DUBLINPATRICK VERSALL

Dublin zieht viele Kurzurlauber an

Sturm über Dublin, der Flieger dreht seit einer knappen halben Stunde seine Runden über der irischen Hauptstadt, zwölf Maschinen wollen runter zum Dublin Airport. Mein Sitznachbar klammert sich mit beiden Händen an die Armlehnen, die Luftlöcher, die die Passagiere der 70-sitzigen Turboprop-Maschine durchschütteln, können ihn alles andere als aufheitern.

Einer kurze, brachiale Landung auf der grünen Insel, die zwei Flugstunden von Luxemburg entfernt liegt und die Heimat großer Dichter wie James Joyce oder Seamus Heaney war und für Schauspieler wie Daniel-Day Lewis nach wie vor ist.

Nachdem die Reisenden die endlos langen Korridore und Rollteppiche der Ankunftshalle hinter sich gelassen haben, können die Tickets für einen der zahlreichen Airport-Zubringerbusse gelöst werden, die im 30-Minutentakt die City mit dem internationalen Flughafen verbinden.

Über eine U-Bahn-Linie verfügt die irische Hauptstadt nicht. Braucht sie auch nicht, denn alle wichtigen Hotspots der Stadt lassen sich bequem zu Fuß erreichen oder mithilfe des sehr ausgeklügelten Busnetzes. Besucher können sich gleich am Tag ihrer Anreise eine Mehrtageskarte zulegen, für Familien sind spezielle Gruppen-Fahrkarten erhältlich. Als Fahrgast sollte man allerdings immer Kleingeld dabei haben, Wechselgeld gibt es von den überaus freundlichen Fahrern keins.

Lokale Läden

Der Dublinbesucher hat die Qual die Wahl zwischen einer großen Anzahl von Drei-, Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels, die zentral diesseits oder jenseits des Liffey-Flusses liegen. Ein erster Entdeckungsspaziergang führt viele Gäste durch die O’Connell Street, eine Verkehrsader schlechthin, in der die Niederlassungen internationaler Modehäuser und Coffeeshops Seite an Seite stehen.

Etwas ruhiger geht es in den zahlreichen Seitenstraßen der O’Connell Street zu, wo lokale Läden den internationalen Ketten Paroli bieten und an den Wochenenden die Einheimischen ihre Einkäufe erledigen.

Dublin ist rastlos und immer auf den Beinen, kleine Verschnaufpausen kann man sich aber in den vielen Grünanlagen der Stadt gönnen, die über die ganze Stadt verteilt sind wie der St. Stephen’s Green oder der Saint Patrick’s Park neben der Kathedrale, die dem irischen National-Heiligen geweiht ist.

Das im gotischen Stil errichtete Gotteshaus wird heute unter anderem von Spenden finanziert, der Eintritt kostet sechs Euro. Mancher Besucher ist vielleicht überrascht über die Souvenirstände, die im hinteren Teil der Kirche errichtet wurden, um Nippes und Rosenkränze an die Gläubigen und Heiden zu verkaufen, die sich eine der berühmtesten Kirchen des Landes anschauen wollen.

Guinness-Heiligtum

Als Kathedrale des irischen Biers kann man den Sitz der Guinness-Brauerei bezeichnen, die jeden Tag Horden von Touristen und Bierliebhabern anzieht. Neunzig Minuten müssen die Besucher Schlange stehen, um im Innern der Brauerei die Geschichte des bekanntesten irischen Biers erklärt zu bekommen; wer sich nicht vor dem Einlasstor die Füße platt treten möchte, sollte an einer, auch von luxemburgischen Reisebüros organisierten Gruppenbesichtigung teilnehmen. Diese Besucher bekommen Zugang zum Bier-Heiligtum durch einen Spezialeingang.

Dublin schläft nie, ähnlich wie New York, wo viele Iren, die dem wirtschaftlichen Untergang des Heimatlandes den Rücken gekehrt haben, sich niedergelassen haben. Die allermeisten Restaurants und Pubs servieren ihre Speisen von früh bis spät, junge Küchenchefs peppen die traditionellen irischen Gerichte wie „Fish and Chips“ heutzutage optisch wie geschmacklich auf.

Kostenlos und frei von langen Wartezeiten sind die Auftritte der zahlreichen Straßenbands, die, nicht nur im Amüsierviertel Templebar, ihre Kompositionen vorstellen und auf eine ähnliche Karriere wie die von U2 hoffen. Bei gutem Wetter lohnt sich ein Abstecher an die See, die mit der Schnellbahn LUAS ab dem Stadtzentrum erreichbar ist.

Dublin hat sich in den vergangenen Jahren zu einem äußerst beliebten Ziel von Kurzurlaubern entwickelt. Zum einen liegt das daran, dass die vom Liffey-Fluss geteilte Stadt trotz ihrer 600.000 Einwohner sehr überschaubar wirkt und man sich als Besucher an einem verlängerten Wochenende bereits einen ziemlich reichhaltigen Überblick über ihr touristisches wie auch kulturelles Angebot verschaffen kann.

Zum anderen haben insbesondere die Hotels unter den Nachwehen der Wirtschaftskrise gelitten, die das Land mit voller Wucht getroffen hat, so dass auch die führenden internationalen Hotelketten gezwungen waren, ihre Preise massiv nach unten zu korrigieren.


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