LUXEMBURG
SVEN WOHL

Memes transportieren und transformieren Ideen durch das ganze Netz

Kaum eine Form der Kommunikation ist dem Netz so eigen wie das sogenannte Internet Meme. Ein Meme - ausgesprochen wie „Miem“, nicht „Mähmäh“ - ist eine kulturelle Idee, die sich virulent verselbstständigt. Das klingt reichlich verkopft, heißt praktisch betrachtet, dass hier eine Schablone angeboten wird, die sich beliebig anpassen und verbreiten lässt.

Die „Boys vs girls“-Schablone gekoppelt an das Zeitreise-Meme - Lëtzebuerger Journal
Die „Boys vs girls“-Schablone gekoppelt an das Zeitreise-Meme

Kontraste durch Verweise

Dadurch ergibt sich von selbst, dass ein Meme zahlreiche Formen annehmen kann. Da wären Bilder mit Text - sogenannte Macros - Gifs, also animierte Bilder, Videos und weitere zu nennen. Dabei spielen zwei Faktoren eine wesentliche Rolle: Kreativität und Intertextualität. Während Kreativität sich von selbst erklärt, ist es bei Intertextualität schwieriger: Hierunter versteht man den Verweis auf einen anderen Inhalt. Basiert ein Meme beispielsweise auf dem „Herrn der Ringe“ ergibt sich Komik und Teilbarkeit oft durch den Kontrast der Nachricht mit dem High-Fantasy-Stoff.

Oft sind Filme, Serien oder gar einfache Interviews die Vorlage für Memes. Anfang August etwa hat der Journalist Jonathan Swan ein langes Interview mit dem US-Präsidenten Donald Trump geführt. Bei der Diskussion rund um die Zahl der Corona-Infektionen kam es zu einem denkwürdigen Austausch zwischen den beiden, wie einige Zahlen zu interpretieren seien. Sie reichen sich Panels mit Zahlen, woraufhin der Journalist einen stark verwirrten Eindruck machte. Und schon war eine neue Vorlage für ein Meme geboren, denn die eigene Konfusion in Angesichts so vieler Dinge ließ sich so hervorragend in einer eigens modifizierten Bildabfolge nachstellen. Natürlich brauchen nicht alle Memes eine solche Vorlage und müssen sich auch nicht ausschließlich auf digitalem Wege verbreiten. Eine defekte Tür an der Universität Mainz wurde 2015 mit einem Zettel versehen: „DEFEKT – Techniker ist informiert“. Wie vice.com schreibt, begann die erste Reaktion noch ganz harmlos. Eine Studentin schrieb auf einen Zettel darunter: „Techniker auch defekt“. Was folgte war eine Kettenreaktion an weiteren Memes, die ebenfalls ausgedruckt wurden und bald die Tür schmückten. Nachdem die Memes in die Realität gesickert waren, kam es, wie es kommen musste: Fotos wurden gemacht und die Memekollage wurde selbst zum Internetmeme. Als die Tür dann endlich repariert war, sollte das Happy End perfekt sein.

Nur weil ein Meme politische Ursprünge hat, muss das Meme nicht politisch sein - Lëtzebuerger Journal
Nur weil ein Meme politische Ursprünge hat, muss das Meme nicht politisch sein

Kaum Grenzen

Die Themen von Memes können so unterschiedlich sein wie ihre Technik. Popkultur, Technik, Politik, Weltgeschehen - sie alle stellen den Nährboden für neue Memes dar. Ziel ist es oft, zu belustigen oder auch zu kritisieren. Das dürfte dann einer der Gründe sein, weshalb auch Politik gerne ins Fadenkreuz genommen wird. Mal anhand von Themen, mal anhand von Persönlichkeiten, die im öffentlichen Rampenlicht stehen.

Wie fast alles, was Spaß macht und aus dem Internet stammt, sollte auch dieses Konzept früher oder später von Werbetreibenden unterwandert werden. Denn alles, was viral gehen kann, könnte auch genutzt werden, um damit reichlich Geld zu scheffeln. Mittlerweile gibt es unternehmen, die ganz spezifisch nach Mitarbeitern suchen, die mit ihrer Marke Memes herstellen können. Der Werbeeffekt funktioniert hier ähnlich wie bei den Gifs: Wenn ein Film, eine Serie oder ein Videoclip gutes Material für ein Meme liefert, steigt dadurch seine Bekanntheit. Kaum jemand erinnert sich an den Nicolas Cage Streifen „The Wicker Man“ (2006), aber die „Not the bees!“-Szene ist in Meme-Kreisen ein Klassiker. Der Videospielehersteller Sega erkannte dies mitunter am frühsten und lässt über das Konto von „Sonic the Hedgehog“ ständig neue Memes oder Verweise auf Memes posten. Die Interaktionszahlen geben dieser Taktik recht.

Wer zum ersten Mal auf ein Meme stößt, kann verwirrt reagieren. Das ist vor allem dann der Fall, wenn das Referenzmaterial unbekannt ist und damit der Witz oder die Intention hinter dem Meme nicht so leicht erkannt werden kann. Hier ist die Internetseite knowyourmeme.com zu  empfehlen. Sie gibt Aufschluss über Herkunft, Sinn und Zweck wie auch die Varianten des Memes.