Der bekannteste Roman des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes, „El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha“ (Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha), kurz „Don Quijote“, wurde in zwei Teilen 1605 und 1615 veröffentlicht. Der amerikanische Schriftsteller und Drehbuchautor Dale Wasserman schrieb 1959 den Fernsehfilm „I, Don Quixote“. 1965 entstand aus dem Stück das Musical „Man Of La Mancha“, mit der Musik von Mitch Leigh und den Texten von Joe Darion. Die deutschsprachige Premiere von „Der Mann von La Mancha“ war 1968 in Wien. Im selben Jahr spielte Jacques Brel die französische Fassung in Brüssel. Arthur Hiller verfilmte das Musical 1972 mit Peter O’Toole als Don Quijote. In Trier hegte der Intendant des Theater Triers, Gerhard Weber, schon lange den Wunsch, das Musical in Szene zu setzten, und jetzt, kurz vor seiner Pensionierung, wurde sein Traum Realität. Seine äußerst interessante Inszenierung feierte am vergangenen Samstag Premiere.
Alle Hannibal Lecters
Käfige aus verrosteten Baumatten bilden das Bühnenbild von Thomas Mogendorf, ein spanisches Gefängnis aus dem 17. Jahrhundert. Die Inhaftierten tragen Mundmasken und warten auf die Richter der Inquisition. An ihren Sträflingskleidern hängen oft überlange Ärmel, so als hätten sie Zwangsjacken an. Sie sehen alle aus wie der berühmte Serienmörder Hannibal Lecter im Film „The Silence of the Lambs“. In dieser eigenartigen Welt landen Miguel de Cervantes (Harmut Volle) und sein Diener Sancho Panza (Matthias Stockinger). Regiert wird das Gefängnis vom Gouverneur (Pawel Czekala) und dem Herzog (Markus Rührer). Ehe die Inquisitionsrichter ihr Urteil fällen werden, beurteilen zuerst die Gefangenen die Vergehen des Schriftstellers. Als beste Verteidigung sieht Cervantes an, dass er ihnen seine Geschichte vorspielt, die in dem Manuskript niedergeschrieben ist, welches der Herzog beschlagnahmt hat. Aus Cervantes wird der betuchte und senile Don Alonso Quijana, der glaubt, er wäre der tapferer Ritter Don Quijote. Sancho bleibt sein Diener, während die Inhaftierten alle weiteren Rollen des Romans spielen. So wird aus der Putzfrau und Gelegenheitsdirne Aldonza (Nadine Eisenhardt) Don Quijotes angebetete Lady Dulcinea.
Zwischen Wahn und Realität
Durch die Beleuchtung von unten der Insassen in den Käfigen, erscheint das Verlies als surreale Welt, in dem die Insassen durch Masken und Zwangsjacken daran gehindert werden, ihrem Wahnsinn nachzugeben.
Regisseur Weber verdeutlicht somit auch das Problem des Don Quijote, die Realität vom Traum, den er im Song „Er träumt den unmöglichen Traum“ (The Impossible Dream) erklärt, zu unterscheiden. Don Quijote verändert kurz das freudlose Leben der Aldonza, deren Massenvergewaltigung er trotz allem nicht verhindern kann. Am Ende hat er die Gefangenen von seinem Roman überzeugt, in der die Hauptfigur konsequent ihrer Berufung folgt.
Mit den Saarbrücker „Tatort“-Chef der Spurensicherung Harmut Volle hat man sich einen bekannten Schauspieler nach Trier geholt, der schauspielerisch voll überzeugen und auch gesanglich sein Talent beweisen kann. Matthias Stockingers Engagement als Mitglied des Trierer Ensembles ist zwar abgelaufen, doch wurde er für die Rolle des Sancho Panza engagiert.
Er ist ein äußerst begabter Sänger, und als Schauspieler lässt er viel Humor in seine Rolle einfließen. Nadine Eisenhardt gehört zu der erste Garde des Trierer Ensembles. Sie hat keine stimmlichen und schauspielerischen Schwierigkeiten als verwirrte Dirne, die in den Stand einer Dame erhoben wird, zu gefallen.
Somit sollte man Gerhard Webers Inszenierung von „Der Mann von La Mancha“ im Theater Trier auf keinen Fall verpassen.
Weitere Informationen und Tickets unter www.theater-trier.de




