Das „Django“-Remake des Kultregisseurs ab dieser Woche in den Kinos

Luxemburg Er zog einen Sarg hinter sich her; darin lag ein Maschinengewehr. Sein Erzfeind Major Jackson hatte seine Frau auf dem Gewissen. Sein Ziel: Erbarmungslose Rache. Sein Name: Django (Franco Nero). Sein Ursprung: Der Italo-Western „Django“ von Sergio Corbucci aus dem Jahr 1966. Heutiger Status: Kultfilm!

47 Jahre später ist Django (Jamie Foxx) ein Sklave, der von einem filmischen Unikat der allerfeinsten Art frei geballert wird, dem deutschen Zahnarzt King Schultz (Christoph Waltz). Wenn man nun Quentin Tarantino als Regisseur dieses neuen „Django Unchained“ ins Spiel bringt, dann gluckst das Herz, steht der Name doch für Unterhaltung der ganz speziellen Art. Hier stimuliert die Redensweise des Deutschen, der ins viel lukrativere Geschäft des Kopfgeldjägers gewechselt ist, die Lachmuskeln derart, dass selbst das in alle Himmelsrichtungen spritzende Blut keine Gänsehaut bewirkt, sondern lautes Lachen.
Irreal wirkende Monologe

King braucht Django, da dieser die Gesichter der steckbrieflich gesuchten Schurken kennt, den Brittle Brüdern. Ehe er die Prämie für die drei Brüder - tot oder lebendig - einsäckeln kann, knallt er einfach mal einen Sheriff ab und überzeugt den Marshall Tatum (Tom Wopat), dass dieser ein Verbrecher war, auf dessen Kopf eine Belohnung ausgesetzt ist. Nachdem die Brittles Geschichte sind, hilft der Arzt Django, seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) zu finden, die auf der Farm vom Großgrundbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) als Sklavin arbeitet. Der Name Broomhilda erinnert Schultz an die Nibelungen-Sage. Nur um an den Drachen „Monsieur“ Candie heranzukommen, bedarf es eines klugen Planes. Unter dem Vorwand in die Mandingo-Kämpfe einsteigen zu wollen, erregt er das Interesse von Candie. Nach 165 Minuten Laufzeit, gefüllt mit dem schwärzesten Humor, den man je in einem Western gesehen hat, und Hektolitern Blut, muss man einmal tief Luft holen. Wie kann man nur auf diese verrückten Ideen kommen und das Publikum dennoch unterhalten? Blutbäder und bizarrer Humor wechseln sich ab, wie in „Pulp Ficton“ .Typisch für Tarantino eben! Auch seine köstlichen, fast irreal wirkenden Dialoge fehlen nicht, wie z.B. der ellenlange Mo olog Candies über den Deal zwischen Schultz und ihm.

Tarantino weiß wie man abartigen Humor und skurrile Actionszenen mit einander verpackt. Einziger Schwachpunkt ist das Fehlen dieses Humors im mittleren Teil des Films, da er ein paar harten Abmurksszenen Platz
machen muss. „Django Unchained“ ist ein Western für Leute mit Sinn für aparten Humor. Die Filmfans werden zudem ihren Spaß haben, die vielen Anspielungen auf das Genre zu entdecken - selbst der Original-Django fehlt nicht!Christian Spielmann