Die Winnetou-Filme aus den 1960ern sind längst zu Klassikern geworden. Pierre Brice als Winnetou, der Häuptling der Apachen, und Lex Barker als sein Blutsbruder Old Shatterhand sind in die ewige Filmgeschichte eingegangen. 2001 realisierte Michael „Bully“ Herbig mit „Der Schuh des Manitu“ eine Parodie auf diese deutschen Western. Am 7. Dezember 2008 wurde eine Musical-Fassung des Films im Berliner Theater des Westens uraufgeführt. Die Musik komponierte Martin Lingnau, die Liedtexte schrieb Heiko Wohlgemuth und das Buch John von Düffel. Bei den Festspielen in Tecklenburg feierte am 22. Juni die erste Open-Air-Fassung seine Premiere unter der Regie von Ulrich Wiggers.
Der Schatz von Abahachi
In einem Land, wo die Indianer Sonnenbrillen tragen, auf Fahrrädern fahren und den Gangnam Style tanzen, bekommen der Häuptling der Apachen Abahachi (Werner Bauer) und sein Blutsbruder Ranger (Alexander Klaws) Ärger mit dem Chef der Schoschonen, Listiger Lurch (Eric Minsk). Um das Apachen-Pup kaufen zu können, nehmen die beiden Freunde ein Darlehen bei den Schoschonen auf. Allerdings werden sie vom Verkäufer, dem Banditen Santa Maria (Reinhard Brussmann), reingelegt, und der Sohn vom Listigen Lurch Falscher Hase (Sebastian Brandmeir) wird von ihm erschossen.
Für Listiger Lurch sind die zwei Blutsbrüder Schuld und werden an den Marterpfahl gefesselt. Sie können aber entkommen. Abahachi erinnert sich an eine Schatzkarte, die er einst erhielt und in vier teilte. Mit dem Schatz könnten sie zumindest ihre Schuld begleichen. Ein Viertel hat er selbst. Ein weiterer Teil besitzt Winnetouch (André Haedicke), sein Zwillingsbruder, der die Schönheits-Farm Puder Rosa betreibt. Das dritte Viertel hat Uschi (Femke Soetenga), eine Barbesitzerin, und den letzten Teil der Grieche Dimitri (Thomas Hohler). Zusammen mit Winnetouch machen sich die Blutsbrüder auf die Suche nach dem Schatz.
Humor ist Trumpf
Das Musical beginnt furios mit einem echten Showstopper „Wo die Schoschonen schön wohnen“ zu einer flotten Choreografie von Kati Heidebrecht, und der erste Akt schließt mit einer toll getanzten Nummer, „Ich trinke Ouzo“. Die Songs Martin Lingnaus inspirieren sich an klassischen Westernmelodien, am deutschen Schlager, sind rockig, balladenhaft und schwungvoll.
Wortspiele, Parodien und Anachronismen
Die Geschichte wird vorrangig vom Humor dominiert, von Wortspielen, Parodien und Anachronismen. So graben die Schoschonen den Klappstuhl aus, und ein holländischer Sheriff mit Wohnwagen hält Ranger an. Uschi braucht einen Mann, der Jodeln kann, die Pferde haben eine Art „War
Horse“-Charme, und die Ganoven von Santa Maria singen den „Superperforator“-Song, einen Werbesong! Der ausgeflippte Winnetouch, der sich in Hombre (Julian Looman) verliebt hat, den „Aschenbecher“ von Santa Maria, lässt mit seinem linkischen Getue den Lachmuskeln ebenfalls keine Ruhe.
Werner Bauer und sein „Zwillingsbruder“ André Haedicke sorgen für gute und überdrehte Stimmung. An ihrer Seite hat es der erste DSDS-Gewinner Alexander Klaws schwer. Seiner Rolle haftet eine gewisse Ernsthaftigkeit an, die er gegenüber den Squaws und Uschi mit seinem Aussehen wettmachen kann. Zudem überzeugt er mit seiner ausgezeichneten Stimme, u. a. im
Duett „Wünsche werden wahr“ mit der stimmlich ebenso talentierten Femke
Soetenga. Die riesige Open-Air-Bühne verfügt über keine komplexe Technik. Die Schauspieler/innen, in den flotten Kostümen von Karin Alberti, transportieren deshalb die Requisiten selbst auf die Bühne. Eine drehbare Nebenbühne verwandelt sich in die Puder Rosa, und die Holzbaracke im Hintergrund wird z. B. zur Schatz-Grotte.
Auch Open Air ist „Der Schuh des Manitu“ eine absolut sehenswerte Show, bei dem sich gute Witze und genüssliche Melodien abwechseln.
Alle Informationen zu den Festspielen in Tecklenburg findet man auf der Internetseite www.buehne-tecklenburg.de




