Nachdem sich Europas Versicherungsbranche letztes Jahr auf Malta traf, fand gestern im Konferenzzentrum Kirchberg die siebte Auflage der „International Insurance Conference“ statt. Hauptthemen waren die neuen Technologien, gesetzliche Vorgaben und - das Motto der diesjährigen Konferenz - „Die Globalisierung der Versicherungsindustrie“.
Sergio Balbinot, der am Tag zuvor als Präsident des europäischen Versicherungsverbands wiedergewählt worden war, begrüßte mit seiner Eröffnungsrede die rund 400 Fachleute aus über 30 Ländern, darunter Vertreter von Versicherern, der EU-Kommission, Aufsichtsbehörden wie die International Association of Insurance Supervisors (IAIS). „Versicherungen“, erklärte Balbinot, „sind relevanter denn je zuvor, um den gesellschaftlichen Veränderungen ein Gesicht zu geben und als Mittel, Stabilität und Wachstum zu generieren.“ Darum sollten die Versicherungsgesellschaften von den Regulatoren auch als Teil der Lösung gesehen werden statt sie, wie es manchmal schien, als Teil des Problems.
Danach sprach Finanzminister Pierre Gramegna, der zu bedenken gab, dass eine langfristige Perspektive zwar vielleicht nicht modern, aber notwendig sei. Der Minister betonte, dass Versicherungen ein wichtiger Teil der luxemburgischen Finanzbranche sind, vor allem auch was grenzüberschreitendes Geschäft angehe. Globalisierung ist für luxemburgische Versicherungen nichts Neues, denn sie generieren immerhin knapp 90 Prozent ihrer Einnahmen außerhalb der Landesgrenzen.
Gramegna kam auch auf ein Thema zu sprechen, das auf der Konferenz einen wichtigen Stellenwert einnahm: Investitionen. Um solche in die europäische Realwirtschaft und Infrastrukturprojekte zu fördern, hat die EU den neuen Typ des Investmentfonds „ELTIF“ (European Long Term Investment Fund) ins Leben gerufen. Nach Gramegna bieten Infrastrukturinvestments genau den Typ von „Return on Investment“, nach dem Versicherer Ausschau halten. Auch beim Thema Altersversorgung sieht Luxemburgs Finanzminister die Versicherungsbranche als Teil der Lösung an.
Dirk Kempthorne, Präsident der Global Federation of Insurance Associations (GFIA) betonte ebenfalls die Rolle, die der private Versicherungssektor bei der Pensions-Herausforderung wie auch bei der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung spiele: „Wenn man positiv gesehen werden will, machen Investitionen in Infrastrukturprojekte den Unterschied.“
Versicherer sind größte Investoren
Jyrki Katainen, EU-Kommissions-Vizepräsident und zuständig für Arbeitsplätze und Wachstum, wurde mit einer Videobotschaft zugeschaltet. Er wies auf die neusten Prognosen hin, die einen leichten wirtschaftlichen Aufschwung prognostizieren. Damit das nicht nur ein saisonaler Effekt sei, sei ein nachhaltiger Aufschwung durch mehr Investitionen nötig. Katainen erklärt, dass letztes Jahr die Investitionen in der EU um 15 Prozent niedriger waren als sie es im Jahr 2007 gewesen waren. Um die Liquidität in produktiven Nutzen umzuwandeln, sei darum die Aufgabe. Versicherer als größter institutioneller Investor - nach Branchenangaben betrug das Anlagevermögen 2014 rund 9,23 Billionen Euro - kommt darum eine bedeutende Rolle zu, auch im EU-Investitionsplan. Der soll die Investitionen durch Pensionsfonds und Versicherer in kleinere Unternehmen und Infrastrukturprojekte fördern, indem er als Kofinanzierer Risiken minimiert und dadurch die Investitionen attraktiver macht.


