„Der Gentleman genießt, ... und schweigt.“ Diese Regel haben wir nicht erfunden und wir wollen sie auch gar nicht rechtfertigen, beziehungsweise verteidigen.

Genießer sein kann man auf sehr unterschiedliche Weise. Die bescheidenste Art besteht darin, Genuss zu beziehen aus dem, was man sich sensorisch verinnerlicht. Das kann eine mit großem Können zubereitete Speise sein, das kann ein besonders edles Getränk sein, das kann aber auch eine sehr angenehme Gesellschaft sein, in der man sich wohl fühlt und sich entspannt von Alltagssorgen, die ja den einen oder andren bisweilen umtreiben sollen.

Daran ist nichts auszusetzen, solange man sicher sein kann, dass am Ende der jeweilige „Gastgeber“, schlimmstenfalls man selber, dafür die Mühe und Kosten übernimmt und nichts zu Lasten anderer zurück lässt.

Es soll Leute geben, die behaupten, Luxemburg habe die letzten 20 Jahre „wie die Made im Speck“ gelebt. Selbst wenn dies übertrieben scheint, so hat doch bislang niemand das Gegenteil beweisen können. Dass wir in den letzten sechs bis acht Jahren - bewusst - über unsere eigentlichen Verhältnisse gelebt haben, das zeigt jedoch allemal der sprunghafte Anstieg der nationalen Verschuldung, die sich im eben genannten Zeitraum vervielfacht hat.

„Britannia rules the waves“, so hat es früher mal geheißen, und darin war keinerlei Exklusivität genannt, also konnte jeder andere auch versuchen, es den Briten gleich zu tun.

Luxemburg ist zu klein, auch wenn es mit Werner, Thorn und derzeit Juncker gute und international geschätzte Persönlichkeiten hervorgebracht hat, um die Welt den Respekt, das Fürchten, oder auch sonst nur irgendetwas zu lehren. Bleiben wir deshalb, bei aller Tüchtigkeit, zu der wir in deutlich schwierigeren Zeiten international fähig waren, doch bitte auch ein ganz klein wenig realistisch, oder besser noch bescheiden. Warum fällt in diesem Zusammenhang der Name des leider verstorbenen Sportlers und Politikers Josy Barthel ein?

Denn selbst wenn wir im Lied vom „Siegfrieds-Schlass“ glauben, auf eine glorreiche Vergangenheit zurück blicken zu dürfen, sollten wir uns doch bewusst sein und bleiben, dass wir im Grunde ein sehr kleiner Verein sind, der sich zwar konsequent, aber auch mit viel Glück, durch die vergangenen Jahrzehnte schlagen konnte.

Klein sein muss keinen Nachteil bedeuten, wenn man sich mit einer eher bescheidenen internationalen Rolle abfinden und seinen Platz einzunehmen vermag.

Deshalb sollten wir, trotz vermeintlicher ureigener Tüchtigkeit, die jedoch nicht unwesentlich auf dem Beitrag von Leuten beruht, die im Laufe der Zeit glücklicherweise zu uns gestoßen sind und sich hier wohl fühlen, auf Oberlehrergehabe verzichten. Wir sind nicht unbedingt dazu berufen, anderen - auch befreundeten, in der Regel deutlich größeren - Staaten Lektionen zu erteilen. Sonst dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die harte Realität der Lebens, wie in den letzten Tagen, auf den Boden der Tatsachen zurück holt.

Sit modus in rebus, oder: Bescheidenheit ist eine Zier.