trommelfeuer prasselt der Regen auf die Windschutzscheibe, während die Wischer so schnell arbeiten, wie es die Mechanik nur zulässt. Wegen der schlechten Sicht und vereinzeltem Aquaplanings ist es nicht möglich, schneller als 100 km/h zu fahren. Das Wetter hätte für einen sonntäglichen Städtetrip nach Brügge weiß Gott besser sein können. Aber mit Regenjacke und Regenschirm ausgestattet wollen wir uns von unseren Plänen nicht abbringen lassen. Und so fahren wir Richtung belgische Küste, während aus den Lautsprechern das aktuelle Album von „Foals“ ertönt.

Nach rund dreistündiger Fahrt kommen wir gegen 11.30 in der belgischen Stadt an. Unser Ziel ist die Altstadt von Brügge, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Aufgrund der Pflasterstraßen werden wir auf der Suche nach einem Parkplatz kräftig durchgeschüttelt. Nach längerer Suche - einige der angesteuerten Parkplätze sind voll und geschlossen - parken wir schlussendlich keine 15 Minuten vom Markt, dem zentralen Platz der Altstadt, entfernt.

Historisch und abwechslungsreich

Bei leichtem Nieselregen erkunden wir die ersten Straßen der Stadt, die ihre Ursprünge im 2. und 3. Jahrhundert hat, als Brügge noch eine gallo-römische Siedlung war. Über die Jahrhunderte hat die Stadt, die vor allem vom Handel profitiert hat, eine bewegte Geschichte erlebt. Gebäude wie die „Belfort“, das Rathaus, aber auch viele der alten Bürgerhäuser zeugen vom einstigen Reichtum Brügges.

Die gut erhaltenen Bauwerke mit den roten Ziegeln und aufwändig gestalteten Giebelgesimsen verleihen Brügge seinen Charme, dem selbst der Regen nichts anhaben kann und locken jährlich Millionen Touristen an. 2018 sollen es insgesamt 8,3 Millionen gewesen sein. Von großen Besuchermassen bleiben wir aber bei unserem Besuch verschont. Außer einigen Besuchergruppen treiben sich weniger Touristen herum als erwartet. Etwas überraschend ist, wie viele Geschäfte auch sonntags geöffnet haben. In eines der vielen Schokoladengeschäfte verschlägt es uns dann auch. Neben eher traditionellen Pralinen und Schokoladentafeln fallen uns etwas speziellere Schoko-Kreationen ins Auge: Geschlechtsteile aus Schokolade. Als Mitbringsel sicher echte Verkaufsschlager.

Da wir nur für einige Stunden in Brügge sein werden, entschließen wir uns, keines der vielen Museen anzuschauen, sondern möglichst viele Ecken der Stadt zu Fuß zu erkunden. Dabei ist das Angebot sehr breit gefächert. Angefangen beim Archäologiemuseum, über das sehr beliebte Biermuseum bis hin zur „Xpo Center Bruges“, in der man aktuell Ausstellungen zu Mumien, Picasso und Andy Warhol findet. Und wer sich fürs Foltern interessiert, der sollte das Foltermuseum „De Oude Steen“ besuchen.

Krosse Leckereien

Am Hauptmarkt angekommen macht sich der Hunger bemerkbar. Direkt vor dem Belfort befinden sich zwei Frittenbuden, die zu den besten der Stadt gehören sollen. Wir bestellen zwei Pommes mit Sauce Andalouse sowie eine Viandel. Bei Letzterer handelt es sich um eine panierte und frittierte längliche Fleischfrikadelle. Die Pommes sind schön kross, im Inneren weich und auf den Punkt. Laut meiner Begleitung sind es sogar die besten Fritten, die sie je gegessen hat. Während wir die im heißen Fett gegarten Kartoffeln genießen, bestellt eine junge Frau neben uns. Auch sie möchte Pommes. Bei der Wahl der Sauce ist sie jedoch von der Auswahl überfordert - rund 16 Saucen gibt es - weshalb sie resignierend einfach Mayonnaise bestellt. „Haben Sie schon mal Andalouse probiert?“, frage ich sie kurzerhand. Sie verneint, woraufhin ich ihr anbiete diese bei mir zu probieren. „Hmm, die ist aber lecker“, meint sie und ändert ihre Bestellung. Wir kommen mit der Amerikanerin ins Gespräch - ihr Akzent hatte sie bereits als solche verraten. Sie stammt aus Idaho und ist mit ihrem Mann auf Europareise. In Amsterdam waren sie bereits. Übermorgen geht es dann nach Brüssel, anschließend nach Paris, London und weiteren Städten. Als der Verkäufer ihr Essen reicht, verabschieden wir uns und gehen weiter.

Zunächst geht es auf den Burgplatz, weiter durch eine kleine Gasse und so gelangen wir zu einer der vielen Brücken von Brügge, die eine schöne Sicht auf einige der alten Gebäude bietet, hinter denen der Belfort emporragt.

Mitglieder einer spanischen Touristengruppe drängen sich an der Mauer zum Kanal, um Selfies zu machen und wir schlängeln uns an ihnen vorbei. Unser nächstes Ziel ist „Bonne Chieremolen“, eine der wenigen noch erhaltenen Windmühlen Brügges. Sie befindet sich am Rand der Altstadt an der „Kruisvest“-Promenade. Vom Hügel aus hat man einen tollen Überblick über die Stadt und sieht auch auf die „Sint-Janshuismolen“, eine weitere Mühle.

Auf der Suche nach einem Laden, um uns bei einer Tasse Kaffee aufzuwärmen, stoßen wir auf „Vero Caffè“, einem kleinen Café mit einer großen Auswahl an heißen Getränken sowie Gebäck. Ein schlichtes Café, das modern, etwas alternativ und einladend ist - ein Glücksfund. Während sich draußen ein weiterer Schauer ergießt, genießen wir eine Tasse Kaffee und Zitronentorte beziehungsweise heißen Kakao und Brownie. Als es fast sechs Uhr ist, machen wir uns auf den Weg Richtung Auto. Dabei kommen wir an einer größeren Kirmes vorbei, die Teil der Feierlichkeiten der Heiligblutprozession ist, die jährlich an Christi Himmelfahrt stattfindet. Als wir an Autoscooter sowie anderen Fahrgeschäften und Buden vorbeigehen, bricht langsam die Sonne durch die Wolkendecke und ich beschließe möglichst bald wiederzukommen. Dann aber für ein verlängertes Wochenende und etwas mehr Sonnenschein.